Pascal Wehrlein und Porsche ist ein Einstand nach Maß in die zehnte Saison der Formel-E-Weltmeisterschaft gelungen: Der frühere DTM-Champion und Formel-1-Fahrer feierte in Mexiko-City einen souveränen Sieg und führt die Gesamtwertung nach dem ersten von 16 Saisonrennen an. Nicht für alle der 22 Piloten und elf Teams lief es wie erhofft - Motorsport-Magazin.com kürt die Sieger und Verlierer des Wochenendes.

Gewinner #1: Pascal Wehrlein

Er war der große Gewinner des Mexiko-City ePrix: Pascal Wehrlein schnappte sich am Samstag nicht nur seinen fünften Sieg in der Formel E, für seine bereits vierte Pole Position auf mexikanischem Boden sicherte er sich obendrein drei Extra-Punkte und führt die WM-Tabelle mit 28 Zählern an. Wehrlein gelang es als einzigem Porsche-Fahrer, die starke Jaguar-Konkurrenz in Schach zu halten. Die Pole-Performance war schon stark, sein Auftritt im Rennen noch stärker: Über 37 Runden leistete sich Wehrlein keinen einzigen Fahrfehler, blieb trotz des mangelnden Windschattens stets vorne und kontrollierte die Pace zielsicher.

Gewinner #2: Sebastien Buemi

Man mag es kaum glauben: Sebastien Buemi erzielte mit Platz zwei sein bestes Ergebnis seit dem 06. August 2020, damals beim 'Corona-Saisonfinale' in Berlin hinter verschlossenen Toren. Der Formel-E-Meister von 2016 hat schon jetzt so viele Podestplätze auf dem Konto, wie er in der gesamten vergangenen Saison als Envision-Neuzugang eingefahren hatte. Ein kleiner Fahrfehler im Rennen von Startplatz zwei kostete Buemi zwar die Siegchance, doch mit einem Überholmanöver gegen Wehrlein hätte sich der Schweizer ohnehin schwergetan. Gegen Rennende spekulierte Buemi auf eine - nicht erfolgte - Bestrafung für den Porsche-Piloten, dürfte aber auch mit Platz zwei mehr als zufrieden aus Mexiko abgereist sein.

Gewinner #3: Nick Cassidy

Besser hätte sich Nick Cassidy zum Einstand kaum präsentieren können: Der neuseeländische Jaguar-Neuzugang setzte sich im teaminternen Duell gegen Titelanwärter Mitch Evans durch und bescherte dem Werksteam obendrein den ersten Podesterfolg. Cassidy, der in Folge einer 1-Platz-Gridstrafe von der vierten Startposition ins Rennen gehen musste, nutzte die Attack-Mode-Phase, um Vordermann Maximilian Günther zu kassieren und ihn bis zum Zieleinlauf in Schach zu halten. Teamkollege und Landsmann Evans zeigte mit dem starken Jaguar-Rennwagen ebenfalls auf, Platz fünf dürfte seinen hohen Ansprüchen aber nicht genügen. Ihm gelang es immerhin, trotz eines Lenkdefekts den heranstürmenden Jean-Eric Vergne (DS Penske) in Schach zu halten. So zählt neben Podest-Fahrer Cassidy auch das Jaguar-Team zu den Gewinnern des Wochenendes.

Die drei Podestplatzierten des Mexiko-City ePrix 2024 auf dem Podest.
Auf dem Podest konnten in Mexiko-City alle Fahrer zufrieden sein, Foto: LAT Images

Gewinner #4: Maximilian Günther

Noch immer kein Teamchef, aber dafür die ersten guten Punkte im Sack: Maserati mit seinem Interims-Teamchef Jose Aznar kann sich bei Maximilian Günther für einen starken Auftritt bedanken. Der Allgäuer zeigte im Qualifying mit P3 (zwei Plätze bekam er durch die Jaguar-Gridstrafen geschenkt) wieder einmal eine Top-Leistung, und konnte auch im anschließenden Rennen mithalten. Gegen Porsche und Buemis Envision-Jaguar war allerdings kein Kraut gewachsen. Dass Günther den erhofften Podestplatz während der Attack Modes an Nick Cassidy verlor, wird sich die Strategieabteilung noch einmal genauer anschauen müssen...

Gewinner #5: Jean-Eric Vergne

Mit dem sechsten Platz gibt sich ein Fahrer des Kalibers von Jean-Eric Vergne eigentlich nicht zufrieden. Dennoch hatte der zweifache Formel-E-Champion in Mexiko allen Grund zum Jubel: Als zweiter Fahrer nach Lucas di Grassi knackte Vergne die magische 1.000-Punkte-Schallmauer in der Elektro-WM. Chapeau, Monsieur Vergne! Der Franzose, von P10 gestartet, zählte zu den wenigen Fahrern, die auf der Strecke für Action sorgten, nur gegen Mitch Evans mit dessen defekter Lenkung gab es kein Vorbeikommen auf dem Kurs, der nur wenige gute Überholmöglichkeiten bietet.

Gewinner #6: Der Mexiko-City ePrix

Sorry, Berlin: Im besten Fall würde die Formel E 16 Mal pro Saison in Mexiko-City fahren. Wer die Atmosphäre der stets rund 40.000 Zuschauer einmal selbst erlebt hat, wird kaum widersprechen können. Auch dieses Jahr sorgten die Besucher im vollgepackten Foro-Sol-Stadion für Gänsehaut-Stimmung. Nicht zuletzt, als sie den völlig abgeschlagenen Dan Ticktum frenetisch anfeuerten, als hätte er gerade das Rennen gewonnen. Viva Mexico!

Das Rennen der Formel E 2024 in Mexiko-City.
Auch dieses Jahr waren die Tribünen in Mexiko-City vollbepackt, Foto: LAT Images

Verlierer #1: Antonio Felix da Costa

Nachdem Antonio Felix da Costa sich dieses Jahr auf Porsche-Wunsch voll auf die Formel E konzentrieren soll und dafür auf seine geliebte WEC verzichten muss, hatten einige Experten den Champion von 2020 ganz weit oben auf dem Zettel. Zumindest in Mexiko konnte Felix da Costa die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Während Teamkollege Pascal Wehrlein zur Pole Position stürmte und wenig später den Rennsieg feierte, stand er selbst mit Startplatz 16 auf verlorenem Posten. Dass Felix da Costa schon in der dritten Runde mit Abt-Pilot Nico Müller crashte, vorzeitig ausfiel und für die Kollision auch noch eine ausstehende 3-Platz-Gridstrafe kassierte, setzte einem rabenschwarzen Wochenende die unrühmliche Krone auf.

Verlierer #2: Weltmeister Jake Dennis

Wer in der Formel E in die Punkteränge fährt, kann eigentlich nicht als Verlierer eingeordnet werden. Ausnahme: Es ist der amtierende Weltmeister. Jake Dennis dürfte mit seinem neunten Platz alles andere als happy gewesen sein. Vor allem, weil die potenziellen Titelkonkurrenten Wehrlein, Cassidy und Evans gleich gute Punkte einsackten. Faktisch betrachtet, müsste Dennis als Qualifying-Verlierer beschrieben werden - nur Startplatz 14 für den Andretti-Piloten, der im folgenden Rennen immerhin fünf Positionen gutmachen konnte und seinen neuen Teamkollegen Norman Nato (P10) in Schach hielt.

Verlierer #3: Jaguar für doppelte Gridstrafe

Aus Ergebnis-Sicht ein Gewinner, mit Blick auf die Ausführung ein Verlierer: Jaguar versaute sich die Aussichten auf ein noch besseres Teamergebnis schon im 1. Training am Freitag. Weil während der von Jake Hughes ausgelösten Rotphase die Jaguar-Piloten Mitch Evans und Nick Cassidy ihre Autos nicht wie vorgegeben in der Garage parkten, kassierten beide 1-Platz-Gridstrafen. Jaguar-Teamchef James Barclay argumentierte im Anschluss, dass im Regelbuch nicht stehe, dass während einer Unterbrechung nicht die Reifen gewechselt oder das Fast Charging getestet werden dürfe. Genau das hatte das Jaguar-Team angesichts der auslaufenden Session-Zeit nämlich getan. Von den Sportkommissaren gab es jedoch kein Erbarmen und folgerichtig die Startplatz-Strafen ausgerechnet auf dem Kurs, der nur wenige Überholmanöver zulässt.

Mitch Evans im Jaguar am Samstag des Mexiko-City ePrix 2024.
Jaguar hatte sportlich einen erfolgreichen Auftakt, brachte sich mit schlechter Ausführung womöglich aber um ein besseres Resultat, Foto: LAT Images

Verlierer #4: Abt-Cupra und Motorenlieferant Mahindra

Für ihren 100. Rennstart in der Formel E hätten sich die Äbte sicherlich einen anderen Verlauf gewünscht. Rückkehrer Lucas di Grassi, der dem Kemptener Rennstall im September 2014 in Peking den Sieg im ersten Rennen der Geschichte beschert hatte, fiel schon früh wegen eines Bremsdefekts aus. Teamkollege Nico Müller wurde wenige Minuten später von Antonio Felix da Costa unsanft praktisch aus dem Rennen genommen. Zwar hatte der Schweizer zuvor im Qualifying mit Startplatz zwölf ein kleines Ausrufezeichen gesetzt, doch der auch im Abt-Cupra stotternde Mahindra-Antriebsstrang ist weiterhin unterlegen. Die Mahindra-Werksfahrer Nyck de Vries (letzter Startplatz) und Edoardo Mortara (Startplatz 15) fuhren im Rennen chancenlos hinterher.

Verlierer #5: ERT ehemals NIO 333

Das neuformierte ERT-Team, zuletzt unter dem Namen NIO 333 hinterherfahrend, hatte schon im Vorfeld eine schwierige Saison angekündigt. Der Auftritt in Mexiko-City unterstrich die düstere Prognose: Sergio Sette Camara konnte das Rennen wegen eines technischen Defekts in der Runde zur Startaufstellung nicht einmal aufnehmen. Teamkollege Dan Ticktum hatte zuvor Pech im Qualifying, als er mit einem Streckenbegrenzungs-Stück Gesellschaft machte, das vorher Lucas Di Grassi mit seinem Einschlag auf dem Asphalt verteilt hatte. Dass der Brite am Ende 45 Sekunden Rückstand zu seinem Vordermann (Nico Müller, P17) aufwies, war auf die 'Super-Spar-Strategie' des Teams in Hoffnung auf ein zweites Safety Car zurückzuführen. Auch das klappte nicht bei ERT...

Der ERT-Bolide von Sergio Sette Camara wird nach einem Defekt vor dem Start zum Mexiko-City ePrix 2024 abgeschleppt.
Der ERT-Bolide von Sergio Sette Camara konnte den Mexiko-City ePrix nicht einmal starten, Foto: LAT Images

Verlierer #6: Robin Frijns

Robin Frijns und Mexiko, das waren zuletzt keine Freunde. Beim Saisonauftakt 2023, damals noch im Abt-Cupra, brach sich der Niederländer böse die Hand und musste mehrere Rennen aussetzen. Dieses Jahr ging sein Crash ausgangs des Foro-Sol-Stadions aus gesundheitlicher Sicht zwar deutlich glimpflicher aus, dürfte den Envision-Rückkehrer aber ebenso geärgert haben. Mauereinschläge ohne Fremdkontakt sehen immer unglücklich aus für einen Profi-Rennfahrer. Umso mehr, weil er sich auf dem aussichtsreichen siebten Startplatz qualifiziert hatte und Teamkollege Sebastian Buemi aufs Podest fuhr. Für Frijns war das Rennen allerdings schon beim Start effektiv gelaufen, als er aus unbekannten Gründen nicht vom Fleck kam und bis auf P15 durchgereicht wurde.