Was passierte beim Start mit Rockenfeller?

Bereits vor dem Rennen war Mike Rockenfeller klar, dass es mitten im Feld in der ersten Runde ziemlich eng werden würde - und so kam es dann auch. Der spätere Vierte entschied sich für die Außenbahn und konnte dann nicht in die Rechtskurve einlegen, weil Joey Hand die Kontrolle über seinen BMW verlor. Um eine Kollision zu vermeiden, entschied sich Rockenfeller für einen weiten Linksbogen.

Anscheinend war Hand aber selbst ein Opfer: "Das war mein bester Start, seit ich in der DTM fahre. Aber leider hat er sich nicht ausgezahlt. Ich bin hinten getroffen worden und habe mich ins Kiesbett gedreht", ärgerte sich Hand über seinen frühen Ausfall, der beinahe auch Rockenfeller mit ins Verderben gerissen hätte.

Warum kam das SC in Runde 1 raus?

Pünktlich zum Start in die Einführungsrunde begann es am Nürburgring zu regnen, alle Fahrer gingen auf Trockenreifen in die erste Runde. Eine Mischung, die nicht gerade perfekt ist. Nach dem Abflug von Hand in Kurve eins und der Kollision zwischen Mortara und Ekström in der zweiten Kurve wurde der Rennleitung die ganze Sache bei immer stärker werdendem Regen wohl zu haarig. Um das Durcheinander gewürfelte und rutschende Feld wieder einzufangen, kam das Safety-Car aus Sicherheitsgründen auf die Strecke.

Diese Dame weiß vermutlich auch, wie Wickens das Rennen gewinnen konnte - Foto: RACE-PRESS
Diese Dame weiß vermutlich auch, wie Wickens das Rennen gewinnen konnteFoto: RACE-PRESS

Wie konnte Wickens das Rennen gewinnen?

Plötzlich führte Robert Wickens das Rennen auf dem Nürburgring an und gewann schließlich seinen ersten Grand Prix. Doch wie kam der Kanadier von Startplatz sieben auf Rang eins? Ein wichtiger Punkt, war die Reifenwahl von Samstagabend. Weil es just in der Einführungsrunde stärker zu regnen begann, bekamen die Piloten auf dem Standard-Reifen ihren Pneus nicht auf Temperatur, Wickens der auf Option ins Rennen ging, hatte somit einen Vorteil. "Ich hatte bei schwierigen Bedingungen eine gute erste Runde", fasste Wickens seinen Rennbeginn zusammen.

Als das Boxenstoppfenster aufging kam der Mercedes-Pilot umgehend zum Stopp und wählte die Regenreifen. Die richtige Entscheidung, wie sich zeigte. Zunächst konnte er sehenswert an Miguel Molina vorbeigehen, dann folgte der 'Mega-Move' - wie Manuel Reuter das Doppel-Überholmanöver an Adrien Tambay und Augusto Farfus. "Dann hat das Team eine gute Entscheidung mit dem Stopp auf Trockenreifen getroffen." In der Tat kam Wickens genau zum richtigen Zeitpunkt. Der Mercedes war auf abtrocknender Strecke das schnellste Auto und so konnte er auch an Mike Rockenfeller vorbeigehen, als dieser seinen zweiten Stopp machte.

Warum fiel Timo Scheider wieder einmal aus?

Schlimmer geht immer - das ist wohl das Motto von Timo Scheider. Nachdem er am Samstagmorgen mit seinem Feuerlöscher Probleme hatte, streikte im Qualifying dann die Benzinzufuhr. Doch nach seiner bisherigen Katastrophen-Saison noch nicht genug: Nach einem ordentlichen Start dauerte es nicht lange, bis den Lahnsteiner die Realität einholte. "In Turn zwei habe ich dann aber einen Schlage bekommen. Vermeintlich war es Andy Priaulx, der zu spät auf der Bremse war und mich dann zum ersten Mal umgedreht hat. Somit war ich dann Vorletzter."

Die Safety-Car-Phase half Scheider dann, denn Anschluss wieder zu finden und auch nach dem Boxenstopp sah es für den Audi-Piloten gut aus. "Da hatte ich dann eine sehr gut Pace, wir sind gut nach vorne gekommen und ich konnte einige Auto überholen." Doch Scheider wäre nicht Scheider, wenn es nicht wieder einmal etwas dazwischengekommen wäre. "Leider Gottes gab es dann Ausgangs der Mercedes-Arena - nachdem ich Filipe Albuquerque überholt hatte - eine Kollision. Filipe ist mir hinten rechts ans Heck gefahren und hat mich umgedreht. Während der Drehung ist mir dann Jamie [Green] noch aufs Rad gefahren, dadurch ist dann die Spurstange verbogen gewesen." Resultat: Rennende und null Punkte.

Wie kam Rockenfeller so weit nach vorne?

Sah es nach dem Qualifying nicht gut für den Meisterschaftsführenden aus, sah es nach Kurve eins noch ein bisschen schlechter aus. Nach gutem Start wurde Rockenfeller in der ersten Kurve leicht angestoßen und musste seinen Audi in der Auslaufzone erst wieder in Fahrtrichtung stellen, eher er das Rennen als Letzter wieder aufnehmen konnte. Doch dann gelang dem Phoenix-Team der große Coup: Noch hinter dem Safety-Car - und vor allem vor dem Öffnen des Boxenstoppfensters - kam Rockenfeller an die Box, um sich Regenreifen abzuholen. "Das war ein Smart-Move, als wir auf die Regenreifen gegangen sind", freute sich Rockenfeller anschließend.

Doch zunächst war er davon gar nicht so begeistert: "Am Anfang habe ich nicht verstanden, was wir da machen. Wir haben am Radio diskutiert, weil ich gesagt habe, dass das Fenster noch nicht offen ist." Doch weil das Safety-Car noch draußen blieb, konnte Rockenfeller auf das Feld aufschließen und war zwar weiterhin letzter, dann allerdings als einziger Pilot mit den richtigen, den Regenreifen. Bis das Boxenstoppfenster öffnete konnte Rockenfeller schon einige Piloten überholen und nachdem alle ihren Reifenwechsel hinter sich hatten, konnte er die freie Fahrt genießen und einen großen Vorsprung herausfahren. Dass es am Ende nicht zum ganz großen Coup reichte, lag daran, dass die Pace auf abtrocknender Strecke einfach nicht gut genug war.

15 Plätze nach vorne: Was war bei Tomczyk los?

Neben Timo Scheider gab es in der bisherigen Saison noch einen großen Pechvogel: Martin Tomczyk. Seit neun Rennen hatte der Bayer keinen einzigen Punkt mehr geholt, ausgerechnet am Nürburgring im vergangenen Jahr fuhr er zum letzten Mal in die Punkteränge. Doch nach Rang 20 im Qualifying, schien auch dieses Wochenende für den Rosenheimer gelaufen. Doch dann lief es auf einmal ganz anders: Tomczyk raste auf Rang fünf nach vorne und holte seine ersten Punkte der Saison. Auch Tomczyk half am Start die Reifenwahl, die Options-Reifen funktionierten im Nassen einfach besser.

Vor einem Jahr stand Tomczyk auf dem Podium - Foto: RACE-PRESS
Vor einem Jahr stand Tomczyk auf dem PodiumFoto: RACE-PRESS

Schon in der ersten Runde kam Tomczyk von Startplatz 20 auf Rang neun nach vorne, neben der Reifenwahl halfen ihm auch zahlreiche Dreher der Konkurrenz. Das restliche Rennen des BMW-Piloten verlief zwar weniger spektakulär, doch Schritt für Schritt ging es nach vorne bis auf Rang fünf. "Man muss aber ehrlich genug sein, um zu sagen, dass ich nur unter diesen Bedingungen so weit nach vorne kommen konnte", schätze Tomczyk die Lage anschließend realistisch ein. "Zum Schluss, als es trocken geworden ist, haben wir gesehen, dass die Pace nicht mehr so gut war, wie im Regen."

Warum landete Gary Paffett so weit hinten?

Gary Paffett machte Mercedes einen Fehler nach dem anderen. "Was für ein verschwendeter Tag", ärgerte sich Paffett nach dem Rennen, das er zunächst auf harten Reifen anging - bei feuchter Fahrbahn eine schlechte Kombination. Beim ersten Boxenstopp wechselte man dann auf weiche Reifen, ebenfalls die falsche Wahl, denn die Konkurrenz fuhr mit Regenreifen teilweise mehr als fünf Sekunden schneller. Spätestens da muss auch Paffett jede Hoffnung verloren haben.

"Das ganze Rennen verlief komplett nach dem Motto: Alles was schief gehen kann, wird auch schiefgehen. Das Wetter hat uns heute einen riesigen Strich durch die Rechnung gemacht und die ganze Strategie über den Haufen geworfen", so Paffett nach dem Rennen, das er auf Platz 17 beendete.

Warum ging das Rennen nicht über die geplante Distanz?

In der DTM gilt ein äußerst straffer Zeitplan, an dem der Fernsehpartner ARD nicht ganz unschuldig ist. Maximal 75 Minuten darf ein Rennen in der DTM dauern. Und wenn es dabei so zugeht wie auf dem Nürburgring, kann diese Marke durchaus geknackt werden. Am Sonntag haben Safety-Car-Phase und ein wenig Regen jedenfalls ausgereicht - statt der geplanten Renndistanz von 49 Runden fuhr man nur 47 Umläufe.

Wieso schaffte es Spengler nicht in die Punkte?

Wie schon in Moskau wurde Bruno Spengler auch auf dem Nürburgring mehrfach von Konkurrenten getroffen - die Schäden auf der linken Seite des M3 waren nicht zu übersehen. Unter nassen Bedingungen, wo die Aerodynamik eine nicht so wichtige Rolle spielt, konnte Spengler zwar noch gut mithalten - als es dann aber immer trockener wurde, hatte der amtierende Meister keine Chance mehr.

"Für Bruno ist es blöd gelaufen", stellte BMW-Motorsport-Direktor Jens Marquardt fest. "Er wurde ein paar Mal hart getroffen und konnte dann nicht mehr kämpfen." Besonders deutlich wird der Absturz von Spengler bei einem Blick in die Rundentabelle: Bei seinem zweiten Boxenstopp in der 32. Runde lag er auf Platz fünf, nur sechs Runden später auf Position 14.