Bis jetzt gibt es noch keinen Kalender für die Formel-1-Saison 2020. Seit dem Beginn der Coronavirus-Krise haben die Verantwortlichen vom kommerziellen Rechteinhaber Liberty Media und von der Regelbehörde FIA nur Rennen verschoben oder abgesagt, aber keinen einzigen Nachholtermin verkündet. Gegenwärtig befindet sich der Frankreich-GP als erstes Rennen im Plan, aber ob es am 28. Juni wirklich losgeht, steht in den Sternen.

Trotz aller Unsicherheiten und acht verschobener Rennen glaubt Liberty nach wie vor daran, dass sie nicht nur die vom Reglement vorgeschriebenen acht Rennen für eine Weltmeisterschaft zusammenbringen - nein, Libertys F1-Sportchef Ross Brawn unterstreicht jetzt erneut, dass in seinen Augen 18 bis 19 Rennen stattfinden können.

Brawn glaubt an Formel-1-Kalender mit 19 Rennen

"Wenn wir Anfang Juli starten, können wir eine 19 Rennen lange Saison machen", gibt sich Brawn im Gespräch mit Sky UK zuversichtlich. Wie das funktionieren soll? Triple-Header, Rennwochenenden in Serie. "Drei Rennen, ein Wochenende frei, drei Rennen, ein Wochenende frei. Wir haben uns die ganze Logistik angesehen und denken, dass wir 18, 19 Rennen bei einem Saisonstart im Juli unterbringen können."

Zuletzt wurden Ideen wie zwei Rennen an einem Wochenende angedacht, bei einem Saisonstart mit so einem Doppel in Österreich oder in Großbritannien. Nun klingt es wieder so, als ob die bevorzugte Variante ein Rennen pro Wochenende wäre. Dafür würden wahrscheinlich die Wochenenden bei einigen Evens auf zwei Tage verkürzt werden, erklärt Brawn. Also nur mehr Samstag und Sonntag. Das würde Rennen an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden für die Teams stemmbar machen.

Formel 1 mit vollem Kalender dank Geisterrennen

Aber ist ein Start im Juli wirklich vorstellbar? Auf einen genauen Startzeitpunkt der Formel-1-Saison 2020 will sich Brawn nicht festnageln lassen. "Wir sehen uns die organisatorischen Strukturen für einen frühen Start an, aber wir müssen nach dem Start weitermachen können. Es ist sinnlos, anzufangen und dann wieder zu stoppen, und dann wieder anzufangen."

Um die Fortführung einer so früh gestarteten Saison zu garantieren, denkt die Formel 1 über Events unter Ausschluss der Öffentlichkeit nach. Das wirft viele weitere Fragen auf - vor allem, wer außer den Teams noch mitdarf, oder muss. Schließlich muss mindestens ein TV-Bild produziert werden, es müssen Streckenposten und medizinisches Personal bereitstehen und so weiter. Über all das wird gegenwärtig intern theorisiert, sagt Brawn: "Wie man die Leute hinbekommt, sie schützt, es sicher macht, wen du in das Fahrerlager lässt."

Formel 1: Saisonstart unter kompletter Isolation?

Mit einem Geisterrennen kann sich Brawn einen Start im Juli tatsächlich vorstellen, trotz aller Reisebeschränkungen und Grenzschließungen: "Natürlich ist die Anreise für die Teams und alle Beteiligten ein großes Problem. Man könnte aber argumentieren, dass wir uns ganz gut isolieren könnten, wenn wir einmal da sind. In unseren Augen ist ein Start in Europa zu bevorzugen."

Ross Brawn kann sich ein fast leeres Paddock beim Saisonstart vorstellen - Foto: LAT Images
Ross Brawn kann sich ein fast leeres Paddock beim Saisonstart vorstellenFoto: LAT Images

Das bedeutet eine kürzere Anreise für alle Teams, die entweder aus England, der Schweiz oder Italien kommen müssen. Dabei könne man die Teams effektiv vom Rest der Welt isolieren und so das Problem mit den Reisebeschränkungen umgehen, hofft Brawn: "Die Teams kommen in Charterflügen, wir schleusen sie an die Strecke, stellen Tests für alle sicher, dann gibt es kein Risiko, und wir können ein Rennen ohne Zuschauer abhalten. Nicht großartig, aber noch immer besser als gar kein Rennen."

Brawn: Formel-1-WM 2020 auch mit Oktober-Start noch möglich

Brawn hebt aber schnell hervor, dass das alles nur Ideen sind. Nur Sorgen um eine komplette Absage der Formel-1-Saison 2020 will er auf keinen Fall nähren. Die vom Reglement geforderten acht Rennen für eine WM sind seiner Meinung nach auch bei einem Saisonstart im Oktober noch zu erreichen: "Und dann gibt es noch die Chance, bis ins nächste Jahr zu fahren. Das untersuchen wir."

Die Teams zeigen sich grundsätzlich für alles gesprächsbereit. Sie brauchen die Einnahmen, die sie durch Rennen erhalten. Ungefähr einen Monat vor dem Saisonstart müssen sie wieder in ihre Fabriken, um mit den Vorbereitungen zu beginnen, das ist bei ihnen der limitierende Faktor. Ein Saisonstart im Juli würde daher voraussetzen, dass die Beschränkungen für nicht-essentielle Arbeitsplätze in den betroffenen Ländern ab Juni gelockert werden.

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Da das im April aber gegenwärtig nicht beurteilt werden kann, läuft es darauf hinaus: Es soll eine Saison geben, die irgendwann zwischen Juli und Oktober starten wird und zwischen acht und 19 Rennen enthält. Vage, aber die Krise lässt aktuell keine genaueren Voraussagen zu. Deshalb hat die Formel 1 auch noch keinen neuen Kalender veröffentlicht und alles außer Monaco nur temporär abgesagt, wie Brawn erklärt: "Wir denken, es ist besser zu warten, bis sich die Situation stabilisiert."