Die Rückkehr Zandvoorts in den Formel-1-Kalender ab 2020 ist eine Nachricht, die von Fahrern sowie Fans überwiegend positiv aufgenommen wurde. Gleichzeitig wirft das Comeback des Niederlande GP auf der Dünenachterbahn einige Fragen auf. Wie soll die legendäre Rennstrecke in ihrer heutigen Form F1-tauglich werden? Puristen bangen um den Charakter Zandvoorts. Die Promoter haben schon einen genauen Plan.

"Es wird jede Menge Spaß machen. Es ist ziemlich herausfordernd, es gibt ein paar überhöhte Kurven und einige Stellen sind sehr eng. Es gibt kaum Auslaufzone, wenn du abfliegst geht's direkt in die Mauer", sagt Lokalmatador Max Verstappen, der als einer der wenigen Piloten im Feld bereits einen Formel-1-Boliden in Zandvoort bewegte.

Bei den Jumbo Racing Days pilotierte der 21-Jährige mehrmals ältere Autos von Red Bull. "Es ist ziemlich schnell. Du hast Höhenunterschiede auf der Hälfte der Runde, es ist sehr wellig und geht bergauf, dann verlierst du erst etwas Anpressdruck und dann wirst du wieder heruntergedrückt. Ein paar Kurven sind auch blind. Es ist sehr schwierig, das Limit zu finden. Auf machen Strecken ist es einfacher, aber das macht es hier noch aufregender."

Tatsächlich gibt es in Zandvoort nicht eine einzige asphaltierte Auslaufzone. Eine absolute Seltenheit im modernen Motorsport, die nicht nur bei Verstappen gut ankommt. Der Großteil der F1-Piloten kennt Zandvoort aus den Nachwuchskategorien. Doch wird er im kommenden Jahr noch das sein, was die Fahrer so an ihm schätzen? "Wenn wir dort sind, wird es keine Kiesbetten mehr geben", fürchtet Sebastian Vettel, dass vom Charakter Zandvoorts 2020 nicht mehr viel übrig sein wird.

Zandvoort hielt Formel-1-Rückkehr selbst für kaum möglich

Die FIA stellte an den in die Jahre gekommenen Kurs an der Nordseeküste selbstverständlich dieselben hohen Ansprüche wie an alle anderen Austragungsorte im Kalender. Der vor dem Saisonauftakt in Australien überraschend verstorbene Rennleiter Charlie Whiting machte sich auch von Zandvoort im vergangenen Jahr noch ein Bild.

"Wenn du mich vor einem Jahr gefragt hättest, hätte ich gesagt, dass es fast unmöglich ist", sagt Jan Lammers, der im Dienste des Zandvoort-Promoters an der Rückkehr arbeitete. Der ehemalige Grand-Prix-Pilot erklärte in der im Rahmen der Bekanntgabe abgehaltenen Pressekonferenz, wo der Streckenbetreiber Hand anlegen muss um Formel-1-Action zu ermöglichen.

"Die Start- und Zielgerade wird etwas nach vorne versetzt in Richtung Tarzanbocht, damit die Startaufstellung von der Haupttribüne aus gut zu sehen ist", beginnt der 62-Jährige mit einer kosmetischen Anpassung. Die erste wirklich relevante Veränderung gibt es erst in der zweiten Kurve.

Das Layout von Zandvoort soll sich nicht grundlegend verändern - Foto: FIA
Das Layout von Zandvoort soll sich nicht grundlegend verändernFoto: FIA

Formel 1 darf sich auf Zandvoorts eigene Eau Rouge freuen

"Der Ausgang der Gerlachbocht wird etwas geweitet, aus Sicherheitsgründen", sagt Lammers. Die mittelschnelle Rechtskurve mündet in eine langsame 180-Grad-Kurve, welche nach dem Streckendesigner Hans Hugenholtz benannt ist, der neben Zandvoort auch das Layout von Suzuka entwarf.

Auch diese Kurve wird modifiziert: "Die Hugenholtzbocht wird innen erweitert, um dort mehr Platz zu schaffen und höhere Geschwindigkeiten auf dem Weg hoch zu Scheivlak (Turn 7) zu ermöglichen." Letztere ist die Kurve acht auf dem Circuit Zandvoort, eine bereits mit Touren- oder Sportwagen ultraschnelle Rechtskurve.

"Für den Fahrer ist es der ultimative Test, wenn du Scheivlak nimmst. Es ist unsere eigene Eau Rouge, wenn du so willst", sagt Lammers. "Ich denke, der Pilot der die Pole Position fährt, wird voller Euphorie aus seinem Auto steigen, nachdem er diese ultimative Racing-Erfahrung gemacht hat."

Formel 1 in Zandvoort: 360-Grad-Runde mit Max Verstappen: (01:54 Min.)

Zandvoort-Plan: Formel 1 in letzter Kurve mit offenem DRS

Die darauffolgende Kurve neun, ehemals Marlborobocht, sowie die Turns 9 und 10 kamen bei ihm nicht zur Sprache. Interessant wird es erst wieder bei den Kurven 12 und 13, welche den letzten Sektor einläuten, bekannt als Hans-Ernst-Bocht. Die zweite Kurve der Passage, eine Linkskurve, soll verkürzt und geöffnet werden, um den Stop-and-Go-Charakter zu beseitigen und auf der darauffolgenden 275 Meter langen Geraden höhere Geschwindigkeiten zuzulassen.

Die vorletzte Kurve soll ebenfalls unangetastet bleiben. Interessant wird es dafür noch einmal in Turn 15. Bei der nach dem zweimaligen Indy-500-Sieger Arie Luyendyk benannten Passage handelt es sich um seine sehr schnelle Rechtskurve, die am Ausgang obendrein keine Auslaufzone bietet.

"Sie wird eine leichte Überhöhung erhalten, damit sie mit Vollgas durchfahren werden kann", sagt Lammers über die Zielkurve, die auf die 678 Meter lange Start- und Zielgerade führt. "Dadurch wird es ähnlich wie der letzte Teil in Brasilien [Interlagos], wo man mit geöffnetem DRS durchfahren kann. Es wird nicht einfach, aber möglich, denke ich." Ob und wo die Kiesbetten möglicherweise asphaltierten Auslaufzonen weichen müssen, kam nicht zur Sprache.