Dezember ist der Monat der Jahresrückblicke. Auf einen Deutschland GP können wir in diesem Jahr leider nicht zurückblicken. Zum ersten Mal seit 1960 fand damit kein Grand Prix auf deutschem Boden statt. Ein Armutszeugnis für den Motorsport in Deutschland. Doch dieses Schicksal könnte sich bald wiederholen. Nicht 2016, das Rennen auf dem Hockenheimring ist gesichert. 2017, wenn der Nürburgring wieder turnusmäßig an der Reihe wäre, sieht es hingegen schlecht aus.

2013 gastierte die Formel 1 zum letzten Mal auf dem Nürburgring - Foto: Sutton
2013 gastierte die Formel 1 zum letzten Mal auf dem NürburgringFoto: Sutton

Zwischen dem Nürburgring und der Formel 1 existiert kein Vertrag. Dass sich die beiden Parteien in Zukunft einigen können, gilt als sehr unwahrscheinlich. Auf der einen Seite will der Nürburgring mit der Austragung des Formel-1-Rennens kein finanzielles Risiko eingehen. Auf der anderen Seite wird Bernie Ecclestone dem Nürburgring nicht besonders entgegenkommen.

Bereits 2013 hing das Rennen in der Eifel am seidenen Faden. Damals zeigte sich Ecclestone noch kompromissbereit, warnte aber schon vor einer Wiederholung. Doch das ist nur die eine Seite. Inzwischen hat sich am Nürburgring viel getan. Nach der Insolvenz hat der Ring einen neuen Besitzer gefunden. Die Capricorn Nürburgring GmbH erhielt im vergangenen Jahr den Zuschlag.

Ecclestone: Und was haben sie jetzt?

Dabei hätte Ecclestone selbst gerne den Nürburgring erworben, wie er im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com bestätigt: "Als er zum Verkauf stand, habe ich zugestimmt, ihn zu kaufen. Sie kamen dann zurück zu mir und sagten, sie hätten ein Angebot, das eine Millionen oder vielleicht zwei höher wäre. Ich sagte: Ich habe nur ein Angebot gemacht, wenn jemand mehr zahlt, verkauft es denen."

Die Geschichte ist bekannt: Für 77 Millionen Euro erhielt Capricorn den Zuschlag. Seitdem ist die Formel 1 am Nürburgring fast kein Thema mehr. "Die Dummheit war: Sie haben wegen zwei Millionen jemanden verloren, der sichergestellt hätte, dass das Rennen dort für 100 Jahre gewesen wäre und versucht hätte, die Dinge zu verbessern. Sie sind für ein paar Dollar davongelaufen", ärgert sich Bernie Ecclestone. "Und was haben sie jetzt? Es ist enttäuschend und ärgerlich für mich. Darum haben wir den Nürburgring verloren."

Insolvenzverwalter geben EU die Schuld

Eine nachvollziehbare Argumentation. Die Insolvenzverwalter rechtfertigen Ihre Entscheidung mit EU-Recht. Die EU-Kommission hatte zuvor festgestellt, dass der Nürburgring unrechtmäßige Beihilfen in Höhe von rund einer halben Milliarde Euro erhalten hatte. Nur durch ein 'offenes, transparentes und diskriminierungsfreies' Insolvenzverfahren und bei Veräußerung zum Marktwert muss der neue Besitzer keine Rückzahlungsforderung der Beihilfen fürchten.

Ecclestone hätte den Deutschland GP nicht nur gerne am Hockenheimring - Foto: Sutton
Ecclestone hätte den Deutschland GP nicht nur gerne am HockenheimringFoto: Sutton

Der entscheidende Punkt ist hier der Verkauf zum Marktwert, was im konkreten Fall bedeutet: Der höchste, zu erzielende Preis ist relevant. Der Europäischen Kommission geht es nicht um das Wohle des Nürburgrings, sondern lediglich darum, ob unrechtmäßig geflossene Beihilfen zurückgezahlt werden müssen.

Demnach musste also Capricorn den Zuschlag erhalten - oder doch nicht? Ein beglaubigtes Angebot alleine reicht nicht, auch ein Finanzierungsnachweis muss erbracht werden. Den lieferte Capricorn nur unzureichend, was später auch offensichtlich wurde, als die zweite Rate des Kaufpreises nicht aufgebracht werden konnte und die NR Holding einsteigen musste. Nach diesen Erkenntnissen ist fraglich, ob das Capricorn-Gebot tatsächlich bindend war.

Nürburgring für Ecclestone noch nicht vom Tisch

Die nicht ausreichend überprüfte Transaktionssicherheit ist auch ein Punkt, warum der Verein 'Ja zum Nürburgring' Klage gegen die Entscheidung der Europäischen Kommission vor dem Europäischen Gericht eingereicht hat. Auch ein unterlegener Bieter, der US-Konzern NeXovation, klagt gegen den Entscheid der EU-Kommission. NeXovation soll ein erheblich besseres Gebot als Capricorn abgegeben haben, hatte aber zum Zeitpunkt der Verkaufsentscheidung noch keinen Finanzierungsnachweis.

Ganz vom Tisch ist das Thema Nürburgring für Bernie Ecclestone nicht. "Ich habe den Mann, der ihn jetzt gekauft hat, einige Male getroffen. Ich kann nicht sagen, ob er verkaufen will oder nicht, und ob ich kaufen würde oder nicht. Der Nürburgring hat jetzt einige Mal Besitzer gewechselt, das ist schade, denn er hat eine gute Tradition."