Einen Rekordkalender von 22 Rennen schmiedete Liberty Media für die Formel-1-Saison 2020. Durch die Coronakrise ist dieses Mammutprogramm längst unrealistisch geworden. Die bereits fixe Absage des Monaco Grand Prix schließt 22 Rennen schon formal aus.

Offiziell hofft der kommerzielle Rechteinhaber allerdings noch immer, zumindest 15 bis 18 Rennen durchzuziehen zu können. In welcher Form das geschehen wird, etwa als Geisterrennen oder mit mehreren Events pro Strecke, einmal dahingestellt - deutlich weniger Rennen als ursprünglich geplant erwarten fast alle im Umfeld der Formel 1.

Leclerc: Zwölf Rennen für mich das Minimum

Mindestens acht müssen es sein, um den Statuten zu entsprechen. Sonst wäre kein WM-Status gegeben. Für Charles Leclerc würde das nicht reichen, um eine für ihn aussagekräftige Meisterschaft abzubilden. „Wahrscheinlich sind zwölf oder 13 Rennen für mich das Minimum, das ich gerne hätte“, sagte der Monegasse in einer Videokonferenz mit Journalisten, an der auch Motorsport-Magazin.com teilnahm.

Leclerc weiter: „Weniger ist ziemlich schwierig, aber egal: Weniger als zwölf ist noch immer besser als nichts. Es wäre toll, zumindest zwölf reinzuquetschen.“ Extreme Auswirkungen auf die WM-Chancen der einzelnen Fahrer und Teams erwartet der Ferrari-Pilot durch einen derart ausgedünnten Kalender nicht. „Ich glaube nicht, dass die ganze Situation die Rangordnung, die wir beim Test gesehen haben, groß ändern wird“, sagt Leclerc.

Leclerc: Bei nur zehn Rennen Auswirkungen auf WM-Kampf

Ohnehin sei nicht einmal klar, wie die Hackordnung aktuell aussehe. „Das ist schwierig. Wir sind ja noch immer kein Quali gefahren und haben nur die Eindrücke von den Tests“, erinnert Leclerc. Da sah Ferrari nicht gerade gut aus. Das weiß auch der Youngster. „Es war - um ehrlich zu sein - kein einfacher Test“, sagt Leclerc „Wir müssen noch warten. Stand jetzt sind wir keine Favoriten, das wissen wir.“

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Sollte die Anzahl an Grands Prix noch unter seine gewünschte Mindestforderung von zwölf fallen, könne es schon eher zu Auswirkungen auf das WM-Geschehen kommen, so Leclerc. Bei nur acht oder zehn Rennen hält Leclerc mehr Überraschungen für wahrscheinlich. „Wenn man weniger Rennen hat, gehen die Leute vielleicht etwas mehr Risiko ein“, erklärt der zweifache Rennsieger. „Ja, wir könnten ein paar Überraschungen haben und es könnte aufregend zu sehen sein!“

Leclerc: Mercedes auch bei acht Rennen Favorit

Einen würdigen Weltmeister kann es für Leclerc dennoch geben. Da liegt der 22-Jährige ganz auf einer Linie mit seinem Teamkollegen Sebastian Vettel. „Ich hoffe es“, sagt Leclerc. „Wenn es bedeutet, dass ich es bin, dann bin ich sehr glücklich!“

Illusionen gibt sich der Ferrari-Pilot jedoch nicht hin. „Mercedes und Lewis sind noch immer die Favoriten“, mahnt Leclerc. „Auch wenn die Meisterschaft aus acht Rennen besteht, wird es sehr schwierig, sie zu schlagen.“

Weniger Rennen = mehr Risiko

Das gilt umso mehr mit einem Blick auf die Qualitäten Mercedes’ gerade zu Saisonbeginn. In den ersten acht Saisonrennen der Vorsaison etwa gewann immer ein Mercedes-Pilot. Sechsmal Lewis Hamilton, zweimal Valtteri Bottas - bei sechs Doppelsiegen. Erst danach vermochten Red Bull und Ferrari die Silberpfeile zu fordern, teilweise auch bedingt durch Umstände wie Witterung und Layouts.

Dennoch sieht Leclerc zumindest eine bessere Gelegenheit, sollte von vornherein feststehen, dass es nicht mehr als acht oder zehn Rennen geben wird. Dann seien neue Szenarien möglich - etwa eine Risiko-Strategie. „Wahrscheinlich würden wir etwas mehr auf der Strecke riskieren, riskante Strategien, riskante Überholmanöver“, sagt Leclerc. „Vielleicht wird sich das auszahlen, vielleicht nicht.“

Szenario acht Strecken - ist das fair?

Noch dazu stellt sich die Frage, ob ein Team bei nur acht Rennen womöglich mehr profitiert als ein anderes - schlicht, weil dem Boliden die Strecken besser liegen. Mit nur acht, im besten Fall verschiedenen, Strecken gleichen sich Stärken und Schwächen über die Saison weit weniger aus als bei 20 und mehr. Wieder das Beispiel 2019: Es wäre ein riesiger Unterschied gewesen, mehrere Rennen in Melbourne, Shanghai und Ungarn zu fahren oder mehrere in Bahrain, Spa und Monza.

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Für Leclerc ist das jedoch zu vernachlässigen. „Mit Fairness kann man immer argumentieren. Aber man muss sich dann einfach die Situation ansehen und das meiste daraus machen“, sagt der Ferrari-Fahrer.