McLaren startete katastrophal in die Formel-1-Saison 2015. Zwar hat sich das mit dem neuen Motorenpartner Honda von grundauf runderneuerte Team inzwischen Stück für Stück verbessert, doch dem eigenen Anspruch fährt der Traditionsrennstall weiter meilenweit hinterher. Das Maß dieses Anspruchs legt in Woking - gefühlt seit Anbeginn der Zeit - Ron Dennis fest. Weltmeistertitel sind nicht genug, totale Dominanz soll es schon sein. Mindestens.

Es krachte ordentlich - Foto: Sutton
Es krachte ordentlichFoto: Sutton

Dass ein Scheitern solch ambitionierter Pläne schnell Spötter auf den Plan ruft, zeigte sich jüngst anhand der medialen Schlammschlacht zwischen Eddie Jordan und Dennis. Jordan warf McLaren Missmanagement vor, Dennis ätzte zurück, indem er Jordan als Dorftrottel bezeichnete. Mit etwas Abstand erklärt sich der McLaren-Teamboss nun ausführlicher - diesmal gemäßigt.

Dennis: bestes Management der McLaren-Historie

"Das Team wird gut gemanagt. Was das Management betrifft, würde ich sagen, dass dies eine der besten Perioden in der Geschichte McLarens ist - auch wenn das merkwürdig scheint, weil die Resultate im Moment sehr schlecht sind", verteidigt Dennis im italienischen Magazin Autosprint seine hauptverantwortlichen Mitarbeiter, Eric Boullier und Jonathan Neale. Das würden die Fahrer genauso sehen. Deshalb seien selbst die Ex-Weltmeister Jenson Button und Fernando Alonso trotz aller Probleme positiv eingestellt.

"Und in den nächsten Monaten werden wir stolz darauf sein, wie schnell wir es geschafft haben uns zu erholen. Daran habe ich keinen Zweifel", sagt Dennis. Das wäre auch schlecht. Immerhin seien die Aktivitäten in der Formel 1 nach wie vor essentiell für das Bild McLarens in der Öffentlichkeit, erklärt der CEO der McLaren Group. Großartig in das sportliche Geschäft des F1-Teams wolle und müsse er ohnehin nicht eingreifen, das Vertrauen Dennis' in seine Mannschaft ist groß. "Meine Meinung wird respektiert, ich kann viel Erfahrung einbringen, aber ich will mich nicht einmischen. Meine Rolle besteht darin, das Team zusammenzuhalten und dafür zu sorgen, dass es nicht auseinander fällt", sagt Dennis.

Dennis ist zu 100 Prozent von der Kooperation mit Honda überzeugt - Foto: Sutton
Dennis ist zu 100 Prozent von der Kooperation mit Honda überzeugtFoto: Sutton

Honda als einziger Schlüssel zum Titel

Wichtigster Punkt dabei bleibt nach wie vor die Integration Hondas in die Truppe aus Woking. Zweifel, ob die Reunion der 80er- und 90er-Jahre Traumehe überhaupt richtig war, hegt Dennis trotz des zum Stottermarathon gewordenen Stotterstarts nicht. Im Gegenteil. "Unser Ziel ist die Weltmeisterschaft zu gewinnen und diese Vorgabe wäre für uns nicht zu erreichen, wenn wir mit einem Kundenmotor weitergemacht hätten", sagt Dennis.

Allerdings habe man auch allen Grund zu der Annahme gehabt, bereits jetzt in einer besseren Situation zu sein als gegenwärtig der Fall. "Heute sind sind wir nicht auf dem Level, auf dem wir sein möchten, aber ich bin sicher, dass wir dort schneller hinkommen als die Leute denken", kündigt Dennis mal wieder Großtaten an. Fast genauso äußert sich Renndirektor Eric Boullier aktuell auf der offiziellen F1-Website.

Dennis hält nicht viel von Kundenmotoren wie bei Williams' - Foto: Sutton
Dennis hält nicht viel von Kundenmotoren wie bei Williams'Foto: Sutton

Immerhin habe selbst Mercedes lange Vorlaufzeit bis zur aktuellen Dominanz in Kauf nehmen müssen. Das müsse McLaren-Honda nun ebenfalls, weiterhin auf Kundenmotoren zu setzen, wäre die weitaus schlechtere Lösung gewesen. Dennis Argument: "Man muss sich nur das Qualifying in Silverstone ansehen. Das Werksteam war fast eine Sekunde schneller als Williams. Mit einem Kundenmotor wirst du niemals in der Lage sein diese Lücke zu schließen."

Deshalb habe er den gemeinsamen Weg mit Honda vorgezogen. "Diese Motoren sind so komplex, dass die Systeme in absoluter Harmonie mit dem Chassis arbeiten müssen. Das verlangt, dass sich die Zulieferer und technischen Parter voll und ganz der Sache verschreiben", begründet Dennis. "Das ist die beste Möglichkeit für McLaren, an die Spitze zurückzukehren. Es wird einfach ein bisschen länger dauern als gedacht."