Die Amateurklasse der GT-Fahrzeuge mag in der World Endurance Championship zwar den Unterbau bilden, doch es sind diese zahlungskräftigen Kunden, die die Meisterschaft am Laufen halten und vielen Teams erst professionellere Engagements erlauben. Der zunehmende Professionalisierungs-Trend schwappt auch auf diese Klasse über. Die Teams sind straffer organisiert, was bisweilen zu Kontroversen führt, wie diese Saison gezeigt hat.

Auf sportlicher Seite drehte sich alles um eine Marke: Aston Martin dominierte die GTE Am brutal. Wenn nicht gerade ein Safety Car zur Stelle war, legten die hellblauen Boliden oft mehrere Runden mehr als alle anderen zurück. Trotz eines zwischenzeitlichen Ferrari-Sieges durch Mirko Venturi, Luis Perez Companc und Marco Cioci in Spa-Francorchamps war schnell klar, dass der Titel nur zwischen dem von Aston Racing direkt eingesetzten und dem von Young Driver AMR betreuten, aber auch unter dem Namen "Aston Martin Racing" firmierenden V8 Vantage entschieden werden würde.

Sam Bird mischte zu Beginn der Saison regelmäßig die Aston Martin auf, stieg dann aber aus - Foto: Speedpictures
Sam Bird mischte zu Beginn der Saison regelmäßig die Aston Martin auf, stieg dann aber ausFoto: Speedpictures

Der "Dane-Train" von Kristian Poulsen und David Heinemeier Hansson, die wahlweise von Nicki Thiim oder Richie Stanaway verstärkt wurden, kämpfte in jedem Rennen aufs Neue gegen die internationale Besatzung Paul Dalla Lana, Pedro Lamy und Christoffer Nygaard. Bei den 6-Stunden-Rennen schenkten sich die beiden Besatzungen wenig - dreimal siegte Young Driver AMR, dreimal das Konkurrenzfahrzeug. Entscheidend waren letztlich die 24 Stunden von Le Mans. Und hier patzte die internationale Crew - ein technischer Defekte sorgte für fünf Runden Zeitverlust, am Ende blieb beim Sieg von Poulsen, Heinemeier Hansson und Thiim nur der sechste Platz. 30 Punkte Verlust waren einfach nicht mehr aufzuholen.

Frust bei Ferrari führt zu Rückzug

Aston Martin war dominant, vielleicht zu dominant. Im Rennen der Chancenlosen balgten sich Teams mit Ferrari- und Porsche-Fahrzeugen, die Kontroverse war nur eine Frage der Zeit. AF Corse gelang es, in Spa einen Sieg einzuheimsen, doch alsbald entlud sich der Frust: Nach mehreren enttäuschenden Rennen im Anschluss an den Sieg zogen sich Perez Companc, Venturi und Cioci vor dem Lauf in Shanghai zurück, weil sie mit den Einstufungen nicht einverstanden waren. Hinter vorgehaltener Hand wird das Werksengagement von Aston Martin heftig kritisiert - es entspräche nicht dem Geist einer Amateurmeisterschaft. Doch auf dem Papier stimmte alles - auf beiden Fahrzeugen fuhr ein Bronze- und ein Silber-Pilot.

Proton Competition war in der Endabrechnung Best of the Rest - Foto: Speedpictures
Proton Competition war in der Endabrechnung Best of the RestFoto: Speedpictures

Trotz alledem stellt das Fahrerlager sich die Frage, ob ein Werkseinsatz in einer solchen Klasse gerechtfertigt ist. Nicht wenige feierten Christian Ried und Khaled Al Qubaisi als wahre Amateur-Meister, wobei auch hier eingeschränkt angemerkt werden muss, dass sie von Porsche-Werksfahrern unterstützt wurden - in der Regel Klaus Bachler, in China als Ersatz Wolf Henzler. Konstante dritte und vierte Plätze (Ausreißer: P2 in Le Mans und P5 in Shanghai) und Zielankünfte in jedem Rennen spülten Proton Competition auf Platz drei in Teamwertung und die Fahrer Ried und Al Qubaisi auf Platz vier in der Fahrerwertung hinter Heinemeier Hansson/Poulsen, Dalla Lana/Lamy/Nygaard sowie Teilzeitpilot Nicki Thiim.

Wenig erfolgreich verlief die Saison für das in der Teamwertung titelverteidigende Team 8 Star Motorsports. Mit neuer Besatzung angetreten, erlebte der Rennstall von Vicente "Enzo" Potolicchio drei Nullrunden und fuhr kaum konkurrenzfähige Resultate ein - ein dritter Platz in Shanghai war das höchste der Gefühle. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Potolicchio selbst als Fahrer längst zurückgezogen. Ram Racing entpuppte sich als Luftnummer und trat nur zweimal an. Erfolgreicher war da Prospeed Competition - im ersten WEC-Jahr gelang dem belgischen Team ein Podestplatz in Fuji.

Insgesamt bleibt das Ergebnis, dass auch die GTE Am immer professioneller wird. Echte Amateurteams wie Prospeed Competition sind mittlerweile die Ausnahme, die professionellen Teams Aston Martin Racing und AF Corse, das auch für den Einsatz des 8-Star-Ferraris verantwortlich ist, haben sich durchgesetzt. So ist es auch kein Wunder, dass bisweilen die Amateur-Fahrzeuge munter die GTE Pro aufmischten. Amateure sind allenfalls noch einige Fahrer.