Es gibt Traditionen, an denen kommt man nicht vorbei. Etwa Eier legende Langohren, rot gekleidete Rauschebärte oder Regeln wechselnde Juristen. In dieses glorreiche Dreigestirn gehört auch unser alljährlicher Gang in den Keller. Dort lagert sie; gut verpackt, streng gesichert und immer gut geputzt: die motorsport-magazin.com Kristallkugel. Einmal im Jahr werfen wir für unsere Leserschaft einen tiefen Blick in den allmächtigen Palantir der Formel 1-Welt.

Australien GP

Wir gaben uns die Kugel - die Kristallkugel. - Foto: Sutton
Wir gaben uns die Kugel - die Kristallkugel.Foto: Sutton

Die Winterpause war lang und hart, viele Fragen wollen beantwortet werden. Doch statt Antworten zu geben, wirft Gerhard Berger eine Frage auf. "Vielleicht sind unsere beiden Piloten noch nicht endgültig bestätigt", verkündet er vor dem Wochenende. "Sie stehen aber auf der Pole Position." Allerdings nicht im Qualifying, da überrascht Anthony Davidson mit der Bestzeit. Der Kundenchassisstreit kocht: Davidsons SA07 ist nicht nur eine Kopie des RA107, er ist durch die verspätete Präsentation in der Woche vor dem Rennen auch viel besser - und sieht obendrein schöner aus. Während Honda rätselt - über die Performance und die Lackierung -, eskaliert die Teamchefpressekonferenz mit den Gästen Colin Kolles, Frank Williams, Gerhard Berger und Aguri Suzuki. Eigentlich ist Paul Stoddart nur als Besucher im Fahrerlager, das Remake der legendären PK des Wahnsinns und die Entzugserscheinungen eines handfesten F1-Streits ziehen ihn jedoch magisch an. Am Ende droht er mit einem Stapel Aktenordner alle bloß zu stellen, die jemals ein Chassis jedweder Art eingesetzt haben.

Malaysia GP

In der dreiwöchigen Pause bis Malaysia glätten sich die Wogen etwas. Dafür kommt ein anderes Thema auf: Welche Funktion übernimmt Michael Schumacher bei Ferrari? Nach dem Erfolg der letztjährigen Spekulationswelle über seinen Rücktritt, diskutieren die Medien diesmal munter darüber, welche Rolle er bei Ferrari übernehmen wird. Schumacher sieht das gelassen. Er teilt am Donnerstag über seine offizielle Website mit, dass er bis zum Jahresende eine Entscheidung treffen werde. Jean Todt hat andere Vorstellungen, er kündigt eine Bekanntgabe für Monza an. Die Spekulationen gehen weiter.

Bahrain GP

Heiß begehrt: Albert I und II. - Foto: Sauber
Heiß begehrt: Albert I und II.Foto: Sauber

In Bahrain feiert ein anderer seine Rückkehr: Spyker verpflichtet Paul Stoddart als Frontmann für den Kampf gegen die Chassisshare-Fraktion. Stoddart fühlt sich auf Anhieb pudelwohl und verfasst einen Brief an Max. Die vier Tage Schreibarbeit für die 257 Seiten hätte er sich sparen können, wenn er einen Supercomputer wie Albert II. zur Verfügung gehabt hätte. Das hat aber nur BMW Sauber. In den Freitagstrainings hängen die Weiß-Blauen noch im Mittelfeld fest, ab dem 3. Freien Training dominieren sie das Feld mit zwei Sekunden Vorsprung. Albert II. hat über Nacht drei Milliarden Rechenoperationen durchgeführt, das perfekte Setup errechnet, einen neuen Diffusor konstruiert, alle Sicherheitslücken in Windows Vista aufgedeckt und eine Lösung für das Problem der dirty air entwickelt. Der erste BMW-Doppelsieg ist danach nur noch Formsache.

Spanien GP

Während sich die Hälfte des GP-Zirkus in Imola einfindet und dort erstaunt feststellt, dass der Europa-Auftakt diesmal nicht dort stattfindet, stellt McLaren Mercedes in Barcelona sein neues Motorhome vor. Allerdings wird allen strengstens verboten, es so zu nennen, denn Ron Dennis proudly presents the Team Vodafone McLaren Mercedes Supercenter. Das klingt nicht nur wie ein Supermarkt, sondern hat im 2. Untergeschoss auch einen solchen integriert. Die vier Obergeschosse überragen die Red Bull Energy Station um rund 10 Meter an Höhe und rücken für Ron die Verhältnisse wieder zurecht. Neben dem Supermarkt sind auch ein Handyshop und eine Reinigung inklusive. So sind die Boxen und Autos immer blitzblank. Auf dem Dach befindet sich ein Tennisplatz, ausschließlich für die Fahrer - der gegnerischen Teams versteht sich. Der Aufbau dauert schlappe drei Wochen (schließlich muss für die Untergeschosse erst gebuddelt werden). Für die nächste Saison kündigt Ron bereits ein Update an: dann soll es auch einen U-Bahnanschluss geben. Dank des Albert-Vorsprungs gewinnt erneut BMW Sauber. Die einzige Konkurrenz wäre Ferrari gewesen, aber die treffen am Sonntag erst zwei Runden nach Rennbeginn an der Strecke ein. Sie hatten erst am Sonntagmorgen bemerkt, dass in Imola kein Rennen stattfindet. Darauf gekommen sind sie, als Superassistent Schumacher ihnen mitteilte, dass die abgerissenen Boxenanlagen keine Reminiszenz an Silverstone seien, sondern hier trotz der vielen Tifosi kein Rennen stattfinde, weil die Strecke umgebaut würde.

Monaco GP

La Rascasse - die teuerste Parkverbotszone der F1-Welt. - Foto: Sutton
La Rascasse - die teuerste Parkverbotszone der F1-Welt.Foto: Sutton

In Monaco soll das gleiche Missgeschick nicht noch mal geschehen. Aus Sicherheitsgründen steht Ferrari schon am Mittwoch mit beiden Autos fahrbereit an der Boxenampel, die Motoren lässt man gleich bis zum 1. Training am Freitag durchlaufen, das ist man ja aus dem dritten Qualifyingabschnitt gewöhnt. Die neue Streckenführung macht den Teams anfangs etwas zu schaffen. Sie müssen jetzt in der Rascasse Slalom fahren, da mitten auf der Straße etliche Parkverbotsschilder angebracht wurden. Nur an der Leitplanke wurden einige Parkplätze mittels Markierungen ausgewiesen - die teuersten des ganzen Fürstentums. Dort wimmelt es nur so vor Ferraris. Bei BMW Sauber lässt man im Freien Training beide Testfahrer in beiden Sessions ran. Dank Albert II. gewinnen sie eh. Das ruft Spyker auf den Plan; ihr neuer Wunschtraum: Sie wollen auch so ein Supercomputerding! Dann können sie von Freitag bis Sonntag jeden Tag andere (Bezahl-)Fahrer einsetzen und trotzdem gewinnen! Ron kommen derweil erste Zweifel, ob nicht ein solcher Supercomputer sinnvoller gewesen wäre als das Supercenter. Er lässt sofort Pläne für das Ultimate Supercenter erstellen - mit zwei zusätzlichen Untergeschossen für den Superdupercomputer Ron I. Im Rennen geraten Alex Wurz und Ralf Schumacher eingangs Tunnel in der Portier aneinander. Wurz überholt den Deutschen in einem spektakulären Manöver, kaum ist er vorbei, erwartet er einen Einschlag und eine irreparable Krümmung seiner Spurstange, das bleibt aber aus - nichts passiert. Da dämmert es ihm: Es ist der falsche Schumacher-Bruder. Das kann schon mal passieren, wenn man so lange nicht dabei war...

Kanada GP

Und ab ins Luxushotel mit dir... - Foto: Sutton
Und ab ins Luxushotel mit dir...Foto: Sutton

Umweltschützer stürmen den Circuit Gilles Villeneuve. Im Zuge der grünen F1 fordern sie mehr Schutz für die einheimischen Murmeltiere. Honda sagt seine Teilnahme sofort ab, da sie sonst alle ihre neu gewonnnen Greenpeace-Umweltschutz-Sponsoren verlieren würden. Max reagiert geistesgegenwärtig: Er erweitert temporär das Rennwochenende auf den Freitag. Das Motorenlimit gilt wieder, die Reifen sind begrenzt. Die Folge: Der Rundengeiz gibt ein (von den Umweltschützern) umjubeltes Comeback. In beiden Sessions fährt kein einziges Auto. Dabei hätte BMW Sauber seinen neuen, von Albert II. designten Super-Diffusor dabei gehabt. Da die Fertigung seit Bahrain so lange gedauert hat, er aber nur 0,00003 Millisekunden dafür rechnen musste, ist Albert II. beleidigt und geht in Streik. Bis Samstag sind alle Murmeltiere in die Luxushotels der Stadt umgesiedelt. Die Fahrer und Teamchefs zelten jetzt auf der Ile de Notre Dame. Das macht den Umweltschützern nichts aus, sie ziehen beruhigt ab. Nur die Red Bull Fahrer bekommen ein richtiges Bett. Sie nächtigen in der Energy Station, die das Team kurzfristig auf dem St. Lorentz Strom errichten lässt. Spyker hat für den Kanada GP einen gebrauchten Supercomputer von der NASA geliehen, damit aber wenig Glück. Er ist zwar nicht so streiksüchtig wie Albert II., aber der Start muss mehrmals abgebrochen werden. Nach dem 7. Startabbruch in Folge tritt Max zum zweiten Mal an diesem Wochenende in Erscheinung. Er ruft in Montreal an und erlässt eine sofortige Regeländerung: Wie in der Leichtathletik wird ein Fahrer ab sofort beim zweiten Fehlstart disqualifiziert. Nach zwei weiteren Startversuchen steht kein Spyker mehr am Start.

US GP

JPM ist bekannt für seine Boxeinlagen. - Foto: Sutton
JPM ist bekannt für seine Boxeinlagen.Foto: Sutton

Honda fährt ab Indy mit einer Murmeltierlackierung. Ein grinsendes Nagetier glotzt von der Airbox, zwei große runde Augen starren aus den Kühlern und zwei lange Schneidezähne wurden unter der Fahrzeugnase montiert. Das eine Red Bull-Team, Toro Rosso, ist sich noch immer nicht sicher, ob beide Stammfahrer die Saison beenden werden, das andere Team, Red Bull Racing, verpflichtet Juan Pablo Montoya als Freitagsfahrer, um endlich mehr Dosen in den USA zu verkaufen. Geld spielt bei ihnen bekanntlich keine Rolle, deshalb erhält Montoya für jede Session 20 Millionen. Das holt man aber innerhalb eines Tages dreimal durch den Dosenverkauf in den Staaten rein. Am gesamten Wochenende verdient man sogar genug, um Montoya für den Rest der Saison zu gleichen Konditionen als Freitagsfahrer zu engagieren. Der Grund für den JPM-Boom ist aber nicht, dass er in der NASCAR so erfolgreich gewesen oder gar ein Rennen gewonnen hätte, stattdessen schlägt er sich ständig mit den Kameraleuten sowie Gastfahrer Paul Tracy und liefert sich heiße Verfolgungsjagden durch den Paddock, welche die Amis mit Hubschraubern filmen und live im Fernsehen übertragen.

Frankreich GP

Max ist langweilig, wie allen Zuschauern der grausam öden Prozession. Also schreckt der Präsident nach zwei Runden erschreckt auf: er hat schon lange keinen "guten" Brief mehr geschickt (die Kanada-Änderungen musste er kurzfristig per Telefon einleiten). Alarmstufe Rot! Bei Max, den Teams, der Presse und allen, die es hinterher ausbaden müssen - also vor allem bei uns. Das 50-seitige Pamphlet enthält aber nur das Vorwort zu Max' neuer Autobiographie. Denn er hat bemerkt: Schon im Winter wurde von ihm das Reglement bis ins Jahr 2011 vorgezeichnet, es gibt erstmal nichts mehr zu ändern. Das Rennen gewinnt Massa vor Räikkönen (Albert II. ist noch im Streik), beide legen trotz der neuen, härteren Reifen fünf Boxenstopps ein. Ross Brawn und Michael Schumacher mögen nicht mehr da sein, Luca Baldisseri ist es aber sehr wohl...

Großbritannien GP

Max hat immer ein offenes Ohr. - Foto: Sutton
Max hat immer ein offenes Ohr.Foto: Sutton

Bernie lästert wieder einmal über Silverstone und kündigt für 2012 die ersten Grands Prix im Oman und Jemen an. Spyker präsentiert zum Heimrennen die neueste Errungenschaft. Nach dem NASA-Debakel hat man Albert I., den Vorgänger des BMW Sauber Supercomputers erworben, damit will man schon 2007 die Spitze attackieren. Erst kurz vor dem Qualifying stellt das Team fest, dass sie keinen Supercomputer ersteigert haben, sondern ein Portrait von Fürst Albert I., dem Urgroßvater von Monaco-Fürst Albert II. Jetzt wird den Niederländern schlagartig klar, warum das Sofortkaufenschnäppchen bei ebay so günstig war... Sie setzen umgehend Stoddart auf den Fall an, seine fünfseitige negative Bewertung wird vom ebay-System wegen Überlänge aber nicht akzeptiert.

Deutschland GP

Michael Schumacher hat sich immer noch nicht entschieden. Der Nürburgring sitzt auf den Tickets. Bis BMW ein Licht aufgeht: Sie lassen alle vier Piloten Heidfeld, Kubica, Vettel und Glock am Freitag je eine Session fahren, die besten beiden dürfen den Rest des Wochenendes bestreiten. Theissen und Bernie sind begeistert vom neuen Format. Mr. E befiehlt noch am Samstag, dass demnächst alle Teams so verfahren sollen. Als Vorgeschmack lässt er alle deutschen Test- und Nachwuchsfahrer in die Einsatzcockpits aller Teams verfrachten. Das Rennen ist im Nu ausverkauft. Dennoch gewinnt kein Deutscher: Alex Wurz nutzt eine Reglementgrauzone, täuscht die Stewards mit seinen deutschen Sprachkenntnissen und holt seinen ersten GP-Sieg.

Ungarn GP

Der Hungaroring und Jenson Button gehören zusammen. Hier gewann er 2006 sein erstes Rennen, hier wollte er zweimal das Team wechseln; zum jeweils entgegen gesetzten Rennstall - und entgegen seiner Verträge. Weil es so schön war und Fortsetzungen 'in' sind, kommt es zu Buttongate III. Honda konzentriert sich zu sehr auf wechselnde Umweltlackierungen von Murmeltieren über Weltkugeln bis zu Tempolimits. Williams hat hingegen mit Wurz einen Grand Prix gewonnen, also will Jenson wieder zu Frank. Sein Masterplan: Frank soll ihm das Geld zurückzahlen, mit dem er sich für Honda freigekauft hat. Damit will er sich jetzt bei Honda aus dem Vertrag hebeln. Williams zahlt, Button unterschreibt, wechselt und wird fünf Monate später bei der Präsentation des neuen Williams in Valencia 30 Minuten vor dem Launch in eine Besenkammer zitiert. Dort lacht Sir Frank nur "April, April" und setzt Button vor das Williams-Gate.

Türkei GP

Skandal! - Foto: Sutton
Skandal!Foto: Sutton

In Istanbul steht erstmals der neue Accident Severity Indicator im Mittelpunkt. Das blaue Licht gibt die Schwere eines Unfalls an, wenn es leuchtet, muss der Fahrer sofort ins Medical Centre. Aufgrund einer Fehlfunktion leuchten die Lichter an allen Autos auf, das Training wird sofort abgebrochen und alle Fahrer zum medizinischen Check geschickt. Erst hinterher erkennt Max das doppelte Sicherheits- und Kostensparpotenzial dahinter: Er lässt den Accident Severity Indicator gleichzeitig als Bremslicht nutzen, solche wurden von den Teams bereits für die nächste Saison getestet. Gleichzeitig verordnet Max die Einführung von Blinkern, um die Kollisionsgefahr zu verringern. BMW Sauber lässt Albert II. sofort ein spezielles Modell entwickeln: Winker statt Blinker. Die mechanisch bedienten Winker werden ähnlich den X-Wings und Vertical Wings in das Aeropaket eingebunden und sollen mehr Abtrieb in den Kurven bringen. Besonders Bernie ist von der Idee begeistert. Er hatte die Fahrerparade einst mit den Worten kritisiert: "20 Idioten auf einem Laster - und keiner winkt." Das ändert sich mit den Winkern schlagartig. Auch in Istanbul ändert Bernie etwas: Um internationale Eklats bei der Podiumszeremonie im Keim zu ersticken, übergibt er alle Pokale selbst.

Italien GP

Alle Experten reiben sich verwundert die Augen, es scheint einfach nicht möglich, nicht realistisch, nicht wahr sein zu können. Ein Jahr ist es her, nein, nicht die Rücktrittsankündigung jenes Mannes, der noch immer über seine neue Funktion bei Ferrari nachdenkt und auch das Ultimatum von Todt verstreichen lässt. Genau ein Jahr ist der letzte Namens- und Eigentümerwechsel von Spyker her, ehemals Midland, vorher Jordan. Noch immer hört das Team auf den gleichen Namen und noch immer gehört es den gleichen Menschen. Einfach unvorstellbar.

Belgien GP

Die Formel 1 ist zurück in Spa-Francorchamps. Das Freitagstraining fällt wegen Regens ins Wasser. Die Fahrer gehen stattdessen Fritten essen. Der Samstag fällt wegen starken Nebels aus. Die Fahrer gehen stattdessen an einer anderen Bude Fritten essen. Der Sonntag wird von einem Taifun mit der Nummer 22 davon gefegt. Wie sich dieser von Suzuka hierher verirren konnte, weiß niemand so recht. Die Fahrer und Teams simulieren das Ergebnis des 1. virtuellen Grand Prix von Belgien mit Albert II. Wenig überraschend holt BMW Sauber einen Doppelsieg. Ron macht seinen Architekten Dampf: sie sollen das Ultimate Supercenter und Ron I. schneller fertig stellen.

Japan GP

Der Belgien GP fällt ins Wasser. - Foto: Sutton
Der Belgien GP fällt ins Wasser.Foto: Sutton

Die Formel 1 ist zurück in Fuji, am Ort des allerersten Japan GP. Allerdings kommen viele erst gar nicht dort an. Die verwinkelte Infrastruktur erweist sich entgegen aller Beteuerungen als Irrweg. Die wenigen, die den Weg an die Strecke finden, müssen schon bald wieder verschwinden; denn es mangelt an Hotels und Unterkünften. Großer Gewinner ist Adrian Sutil. Der amtierende japanische F3000-Champion zieht in seine alte Wohnung zu Füßen des Mount Fuji und bringt dort so viele Teammitglieder wie möglich unter - leider ist das Haus mit den beiden Stammfahrern und den vielen Testern des Teams schon überfüllt. Neben Sutil, Albers und den vier bestätigten Testfahrern gesellen sich nämlich noch zwei bis drei Japaner hinzu, die heute noch niemand kennt, die bis dahin aber genügend Sponsorengelder zusammengetrieben haben werden, um am Freitag fahren zu dürfen. Für sie erweist sich das als absoluter Glücksfall. Da die Red Bull und Toro Rosso-Fahrerflotte in der Energy Station im Hafen von Tokio nächtigt, kommen die Fahrer nicht rechtzeitig zum Rennstart nach Fuji. An ihrer Stelle dürfen die Spyker-Testfahrer das Rennen bestreiten. Die noch unbekannten japanischen Tester dürfen derweil für Super Aguri fahren, da Colin Kolles fordert: Wenn wir schon das eine Team der dunklen Seite des Chassisstreits unterstützen, dann auch das andere. Ein weiteres Cockpit bleibt leer: Im strömenden Regen steigt Alex Wurz nach dem Start aus. Nicht weil er schlimme Erinnerungen an einen Feuerunfall noch nicht verarbeitet hat, sondern weil er es als einziger aktiver F1-Österreicher einfach für notwendig erachtet, ein Zeichen zu setzen.

China GP

Genau so wird es 2007 laufen - oder etwa nicht? - Foto: Patching/Sutton
Genau so wird es 2007 laufen - oder etwa nicht?Foto: Patching/Sutton

Angesichts der vielen japanischen Fahrer bei deren Heimrennen ist Nick Heidfeld heilfroh, dass er alle jederzeit auseinander halten konnte. Derweil zieht Paul Stoddart die Konsequenzen: Sein Team hat den Streitgegnern, die er seit Monaten heftig verbal bekämpft, Fahrer zur Verfügung gestellt. Stoddart tritt mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurück und wird Co-Autor bei Max' Biografie, deren Mindestseitenzahl mittlerweile einen vierstelligen Bereich erreicht hat.

Brasilien GP

Toro Rosso erwähnt im letzten Satz des Qualifying Press Release, dass Scott Speed die Saison höchstwahrscheinlich als Einsatzfahrer beenden wird. Im Chassisstreit herrscht nach dem Stoddart-Rücktritt Chaos. Die Richter greifen hart durch - alle Autos sind illegal, egal ob Toro Rosso, Super Aguri, Spyker oder Williams. Jeder, der involviert war, darf mit seinen Autos nicht mehr fahren. Aguri Suzuki und Gerhard Berger schmieden deshalb einen Geheimplan: Der vier Jahre alte Arrows und der zwei Jahre alte Minardi werden aus der Versenkung hervorgekramt. Damit bestreiten Super Aguri und Toro Rosso das letzte Saisonrennen. Paul Stoddart steuert als letzte Amtshandlung ein paar Ersatzteile aus seinem reichhaltigen Fundus bei. Und wie reagiert die Presse? Wir legen die Kristallkugel zur Seite - bis zum nächsten Jahr.

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