Sebastian Vettel durchlebt derzeit eine schwierige Phase seiner Formel-1-Karriere. Spätestens seit dem Italien GP steht der viermalige Weltmeister gehörig unter Druck. Während Teamkollege Charles Leclerc die letzten beiden Grands Prix gewinne konnte, stand Vettel nicht einmal auf dem Podium, ausgerechnet beim Heimrennen in Monza blieb er sogar punktelos.

"Ich weiß nicht, ob es die härteste Zeit meiner Karriere ist, ich vergleiche sie nicht", spielt Vettel die aktuelle Situation herunter. "Meine Karriere ist schon lang, da kann ich mich nicht an alles erinnern. Es ist nicht großartig, aber letztendlich ist es kein Desaster. Ein Moment kann das ganze Rennen ändern. Leider sind diese Dinge ein Teil von uns und gehören zum Racing dazu."

"Das ist nicht das Level, auf dem ich performen will", gesteht Vettel. "Aber diese Dinge passieren uns von Zeit zu Zeit allen." Allerdings ist Vettels Fehlerquote nicht mehr mit den Worten 'von Zeit zu Zeit' zu beschreiben, außerdem fehlte ihm zuletzt auch noch die Performance.

Vettel versteht Aufregung nicht: Kein großes Drama

Entsprechend negativ fielen in Singapur die Fragen an Vettel aus. Der Ferrari-Pilot hatte dafür aber wenig Verständnis: "Ich weiß nicht, ob noch irgendetwas anderes oder in dem Rennen mehr passiert ist, das ich vielleicht verpasst habe. Aber als so schlimm, oder als so großes Drama sehe ich das nicht an."

Das ändert aber nichts daran, wie Vettel die Situation in Monza einschätzt, als er zunächst die Kontrolle über seinen Boliden verlor und anschließend Lance Stroll abräumte. "Das geht auf meine Kappe, so etwas habe ich auch in der Vergangenheit immer als Erster zugegeben. Ich gehe da sehr kritisch mit mir selbst um, wenn so etwas passiert ist. Ich glaube, das ist richtig und hat mir in der Vergangenheit geholfen, da auch wieder rauszukommen."

Zu allem Überfluss kam es in Monza auch noch zu teaminternen Querelen. Leclerc gab im Qualifying nicht den Teamplayer, den er nach internen Absprachen eigentlich hätte spielen müssen. Vettel hatte deshalb keine Chance, seine Zeit mithilfe von Windschatten zu verbessern. Im ersten Versuch hatte er noch den Windschattenspender für das restliche Feld gegeben.

Rücktritt? Vettel liebt Racing

So ganz abgeschlossen scheint die Sache aber noch nicht. "So etwas habe ich noch nie nach außen gekehrt", versucht Vettel die Lage zu beruhigen. Ganz hinnehmen will er es aber noch nicht: "Trotzdem ist der Samstag, nachdem das Qualifying abgewinkt wurde, zu Ende gegangen. Also lässt sich da nichts mehr revidieren. Aber wir haben darüber gesprochen."

Den erneut aufkommenden Rücktrittsgerüchten erteilt Vettel eine Absage: "Ich liebe Racing noch immer, ich freue mich noch auf vieles. Ich will in eine bessere Position kommen, um die Saison auf die Art und Weise zu beenden, die wir wollen und uns dann auf das nächste Jahr vorbereiten."

Ferrari mit Upgrade in Singapur stärker?

Dabei droht in Singapur nach den beiden Ferrari-Siegen eigentlich ein großer Rückschlag. "Auf dem Papier ist es schwieriger, weil es in Richtung Ungarn geht - und dort haben wir eine vors Gesicht bekommen", gibt der WM-Fünfte ungeschönt zu. Auf dem Hungaroring, wo zum letzten Mal das Paket mit maximalem Abtrieb zum Einsatz kam, fuhren beide Ferrari-Piloten mehr als eine Minute hinter Rennsieger Lewis Hamilton ins Ziel.

Doch Vettel hat auch noch Hoffnung: "Wir haben ein paar neue Teile dabei, die uns das Leben hoffentlich etwas leichter machen werden." Ferrari bringt eine umfangreich überarbeitete Nase mit nach Singapur.

Die alte Ferrari-Nase hatte noch zerklüftete Pylonen - Foto: LAT Images
Die alte Ferrari-Nase hatte noch zerklüftete PylonenFoto: LAT Images

Zwischen dem mittlere Knubbel und den Pylonen, welche die Nase mit dem Frontflügel verbinden, spannen sich nun horizontale Leitbleiche auf. Die führen die Luft an die Unterseite der Nase. Die ehemals zerklüfteten Pylonen führen nun als ein geschlossene Leitblech mittig an die Unterseite der Nase.

Die sogenannte ducted Nose ist nicht neu, Teams wie Racing Point, McLaren und Alfa vertrauen schon länger auf diese Lösung. Auch das Leitblech dahinter gibt es schon bei einigen Konkurrenten. Ferrari probiert diese Lösung aber zum ersten Mal auf der Rennstrecke aus.

Vettel: Habe kein mentales Problem

Das Update könnte nicht nur Ferrari, sondern auch Sebastian Vettel persönlich helfen. Die Weiterentwicklung könnte Vettels ganz persönlichen Problemen mit dem SF90 lösen. "Ich glaube nicht, dass es eine mentale Sache bei mir ist, ich mache schon die richtigen Dinge. Deshalb sollte man die Dinge nicht zu sehr verkomplizieren. Hier und da habe ich aber nicht das absolute Vertrauen ins Auto und nicht das beste Gefühl. Aber es wird besser. Es ist eine Frage von Details. Ich hoffe, es macht eher früher als später Klick", gesteht der Deutsche.

Vettels Hoffnungen ruhen aber nicht nur auf den neuen Teilen. "Man kann auf dieser Strecke auch den Unterschied machen", weiß er und erinnert: "Die letzten zehn Jahre lief es immer ganz gut hier." Mit vier Siegen ist Vettel gemeinsam mit Lewis Hamilton Rekordsieger in Singapur. Ganze sieben Mal stand Vettel beim Nachtklassiker der Formel 1 schon auf dem Podium.