Rauchentwicklung am Lotus von Pastor Maldonado, kurz darauf schießen Flammen aus dem Heck seines Autos - die Saison und gleichzeitig die lange Partnerschaft mit Renault gehen für Lotus mit einem Feuer zu Ende. Bei Lotus selber wird der spektakuläre Motorschaden in der Box mit Gelächter unter den Mechanikern kommentiert - eine Szene, sinnbildlich für das Saisonende des Teams. Frühzeitig hat das Team die Saison abgehakt und nicht mehr ernst genommen, zu deprimiert verlief das Jahr. Spätestens, seitdem Mercedes als Motoren-Lieferant für 2015 feststand und die ungeliebten Renault-Aggregate nicht mehr verwendet werden müssen, kann für Lotus die kommende Saison gar nicht früh genug losgehen: Bloß 2014 schnell vergessen machen.

Team

Lotus hat 2014 einen tiefen Fall erlebt. Vom Podiumsanwärter 2013 zum Stammplatz am Ende des Feldes. Zehn magere Punkte sammelte das Team über die Saison, satte 305 Punkte weniger als im vergangenen Jahr. Bereits die Saisonvorbereitung ließ aber erahnen, dass 2014 kein einfaches Jahr für den Rennstall werden würde. Das Jahr 2013 endete für das Team mit negativen Schlagzeilen um ausstehende Gehaltszahlungen und einen Groß-Sponsor, der sich als Reinfall entpuppte. Im Januar dann der nächste Paukenschlag: Teamchef Eric Boullier verließ das Team und heuerte als Renndirektor bei McLaren an, Teameigner Gerard Lopez übernahm kommissarisch sein Amt.

Duelle im Hinterfeld sollen sich für Lotus 2015 nicht wiederholen - Foto: Sutton
Duelle im Hinterfeld sollen sich für Lotus 2015 nicht wiederholenFoto: Sutton

Als dann in Melbourne die neue Saison eingeläutet wurde, war es dem Team nicht gelungen, ein konkurrenzfähiges an den Start zu bringen. Erst beim fünften Rennen in Spanien befand sich Lotus wieder auf Augenhöhe mit den Top-Teams und die Verantwortlichen sahen sich bestätigt, auf dem richtigen Weg zu sein. Rückblickend betrachtet bleibt Spanien aber eine merkwürdige Ausnahme, denn anstatt der Trendwende, rutschte Lotus im Anschluss wieder ans Ende des Feldes.

Die Teamverantwortlichen sahen sich im weiteren Saisonverlauf zu Durchhalteparolen und Zweckoptimismus gezwungen. "Also in meinen Augen ist das bei uns kein Leistungsrückfall. Wir werden natürlich nicht Mercedes schlagen können, aber vielleicht können wir ja ab und an Red Bull noch ärgern", wagte sich Lopez nach dem Spanien Ergebnis noch weit aus dem Fenster. Gegen Ende der Saison bemühte sich das Team nur noch um das Versprechen, 2015 wieder da zu stehen, wo sich das Team selbst sieht - bei den Top-Teams der Formel 1.

Auto

In der Vorbereitung war der Lotus E22 durchaus als Coup angesehen worden. Die auffallende Doppelnase sorgte für Aufsehen und selbst Charlie Whiting bezeichnete die Nase als clevere Umsetzung des neuen Reglements. Die ersten Testfahrten offenbarten jedoch, dass der neue Lotus alles andere als ein großer Wurf war. In Enstone hing man in der Entwicklung des Autos weit hinter den anderen Teams zurück und beim ersten Test in Jerez reiste das Team erst gar nicht an. Beim zweiten Test in Bahrain war Lotus zwar vor Ort, doch Romain Grosjean war es gerade einmal vergönnt, acht Runden zurückzulegen. "Die letzten zwei Jahre bin ich in ein Auto gesprungen, drei Runden gefahren und hatte ein gutes Gefühl. Dieses Jahr war dem nicht so", beschrieb Romain Grosjean seinem ersten Eindruck.

Romain Grosjean im Kiesbett von Australien - Foto: Sutton
Romain Grosjean im Kiesbett von AustralienFoto: Sutton

Beim Saisonstart in Melbourne erreichte zwar kein Lotus das Ziel, beide Piloten erzielten zusammen aber 72 Runden - neunmal so viel wie bei den gesamten Testfahrten vor der Saison. Bei Lotus wurde das bereits als Erfolg gewertet. Die Fehlerquellen wurden vom Team schnell ausgemacht, doch an den zu langsamen Renault-Aggregaten und dem schlechten Chassis konnte man nichts ändern. Auch die neuen Entwicklungen, die das Team im Laufe der Saison am E22 umsetzte, verpufften wirkungslos oder stellten sich als noch schlechter heraus, als das vorhandene Material. "Es gibt bei uns keine Schwachstelle, es ist das Gesamtpaket", stellte Grosjean ernüchternd fest.

Fahrer

Romain Grosjean blühte zum Saisonende 2013 groß auf: Viermal schaffte der Franzose in den letzten sechs Rennen den Sprung auf das Treppchen. Gerne hätte Grosjean 2014 daran angeknüpft, doch mit dem E22 hatte ihm das Team ein Auto hingestellt, mit dem das schlicht unmöglich war. Plötzlich fand sich der 28-Jährige in unmittelbarer Nachbarschaft von Marussia und Caterham während der Rennen wieder, ein Zustand, nur schwer zu akzeptieren für Grosjean. Wechselabsichten machten die Runde, doch letztendlich einigten sich beide Parteien auf eine weitere Zusammenarbeit für 2015 - wohl auch, da mit Mercedes die Perspektiven für Grosjean wieder bessere sind. Seinen besten Auftritt hatte der Grosjean dieses Jahr in Spanien, wo der Lotus, dank neuem Setup, einmal wirklich konkurrenzfähig war und der 28-Jährige mit Startplatz fünf glänzte und im Rennen die ersten Punkte holte. In Monaco erreichte er ein weiteres Mal die Punkteränge.

Ähnlich schwierig verlief das Jahr für seinen neuen Teamkollegen Pastor Maldonado. Der Venezolaner ersetzte Kimi Räikkönen beim britischen Rennstall und versprach sich von seinem Wechsel 2014 mehr Erfolg als bei Williams - wie man sich irren kann. Maldonado hatte zu Saisonbeginn keinen glücklichen Stand. Statt WM-Punkte machte er vor allem mit Strafpunkten auf sich aufmerksam. Trauriger Tiefpunkt: die Kollision mit Esteban Gutierrez in Bahrain, bei der sich der Sauber überschlug.

Die Zukunft: Mit Mercedes erhofft sich Lotus 2015 eine deutliche Steigerung - Foto: Sutton
Die Zukunft: Mit Mercedes erhofft sich Lotus 2015 eine deutliche SteigerungFoto: Sutton

Trotzdem sprach ihm die Teamleitung vor dem Deutschland Grand Prix das Vertrauen aus und verlängerte seinen Vertrag bis Ende 2015 - wodurch sich das Team auch weiterhin die Mitgift seines zahlungskräftigen Sponsors sicherte.Im letzten Saisondrittel stabilisierten sich seine Leistungen und er konnte beim Qualifying und im Rennen einige Male vor Teamkolleg Grosjean landen. Beim Grand Prix der USA gelangen ihm als Neunter die die ersten Saisonpunkte. "Als ob mir eine Last von den Schultern genommen wurde", beschrieb der 29-jährige sein Erfolgserlebnis.

Einen Freitagseinsatz für Lotus bestritten in dieser Saison jeweils Charles Pic und Esteban Ocon. Pic, auch Testfahrer des Teams, kam in Monza zum Einsatz und Esteban Ocon beim Saisonfinale in Abu Dhabi. Der Franzose wird von Lotus gefördert und konnte jüngst die Formel-3-Europameisterschaft gewinnen. "Esteban ist Teil des Lotus F1 Team Junior Programms und ein sehr talentierter Fahrer. Er hat dieses Jahr gezeigt, was er kann und eine Rekordanzahl an Siegen eingefahren", lobte Gastaldi den 18-Jährigen.

Redaktionskommentar

Lotus verkaufte die schwache Saison clever als einmaligen Ausrutscher. Mercedes ist für 2015 als Heilsbringer ins Team geholt worden und dann wird alles wieder besser, versichert man in Enstone. Allerdings ist alleine ein Mercedes-Motor kein Garant für Erfolge. Die beste Power Unit nützt nichts, wenn das Paket drum herum nicht stimmt. Vor Lotus liegt viel Arbeit, soll 2015 die Wende geschafft und an erfolgreiche Zeiten angeknüpft werden.(Daniel Brickwedde)