Neues aus dem Rechtsstreit um Caterham. Am Mittwochabend versendete das Team eine Pressemitteilung, in der es die ehemaligen Besitzer rund um Tony Fernandes angreift. So heißt es darin: "Der Verkäufer weigert sich, seinen rechtlichen Pflichten nachzukommen und seine Anteile an den Käufer zu übertragen."

Demnach habe der Käufer sich in den vergangenen Monaten seit dem Kauf in der Position befunden, ein Team zu finanzieren, ohne den Rechtstitel für das gekaufte Unternehmen zu besitzen. "Dies steht im kompletten Widerspruch zur Pressemitteilung des Verkäufers vom 3. Oktober 2014, welches besagt, dass Herr Fernandes und seine Caterham Gruppe keinerlei Verbindung mit dem Caterham F1 Team besitze", heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Nach drei Monaten der Arbeit "in gutem Glauben", habe sich der Käufer nun dazu genötigt gefühlt, alle seine Optionen in Betracht zu sehen. Dazu gehört auch der Rückzug seines Management-Teams. Es ist nicht bekannt, welche Optionen in Betracht gezogen werden und welche tatsächlich schon umgesetzt wurden. Außerdem habe der Käufer bereits rechtliche Schritte gegen alle Beteiligten eingeleitet, darunter auch Tony Fernandes. In einem Nebensatz heißt es in der Presseaussendung: "Herr Fernandes, der, als ein Eigentümer, die F1-Geschäfte leiten wird."

Tony Fernandes bezeichnete die Anschuldigungen als "Müll". Via Twitter schob er nach: "Wenn man etwas kauft, sollte man es auch bezahlen. Ganz einfach." Im Laufe des Donnerstags wird eine Antwort seiner Anwälte erwartet.

Update: Caterham stellte in einer am Donnerstagmittag versendeten Mitteilung klar: "Am 29. Juni 2014 hat Engavest SA einen Kauf- und Verkaufsvertrag mit Tony Fernandes und der Caterham Group unterschrieben, um die Anteile an 1Malaysia Racing Team/Caterham F1 zu erwerben. Engavest SA hat alle Bedingungen erfüllt, inklusive der Zahlung des Kaufpreises für die Anteile. Die Anteile wurden nicht transferriert und daher bleibt Herr Fernandes Besitzer von Caterham F1 und ist für dessen Aktivitäten voll verantwortlich."

Bereits am Dienstag wurde bekannt, dass Caterham Sports Limited (CSL), das die F1-Autos für Caterham entwickelt, Insolvenz angemeldet hat. Der Rennstall war ursprünglich vom malaysischen Unternehmer Tony Fernandes als "Lotus Racing" Team gegründet worden. Wegen eines Rechtsstreits um den Namen wurde es später in Caterham umbenannt.

Am 29. Juni dieses Jahres vereinbarten Caterham Enterprises Ltd, Caterham (UK) Ltd und Scheich Mohamed Nasarudin sowie dessen Teilhaber Tony Fernandes und Datuk Kamarudin Bin Meranun den Verkauf des Teams an Engavest SA.

Nach der Insolvenz sollen die Vermögensverwalter von Caterham Sports Limited nach Angaben des Teams im Auftrag der Export-Import Bank of Malaysia Berhad (Exim) ernannt worden sein, einem Gläubiger von Tony Fernandes und der Caterham Gruppe. "Der Käufer hat keine Verbindung zu Exim", heißt es weiter.

Caterham Sports Ltd war ein Zulieferunternehmen für das F1-Team. "Zu unserem Bedauern hatte die Ernennung des Vermögensverwalters verheerende Auswirkungen auf die Aktivitäten des F1-Teams. Seit ihrer Ernennung haben die Verwalter verschiedene Presseaussagen herausgegeben, die äußerst schädlich für die Führung des Caterham F1 Teams gewesen sind." Es ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht bekannt, ob das Team beim nächsten Rennen in Austin am Start stehen wird.

Update: Fernandes wieder im Amt?

Wie Caterham-Teamchef Manfredi Ravetto gegenüber crash.net erklärte, sei er nicht mehr länger im Amt, da Fernandes weiterhin die Besitzrechte am Rennstall halte. "Ich wurde von meinen direkten Vorgesetzten aufgefordert, zurückzutreten und muss dem folgen", sagte der Italiener. "Deshalb nehme ich an, dass von jetzt an die Besitzer des Caterham F1 Teams - der meines Verständnisses nach weiterhin Mr. Fernandes ist - alle notwendigen Schritte setzen muss."

(Ex-)Teamchef Manfredi Ravetto - Foto: Sutton
(Ex-)Teamchef Manfredi RavettoFoto: Sutton

Ob das Team in Austin am Start sein wird, konnte Ravetto nicht beantworten. "Ich hoffe es, aber das entzieht sich meines Wissens und unterliegt nicht meiner Kontrolle. Ich bin einfach nur ein Vollstrecker." Die aktuellen Streitigkeiten um die Besitzverhältnisse kämen für das Team zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt, da man in Verhandlungen mit potenziellen Piloten stehe - sowohl für die nächste Saison als auch für diesjährige Freitagstrainings sowie die Young Driver Tests. "Wir hätten alles, um die Saison zu beenden und sogar Fortschritte zu erzielen", klagte Ravetto.

Am Donnerstag fanden die Caterham-Mitarbeiter die Fabrik des Teams in Leafield verschlossen vor. "Sie können heute nicht in die Fabrik", sagte Finbarr O'Connell gegenüber Reuters, der als Insolvenzverwalter von Caterham Sports Limited eingesetzt wurde. Wieder geöffnet sollen die Anlagen werden, sobald man mit 1MRT, dem Besitzer der Formel-1-Lizenz des Caterham-Teams, eine akzeptable Lösung gefunden habe. Ein erstes Meeting fand am Mittwoch statt, doch das unterbreitete Angebot sei laut O'Connell inakzeptabel gewesen. Die Hoffnung auf eine positive Zukunft für Caterham hat er jedoch noch nicht aufgegeben, denn alles sei eine Frage des Geldes.

Bernie Ecclestone reibt sich angesichts der Posse die Hände. Der Formel-1-Boss ist bekanntermaßen kein Freund der kleinen Teams und würde sie am liebsten so rasch wie möglich verbannen. "Ich denke, es ist besser, sie hören auf", wird der 83-Jährige von der Sun zitiert. "Ich will keine Leute, die mit Bettelschalen herumlaufen." Nachsatz: "Ich weiß nicht, wem sie gehören und es ist mir auch egal." Sollte sich Caterham zurückziehen, wären zum ersten Mal seit dem Abu Dhabi GP 2009 nur 20 Autos am Start.

Update: Ecclestone hat es sich offenbar anders überlegt, denn gegenüber der BBC erklärte er nun: "Wir werden versuchen, ihnen auf jede mögliche Art und Weise zu helfen, was wir mit allen machen, die ein paar Schwierigkeiten haben." Seine Aussage, dass es besser sei, wenn Caterham aufhöre, nahm er komplett zurück. "Ich würde diese Teams lieber nicht verlieren", meinte er in Bezug auf alle kleineren Teams der Königsklasse.

Redaktionskommentar

Motorsport-Magazin.com meint: Der "Verkäufer" hat dem "Käufer" nicht das Eigentum übertragen und nun verklagt der "Käufer" den "Verkäufer". Dabei will der "Käufer" seine Leute vielleicht abziehen, wobei jetzt der "Verkäufer" wieder das Team leitet. Was? Schluss mit dem Irrsinn! Bitte, ihr Caterham-Menschen jeglicher rechtlicher Form oder Herkunft. Hört auf damit, rauft euch gefälligst zusammen! Wir wollen keine streitenden Gerichtsvollzieher, Insolvenzverwalter und Anwälte. Wir wollen Racing! Denn am Ende leiden nicht die Investoren, Gründer oder Leiter, es sind die Fans und die Mitarbeiter des Teams in Leafield....