Nachdem schon die ganze Welt darüber sprach, hat Red Bull nun erste Bilder des eigen Konzepts zum besseren Kopfschutz für Formel-1-Piloten gezeigt. Im Gegensatz zum von Mercedes entwickelten Halo-System besteht der Red-Bull-Vorschlag nicht nur aus Streben, sondern beinhaltet auch eine Scheibe.

Im Gegensatz zum Halo hat die Halb-Kanzel vorne zwei Streben. Weil die links und rechts an der Cockpitwand angebracht sind, befinden sie sich nicht im direkten Sichtfeld des Piloten - ein Kritikpunkt am Halo-System. Ferrari absolvierte deshalb mit einer Halo-Attrappe bei den Wintertests in Barcelona einige Installationsrunden. Die Fahrer empfanden die Sicht als nicht optimal, aber nicht katastrophal.

Das Red-Bull-Konzept soll aber einen weiteren, noch viel größeren Vorteil haben: Es soll nicht nur herumfliegende Reifen vom Kopf des Fahrers abhalten, sondern auch kleinere Teile wie Skidpads - oder wie im äußerst seltenen Fall von Felipe Massa in Ungarn 2009 - eine kleine Feder.

Windschutzscheibe soll kleine Teile abfangen

Eine Art Windschutzscheibe soll auch kleine Teile abfangen - Foto: Red Bull
Eine Art Windschutzscheibe soll auch kleine Teile abfangenFoto: Red Bull

Abgehalten sollen die Objekte von einer Art Windschutzscheibe werden, die sich zwischen den Streben aufspannt. Aus welchem Material diese sein könnte, verrät Red Bull nicht. Die Visier-artige Scheibe trifft etwas vor der Cockpit-Öffnung auf das Chassis.

Weil die Fläche, die von den Streben für die Windschutzscheibe aufgespannt wird, relativ klein ist, sollte es technisch möglich sein, hier ein geeignetes Material zu finden. Das größte Problem sind Reifen, die samt Felge und Radträger mit rund 20 Kilogramm zum Geschoss werden können.

Bei den Rädern will die FIA übrigens nichts dem Zufall überlassen: Die Stahlseile, mit denen die Räder bei einem schweren Unfall noch ans Chassis binden sollen, werden noch einmal verstärkt. 2017 sollen die Seile 8 Kilonewton abkönnen, aktuell sind es 6 Kilonewton.

Kritiker bemängeln mögliche Probleme bei der Reinigung - Foto: Red Bull
Kritiker bemängeln mögliche Probleme bei der ReinigungFoto: Red Bull

Reinigung als Problem?

An der Oberseite schließt eine halbkreisförmige Strebe den Kopfschutz ab. Sie bringt Stabilität in die Konstruktion. Sie wächst aus der Seitenaufprall-Struktur auf der einen Seite, macht einen Bogen, verbindet die beiden vertikalen Streben miteinander und mündet auf der anderen Seite wieder in der Seitenaufprall-Struktur.

Ein Problem könnte die Reinigung der Scheibe sein, so Kritiker. Weil Halo keine Scheibe hat, gibt es hier zumindest kein Problem. Das Helm-Visier kann der Fahrer leicht reinigen: Auf dem eigentlichen Visier kleben mehrere Lagen von dünnem Plastik, die abgezogen werden können. Mit dem Red-Bull-Konzept könnten wie bei den Sportwagen-Prototypen Scheibenwischer nötig werden.

Allzu früh könnte das abgeschnittene Kampf-Jet-Cockpit aber ohnehin nicht kommen. Charlie Whiting betonte bereits, dass man 2017 Halo einführen will, weil dieses System bereits umgehend getestet wurde. Die Red-Bull-Lösung hingegen ist über das Konzept-Stadium noch nicht hinaus. Mit der Einführung zu warten, bis die Entwicklung einer womöglich besseren Lösung vorangeschritten ist, will die FIA nicht.

MSM TV: Ferrari testet Halo-Cockpitschutz: (03:28 Min.)