Formel E Reglement, Regeln und Änderungen 2019/2020

Training

Während jedes Events gibt es zwei Freie Trainings: Die erste Session ist 45 Minuten lang, die zweite 30 Minuten. Den Fahrern steht die maximale Leistung, nämlich 250 kW, zur Verfügung.

Qualifikation

Die Qualifikation besteht aus mehreren Segmenten. Sie beginnt mit der Gruppenphase und endet mit der Super Pole. Die 24 Fahrer werden zunächst anhand der Meisterschaftswertung in vier Gruppen eingeteilt. Die sechs Meisterschaftsführenden gehen in der ersten Gruppe an den Start. Danach folgt die Gruppe mit den in der Gesamtwertung dahinter platzierten Fahrern.

Nach dem Umschalten der Boxenampel können die Piloten in der Gruppenphase zwei schnelle Runden fahren. Sie dürfen allerdings nur auf einer Runde die maximale Leistung von 250 kW abrufen. Jedes Gruppen-Segment dauert sechs Minuten.

Ist die Gruppenphase beendet, steht die Startreihenfolge der Plätze sieben bis 24 fest. Die besten sechs Piloten ziehen in die Super-Pole ein. Dabei handelt es sich um ein Einzelzeitfahren, bei dem die Fahrer eine gezeitetete Runde absolvieren, um die vorderen sechs Startplätze unter sich auszumachen. In der Qualifikation kann ein Fahrer bis zu vier Zusatzpunkte holen (siehe Abschnitt Punkte).

Rennen

Das Rennen - offiziell als ePrix bezeichnet - beginnt mit einem stehenden Start nach einer Einführungsrunde. Die Renndauer beträgt 45 Minuten plus eine Runde. Im Rennmodus ist die Grundleistung auf 200 kW beschränkt. Zusätzliche Leistung können die Piloten während des Attack Modes abrufen. In dieser Zeit stehen 235 kW zur Verfügung. Fünf Fahrer erhalten zudem den FanBoost, der ihnen kurzzeitig eine Leistung von 250 kW verleiht.

Safety Car und Full Course Yellow

Ist nach einem Unfall die Sicherheit auf der Strecke nicht mehr gewährleistet, kann die Rennleitung eine Safety-Car- oder eine Full-Course-Yellow-Phase ausrufen. Ist das Safety Car (SC) auf der Strecke, gibt dieses das Tempo vor. Bei einer Full Course Yellow (FCY) wird die Höchstgeschwindigkeit auf 50 km/h beschränkt. Um zu verhindern, dass Fahrer hinter dem Safety Car oder bei Full Course Yellow taktisch langsam fahren, um Energie zu sparen, wird ein pauschaler Wert von einem kWh pro Minute abgezogen.

FanBoost

Sechs Tage vor einem Rennen beginnt die Abstimmung über den FanBoost. 15 Minuten nach dem Start wird sie geschlossen. Bei der Abstimmung haben die Fans die Möglichkeit, ihren Lieblingsfahrer mit ihrer Stimme zu unterstützen und ihm so einen zusätzlichen Geschwindigkeitsschub zu ermöglichen. Die fünf Fahrer mit den meisten Stimmen können in der zweiten Rennhälfte einmal einen kurzen Energieschub von maximal 250 kW abrufen. Nutzt ein Pilot den FanBoost, leuchten die LED-Lichter am Halo violett. Ihre Stimme können die Fans auf der Website der Formel E, in der dazugehörigen App und über Twitter abgeben.

Attack Mode

Seit der Saison 2018/2019 gibt es mit dem Attack Mode ein weiteres strategisches Element, durch das die Piloten zusätzliche Leistung abrufen können. Um den Attack Mode nutzen zu können, müssen die Fahrer zunächst über eine Aktivierungsschleife abseits der Ideallinie fahren. Dabei verlieren sie Zeit. Der Zeitverlust wird durch das Freigeben von 25 kW Extraleistung kompensiert. Wie häufig ein Fahrer den Attack Mode in einem Rennen aktivieren muss und wie lange ihm die Leistung zur Verfügung steht, wird streckenspezifisch von der FIA festgelegt. Blau leuchtende LED-Lichter am Halo weisen darauf hin, dass ein Fahrer den Attack Mode nutzt.

Meisterschaft

Die FIA Formel E Meisterschaft hat sowohl eine Fahrer- als auch eine Teamwertung. Die Fahrerwertung setzt sich aus den Punkten zusammen, die die Fahrer in den Qualifyings und den Rennen sammeln. Die Punkte beider Piloten eines Teams werden zusammengezählt und ergeben die Teamwertung.

Punkte

Alle Fahrer erhalten Punkte nach dem Standardsystem der FIA:
Platz 1: 25 Punkte
Platz 2: 18 Punkte
Platz 3: 15 Punkte
Platz 4: 12 Punkte
Platz 5: 10 Punkte
Platz 6: 8 Punkte
Platz 7: 6 Punkte
Platz 8: 4 Punkte
Platz 9: 2 Punkte
Platz 10: 1 Punkt

Drei zusätzliche Punkte gibt es für den Fahrer, der die Pole Position holt. Einen Zusatzpunkt erhält der Schnellste aus der Gruppen-Phase. Der Pilot, der die die schnellste Rennrunde fährt und das Rennen in den Top-10 beendet, erhält ebenfalls einen zusätzlichen Zähler.

Auto

In der Formel E fahren alle Teams mit Einheitschassis. Zur fünften Saison 2018/2019 hat Spark Racing Technology einen komplett neuen Rennwagen entwickelt, der speziell auf die Bedürfnisse der Elektro-Rennserie abgestimmt ist. Das Gen2-Auto besticht mit einem futuristischen und in der Motorsportwelt einzigartigen Design. Statt des im Formelsport traditionellen Heckflügels sorgt ein großer Diffusor am Heck für Abtrieb. Fans und Medien bezeichnen das Gen2-Auto wegen seiner spektakulären Optik gern als "Batmobil".

Batterie

Die von McLaren hergestellte Einheitsbatterie ist das Herzstück eines jeden Formel-E-Rennwagens. Die Batterie befindet sich zwischen dem Fahrersitz und dem Antriebsstrang und wiegt 385 Kilogramm bei einem Fahrzeugmindestgewicht von insgesamt 900 Kilogramm. Die maximale Energie, die an die Motoreinheit abgegeben werden kann, ist auf 52 kWh beschränkt und wird von der FIA überwacht. Die Dauer einer Aufladung der Batterie beträgt etwa 45 Minuten.

Bremsen

In den Gen2-Fahrzeugen kommt das aus der Formel 1 bekannte Brake-by-Wire-System zum Einsatz, um eine noch effizientere Rekuperation der Batterie zu ermöglichen. Dabei ist die Betätigung des Bremspedals von der Übertragung zur Hinterachse entkoppelt und durch eine elektronische Steuereinheit (ECU) geregelt. Die ECU misst, wie stark die vom Fahrer gewünschte Bremskraft ist und welche Bremswirkung die Rekuperation liefert.

Das Aufladen der Batterien ist während der Qualifikation, des Rennens und im Parc Ferme verboten. Während der freien Trainings ist das Aufladung jedoch erlaubt.

Reifen

Michelin ist seit der ersten Saison der offizielle Reifenlieferant der FIA Formel E Meisterschaft. Der französische Hersteller stellt Allwetter-Reifen zur Verfügung, die sowohl auf nasser als auch auf trockener Strecke Grip bieten. Bei jedem Event erhält jeder Fahrer vier neue Vorder- und Hinterreifen. Die Reifen dürfen nicht mit Heizdecken oder anderen Hilfsmitteln aufgewärmt werden.

Lizenz

Um an einem Formel-E-Event teilnehmen zu dürfen, benötigen die Piloten eine e-Lizenz. Um diese zu erhalten, müssen sie folgende Kriterien erfüllen: Die Teilnahme an einem spezifischen FIA-Lehrgang in Bezug auf elektrische Sicherheit sowie technische und sportliche Aspekte der Meisterschaft. Zusätzlich müssen sie in den vergangenen drei Jahren im FIA Punktesystem zum Erwerb der F1-Superlizenz mindestens 20 Punkte erreicht haben. Ist diese Bedingung nicht erfüllt, gibt es alternative Kriterien, die einem Piloten erlauben, an einem Formel-E-Event teilzunehmen: Entweder war der Fahrer in der Vergangenheit bereits im Besitz der Superlizenz oder hat im vorherigen Jahr an drei Veranstaltungen der Formel E teilgenommen (10 Veranstaltungen in drei Jahren). Sind auch diese Kriterien nicht erfüllt, kann durch nachgewiesene Fähigkeiten im Formel-Sport eine Startgenehmigung durch die FIA erteilt werden.