Sie hatten mit Minardi selbst viele Jahre lang ein kleines Team, aber es gab nie Probleme wie derzeit bei Sauber. Wie denken Sie über die Situation?
Paul Stoddart: Es ist traurig für den Sport, diese Angelegenheit hätte nie nach Melbourne gebracht werden dürfen. Monisha [Kaltenborn] ist Anwältin und hätte die Entscheidung des australischen Gerichts kommen sehen müssen. Es ist eine traurige Geschichte, aber keine Überraschung und hätte abseits der Rennstrecke gelöst werden müssen, denn drei Fahrer können ernsthaften Anspruch auf eines der beiden Cockpits anmelden. Es ist nicht Ericssons Fehler, es ist nicht Nasrs Fehler und es auch nicht wirklich van der Gardes Fehler.

Er hat im letzten Jahr viel Geld bezahlt, um Testfahrer zu sein - mit einer Garantie auf ein Renncockpit in diesem Jahr. Aber ich verstehe auch Saubers Position. Ihnen geht das Geld aus, zwei andere Teams haben bereits pleite gemacht, weitere könnten folgen... als Teamchef muss man versuchen dafür zu sorgen, dass sein Team überlebt. Ich hätte vermutlich das exakt gleiche getan, aber man hätte eine Einigung erzielen müssen. So oft sie auch sagen, es geht nicht ums Geld: Glauben Sie mir, es geht schlussendlich ums Geld.

Gute Laune bei Minardi: Saisonauftakt 2002 in Melbourne - Foto: Sutton
Gute Laune bei Minardi: Saisonauftakt 2002 in MelbourneFoto: Sutton

Was sagen Sie zum Comeback von Manor?
Paul Stoddart: Das ist eine interessante Situation. Es ist toll, dass sie es hier her geschafft haben. Ich weiß genau, was sie durchgemacht haben. Sie hätten vielleicht eine Lösung für die van-der-Garde-Situation sein können. Manors zweites Cockpit war lange frei... vielleicht hätte jemand etwas früher daran denken sollen, einen Deal zwischen van der Garde und Manor abzuschließen. Sie brauchen das Geld, er will ein Cockpit.

Ich wünsche Manor alles Gute. Auf dem Auto gibt es keine Sponsoren, das Team wirkt unterfinanziert, aber sie verdienen sich ein enormes Kompliment dafür, dass sie es hier her geschafft haben. Aber sie müssen weiter machen und das könnte knifflig werden. Hoffentlich gelingt es ihnen.

Wären Sie in Anbetracht der aktuellen Situation der Formel 1 momentan gerne Teamchef eines kleinen Teams?
Paul Stoddart: Nicht wirklich, denn es gibt keinen Profit für die kleinen Teams. All diese Dinge, die die Strategy Group entwickelt hat - die neuen Motoren, ERS, KERS, all diese teuren Systeme - haben keinen Nutzen für ein Privatteam. Zu meiner Zeiten hatten alle Teams eine Stimme in der Strategy Group. Heute werden die Regeln von wenigen Teams gemacht und die anderen können sich entweder fügen oder sich zurückziehen. Ich finde nicht, dass das richtig ist.

All diese neuen Regeln bringen keinerlei Vorteile für die Nicht-Werksteams. Man müsste vielmehr für einen leistbaren Preis, sagen wir 10 Millionen Dollar, die gesamte Power Unit zur Verfügung stellen: Motor, Getriebe, ERS, all die teuren Teile. Es wären dennoch keine Kundenautos, weil Chassis und Co. weiterhin selbst gebaut würden. Aber man muss nicht 50 oder 60 Millionen ausgeben, nur um einen Motor zu bekommen.

Wie hoch war Ihr Budget bei Minardi?
Paul Stoddart: 25 Millionen Dollar - und wir haben damit Punkte gemacht. Wären damals wie heute Punkte für die Top-10 vergeben worden, hätten wir noch viel mehr gemacht.