Die Absage des Formel-1-Rennens in der Saison 2015 ist nur einer von vielen Rückschlägen für den gebeutelten Nürburgring. Das Unheil nahm bereits 2004 seinen Lauf, als die Idee aufkam, den Traditionskurs zu einer Art Freizeitpark mit Achterbahnen und Hotels zu machen. Auch Arbeitsplätze sollten entstehen und so die Region stärken. Mit der Bauplanung wird Strecken-Guru Hermann Tilke beauftragt. Mehr als 200 Millionen Euro sollen durch private Investoren und die Nürburgring GmbH, die dem Land Rheinland-Pfalz und dem Kreis Ahrweiler gehört, fließen.

Der Ringracer war eine nette Idee - Mehr aber auch nicht - Foto: Nürburgring GmbH
Der Ringracer war eine nette Idee - Mehr aber auch nichtFoto: Nürburgring GmbH

2009

2009 wird klar, dass das geplante Projekt mehr Budget verschlingen wird als geplant. Die Wirtschaftsförderbank ISB Rheinland-Pfalz springt ein. Die kritischen Stimmen zur Finanzierung des Projekts mehren sich. Walter Kafitz, der Geschäftsführer der Nürburgring GmbH muss im Juli einräumen, dass zur Eröffnung der Anlage nicht alles fertig sein wird. Kurz darauf bricht der private Investor weg und der rheinland-pfälzische Finanzminister Ingolf Deubel tritt zurück. Trotzdem wird wenige Tage später das Freizeit- und Geschäftszentrum "Nürburgring 2009" eröffnet - mit Ausnahme der Achterbahn Ring-Racer.

Bereits kurz nach der Eröffnung wird publik, dass das neue Zentrum bis 2020 Verluste im zweistelligen Millionenbereich machen wird. Die Baukosten werden Mitte 2009 bereits auf mehr als 300 Millionen Euro geschätzt. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss wird gegründet. Im Dezember wird Kafitz fristlos entlassen.

Foto: Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH
Foto: Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH

2010

Das Land Rheinland-Pfalz übernimmt zum symbolischen Preis von einem Euro Hotels und das Erlebnisdorf 'Grüne Hölle' und zieht sich gleichzeitig aus dem Management des Nürburgrings zurück. Im Juni führt die Staatsanwaltschaft Koblenz eine Razzia durch. Der Vorwurf an Kafitz, Deubel und den Unternehmer Kai Richter lautet Veruntreuung von Steuergeldern und Betrug oder Beihilfe.

2011

Auch der EU ist die Finanzierung des Großprojekts ein Dorn im Auge. Mit Hilfe eines Fragenkatalogs soll die Rechtmäßigkeit der Verwendung öffentlicher Gelder festgestellt werden. Die geschätzten Kosten des Projekts sind mittlerweile auf fast 500 Millionen Euro gestiegen. Die EU beschließt, ein Beihilfeverfahren zu eröffnen.

2012

Der Nürburgring steht vor der Insolvenz. Bernie Ecclestone soll ein Angebot, auf die Renngebühr für 2013 zu verzichten, wenn er dafür den gesamten Umsatz erhält, unterbreitet haben. Später dementiert er. Im Juli stellt die Nürburgring GmbH einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, nachdem die EU weitere öffentliche Finanzhilfen untersagte. Ecclestone bekundet ein vages Interesse, den Nürburgring zu kaufen. Im November wird das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet.

Foto: Sutton
Foto: Sutton

2013

Nach zähen Verhandlungen steht Ende Januar fest, dass die Formel 1 2013 auf dem Nürburgring gastiert. Im Mai wird die Rennstrecke offiziell zum Kauf angeboten. Der ADAC wirft seinen Hut in den Ring und bekennt sich auch mit der Verlängerung seiner Veranstalterverträge zum Nürburgring. Trotz seines vorherigen Dementis erlässt Ecclestone doch die Antrittsgebühr und bekundet weiterhin sein Interesse am Kauf der Strecke. Wenig später ruderte er allerdings zurück und erklärte, er habe lediglich darüber nachgedacht. Gleichzeitig wird Red Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz als möglicher Käufer ins Spiel gebracht. Ende Oktober wird der ring racer, die schnellste Achterbahn Europas, erstmals für den Publikumsverkehr freigegeben. Nachdem letzte Baumängel behoben wurden, gilt das Großprojekt als vollendet. Der ADAC unterbreitet im November ein unverbindliches Kaufangebot, wird jedoch aus dem Bieterverfahren ausgeschlossen. Das Angebot soll zu niedrig gewesen sein.

Vettel gewann 2013 das bisher letzte Rennen auf dem Nürburgring - Foto: Sutton
Vettel gewann 2013 das bisher letzte Rennen auf dem NürburgringFoto: Sutton

2014

Gegen den Verkaufsprozess bildet sich Widerstand, der Verein "Ja zum Nürburgring" reicht bei der EU-Kommission in Brüssel eine 50-seitige Beihilfenbeschwerde ein. Ecclestone ändert erneut seine Meinung und gibt ein Angebot ab. Auch Sebastian Vettel wird als Interessent gehandelt, dementiert jedoch. Im März 2014 erhält der Düsseldorfer Automobil- und Motorsportzulieferer Capricorn den Zuschlag und sticht damit H.I.G. Capital aus den USA aus. Ein weiterer Konkurrent, Nexovation, reicht bei der EU eine Wettbewerbsbeschwerde ein, weil ihr Angebot ihrer Ansicht nach nicht ordnungsgemäß berücksichtigt wurde und zudem Fristen nicht eingehalten wurden.

Ex-Finanzminister Deubel wird im April vom Koblenzer Landesgericht wegen Untreue in 14 Fällen und uneidlicher Falschaussage zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Kafitz erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten. Im September kommen Gerüchte auf, dass der Verkauf an Capricorn platzen könnte. Die EU erklärte das Bieterverfahren zwar für rechtmäßig, erklärt die öffentlichen Fördermaßnahmen jedoch für unzulässig.

Foto: Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH
Foto: Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH

Der Besitzer übergibt seine Gesellschafteranteile an einen Treuhänder. Seine Anteile übernimmt im Oktober die NR Holding AG, an der unter anderem der russische Unternehmer Viktor Charitonin beteiligt ist.

2015

Im Kalender für die Saison 2015 steht der Hockenheimring als Veranstaltungsort, auch wenn der Geschäftsführer der Hockenheim-Ring GmbH, Georg Seiler, betont, dass es keinen Vertrag gibt. Im Februar erteilt Ecclestone dem Deutschland GP eine Absage und spricht von lausigen Fans. Der Formel-1-Zampano verhandelt auch mit dem Nürburgring, erklärt jedoch, dass die Promoter nicht die Renngebühr zahlen wollten. Im März dann die Gewissheit: Es wird 2015 weder in Hockenheim noch in der Eifel einen Deutschland GP geben. Damit werden erstmals seit 1960 keine Formel-1-Motoren in Deutschland aufheulen.