"Im Moment gefällt mir das Bike besser, das mehr der 2015er-M1 ähnelt" - mit diesem Satz ließ Valentino Rossi nach dem zweiten MotoGP-Testtag in Sepang aufhorchen. Yamaha gilt als der große Sieger der ersten Testfahrten des Jahres, obwohl man dieser Aussage Rossis entnehmen kann, dass man sich bei Yamaha noch nicht auf eine endgültige Entwicklungsrichtung für die MotoGP-Saison 2016 festgelegt hat. Lorenzo und Rossi schwanken immer noch zwischen der 2015er- und der 2016er-M1 hin und her.

Dennoch erreichten Lorenzo und Rossi an zwei von drei Testtagen die Plätze eins und zwei. In der kombinierten Zeitenliste über alle drei Tage schoben sich nur die Kunden-Ducatis von Danilo Petrucci und Hector Barbera mit ihren Top-Zeiten vom zweiten Tag dazwischen. Besonders beeindruckend fällt ein Blick auf die Zeitenübersicht des Mittwochs aus, als alle Teams gezwungenermaßen auf den weichen Hinterreifen verzichten mussten: Lorenzo und Rossi fuhren an diesem Tag die 14 schnellsten Runden des gesamten Feldes!

Sepang-Test: Yamahas Highlights vom zweiten Tag: (00:54 Min.)

2016er Yamaha M1 überzeugt noch nicht

Yamaha war mit drei verschiedenen MotoGP-Motorrädern nach Malaysia gekommen: dem 2015er-Modell, dem 2016er-Modell mit dem Tank im Heck und dem 2016er-Modell mit herkömmlichem Tank. Rossi und Lorenzo verbrachten viel Zeit auf der Strecke für Vergleichsfahrten, um die Stärken und Schwächen der einzelnen Versionen zu evaluieren. Die neue M1 konnte dabei bei den Stammfahrern nicht so viel Eindruck schinden. "Nicht nur das Chassis, auch andere Teile waren anders. Wir müssen Änderungen vornehmen, damit ich mit beiden Motorrädern das gleiche Gefühl habe", merkte Lorenzo am Montag trotz überlegener Bestzeit kritisch an.

Rossi erging es bei seinen Testfahrten nicht viel anders. Die 2015er-M1 sieht Rossi im direkten Vergleich noch im Vorteil, zudem bevorzugt er ein Bike ohne die Winglets an der Seite. "Ich habe heute auch die Winglets getestet, die sehr interessant sind. Sie verändern den Luftstrom, aber ich habe keinen Unterschied bemerkt. Ich mag das Bike ohne Winglets lieber, das ist viel schöner", bezieht Rossi in dieser Hinsicht nach den abschließenden Tests am Mittwoch klar Stellung. Weniger klar ist bei Rossi hingegen noch die Wahl des richtigen Bikes.

"Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Es bleibt aber die Frage, ob wir mit der Version weiterarbeiten, die näher an der 2015er-Yamaha oder näher an der 2016er-Yamaha dran ist. Wir werden auf Phillip Island nochmal beide Versionen testen, da die neue M1 am Ende doch nicht so schlecht war", relativierte Rossi jedoch am Mittwoch. Nach Phillip Island werde man sich dann entscheiden, auf welches Chassis man setzt. Glaubt man Teamdirektor Massimo Meregalli, ist Yamaha-intern schon eine Tendenz erkennbar: "Wir konnten uns noch nicht auf ein Chassis festlegen, auch wenn wir uns zu 80 Prozent sicher sind, in welche Richtung wir gehen wollen."

Jorge Lorenzo war in Sepang nahezu unschlagbar - Foto: Yamaha
Jorge Lorenzo war in Sepang nahezu unschlagbarFoto: Yamaha

Rossi und Lorenzo voll des Lobes für Michelin

Klarheit herrscht im Yamaha-Lager dagegen bei der Meinung zu den neuen Reifen von Einheitsausrüster Michelin. "Ich bin zufrieden und überrascht über das Gefühl, dass ich heute mit den Michelin-Reifen hatte. Die Rundenzeiten waren relativ einfach zu erreichen", wunderte sich Lorenzo bereits nach dem ersten Tag. Dieser Eindruck bestätigte sich beim Weltmeister auch am Dienstag und am Mittwoch: "Ich bin sehr glücklich mit Michelin, weil sie mit den neuen Vorderreifen einen großen Schritt nach vorne gemacht haben." Die Michelin-Reifen scheinen Lorenzo also in die Karten zu spielen.

Doch auch Rossis erster Eindruck von den Michelin-Reifen war positiv: "Vor allem der Michelin-Vorderreifen hat sich sehr verbessert", lobte Rossi die Franzosen am Montag für ihre harte Arbeit über den Winter. Nach den intensiven Reifentests, die Rossi am Dienstag durchführte, erhärtete sich das positive Gefühl beim Doktor: "Am Nachmittag habe ich verschiedene Reifen durchprobiert und es gab positive und negative Aspekte. Aber ich glaube, Michelin hat ebenfalls einen guten Job gemacht."