Egal ob Winglets, aerodynamische Gabeln oder Parallelogrammschwingen - Ducati war in den vergangenen Jahren stets Vorreiter im Bereich der MotoGP-Innovationen. Daran hat sich 2019 scheinbar nichts geändert. Bei den Testfahrten in Sepang fuhren die Werkspiloten Andrea Dovizioso und Danilo Petrucci sowie der werksunterstützte Pramac-Fahrer Jack Miller erstmals mit einem neuen System für bessere Starts auf.

Das ist zumindest die Vermutung der Fachwelt, denn von Seiten Ducatis wollte man bislang keine Auskunft geben. Nach außen hin sichtbar ist die mögliche Wunderwaffe beim Rennstart durch ein kleines Element an der Gabelbrücke, welches einer großen Flügelmutter gleicht. Dabei dürfte es sich um ein sogenanntes 'Holeshot-Device' handeln, wie es schon seit längerer Zeit im Motocross-Sport eingesetzt.

Ducati lässt sich im Motocross inspirieren

Was ist ein 'Holeshot-Device'? 'Holeshot' nennt man im Rennenglisch das Gewinnen des Starts, also das Einbiegen als erster Fahrer in Kurve eins. Das 'Holeshot-Device' ist eine Vorrichtung, die eben genau das ermöglichen soll. Im Motocross passiert das folgendermaßen: An der Gabel ist ein Schalter verbaut, der diese an einer bestimmten Position sperren kann. Das Motorrad wird somit vor dem Start an der Front quasi tiefergelegt, an MX-Maschinen oft in der Größenordnung von bis zu 140 Millimetern.

Durch die Verlagerung des Schwerpunkts nach vorne, neigt das Motorrad weniger zu Wheelys als normalerweise, was natürlich zu verbesserter Beschleunigung und in weiterer Folge einem erfolgreicheren Start führt. Sobald die Gabel zum ersten Mal im Rennen mehr Energie zugeführt bekommt, also im Normalfall beim Anbremsen der ersten Kurve, löst sich die Sperre und das Motorrad befindet sich wieder in seiner üblichen Balance.

Bei einem derartigen Bremsmanöver würde sich die Sperre an der Gabel lösen - Foto: Ducati
Bei einem derartigen Bremsmanöver würde sich die Sperre an der Gabel lösenFoto: Ducati

Reglementtechnisch ist ein derartiges System auf jeden Fall erlaubt. Verboten wäre es lediglich, wenn es sich um ein elektrisch beziehungsweise elektronisch kontrolliertes System handeln würde, wie in Paragraph 2.4.4.4 des technischen MotoGP-Reglements erklärt ist: "Elektrisch/elektronisch kontrollierte Federungs-, Fahrhöhen- oder Lenkungsdämpfersysteme sind nicht erlaubt. Anpassungen des Federungs- und Lenkungsdämpfersystem dürfen nur durch manuellen, menschlichen Eingriff oder mechanische/hydraulische Regler vorgenommen werden."