Motorsport-Magazin.com: Pit, das Paket Johann Zarco und KTM funktioniert bislang überhaupt nicht. Wer muss sich da an wen anpassen?
Pit Beirer: Bei Pol Espargaro sehen wir aktuell, dass er das Material, das wir ihm geben, sehr gut verwerten kann. Bei Johann ist das leider nicht so. Wir versuchen, Johann entgegenzukommen und probieren alles aus, was wir über den Motorradbau so wissen, um ihm das Einlenken zu erleichtern. Das ist ja immer noch sein Hauptproblem. Er muss aber auch die Stärken des Bikes nutzen und seine Vorteile herauskitzeln. Man kann mit der KTM sehr lange geradeaus fahren und brutal spät bremsen. Da kann man Meter auf die Konkurrenz gutmachen.

Wo liegt im Moment euer Fokus? Den bereits sehr gut fahrenden Espargaro weiter zu pushen oder Zarco vom Ende des Feldes wegzubringen?
Pit Beirer: Wir werden verstärkt Pol das geben, was er will und so versuchen, ein Motorrad so nah wie möglich an die Spitze heranzubringen. Da haben wir die Chance, zu zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Was Johann betrifft: MotoGP ist kein Wunschkonzert. Wir kämpfen als Hersteller ja erst einmal darum, auf ein gewisses Niveau zu kommen. Es ist nicht so, dass wir in einer Schublade Version A, B und C liegen haben und jede ist besser als die andere.

Ihr seid mit Espargaro und Zarco in einer ähnlichen Situation wie Honda mit Marc Marquez und Jorge Lorenzo. Dort dominiert Marquez, Lorenzo strauchelt. Teamchef Alberto Puig erklärte vor kurzem in einem Interview, Lorenzo sollte den Mund halten und das Bike, das er hat, einfach fahren. Gilt das auch für Zarco auf der KTM?
Pit Beirer: Ich glaube, es ist die Stärke von KTM, nie zu einem Fahrer zu sagen: 'Hier, das funktioniert für deinen Teamkollegen und du musst es jetzt genauso fahren. Friss oder stirb!' Wir konnten immer - in jeder Klasse - unterschiedlichen Piloten individuelle Motorräder geben. Irgendwann kommst du aber natürlich wie Alberto an diesen Punkt, wo du sagst: 'Wir sind jetzt länger gegangen, kürzer gegangen, höher gegangen, tiefer gegangen und haben die Geometrie des Rahmens noch einmal komplett umgedreht. Jetzt sind wir auch irgendwann mit unserem Latein am Ende. Jetzt musst du erst Mal eine Weile damit fahren, bis wir neue Teile hergestellt haben.'

Ihr habt ja auch schon viele Updates gebracht.
Pit Beirer: Ja, verglichen mit dem Saisonstart haben wir jetzt die Carbonschwinge, einen besseren Motor und das Chassis eigentlich auch so angepasst, wie Johann es wollte. In den nächsten vier bis sechs Wochen wird es jetzt einmal nichts Besseres geben. Wir wissen aber, was er sich wünscht.

Beirer verfolgte die jüngsten MotoGP-Wochenenden mit einem weinenden und einem lachenden Auge - Foto: KTM
Beirer verfolgte die jüngsten MotoGP-Wochenenden mit einem weinenden und einem lachenden AugeFoto: KTM

Eine Yamaha?
Pit Beirer: Was Johann auf der Yamaha hatte, kann ihm unser Motorrad nicht geben. Es ist einfach so, dass eine Suzuki und eine Yamaha ähnlich zu fahren sind und eine Honda, Ducati oder KTM. Es ist eine Glaubensfrage, ob man sich für einen Reihenvierzylinder oder einen V4 entscheidet. Wir glauben, dass wir mit dem V4-Konzept das genialste Rennmotorrad aller Zeiten bauen können. Daran muss sich der Fahrer anpassen. Bei Pol war es ja nicht anders, der ist ebenfalls von Yamaha zu KTM gekommen.

Espargaro hat aber zuletzt gemeint, er musste sich auf der Yamaha verstellen und kann auf der KTM jetzt natürlich fahren. Zarco hingegen hat gesagt, dass die KTM zu fahren für ihn so ist, als müsste er lernen, anders zu gehen.
Pit Beirer: Als Hersteller ist es natürlich grausam, so etwas zu hören. Er wird uns aber einfach ein Stück entgegenkommen müssen. Wenn er stur sagt, 'Ich warte bis die KTM wie eine Yamaha funktioniert', dann müssen wir das Projekt Johann Zarco und KTM für gescheitert erklären. An dem Punkt sind wir aber nicht.

Auf der Tech3-Yamaha holte Zarco sechs Podien und vier Pole Positions - Foto: gp-photo.de/Ronny Lekl
Auf der Tech3-Yamaha holte Zarco sechs Podien und vier Pole PositionsFoto: gp-photo.de/Ronny Lekl

Johann Zarco wird seinen Vertrag bei KTM also erfüllen?
Pit Beirer: Sein Vertrag steht definitiv nicht zur Debatte. Einen Fahrer fallen zu lassen, ist für uns die allerletzte Option. Da muss der Fahrer schon zu uns kommen und sagen, dass er weg will. Darüber wollen wir aktuell aber nicht reden - noch nicht einmal denken. Wir halten zusammen. Es gibt für uns keine größere Motivation, als Johann ein Gerät hinzustellen, mit dem er wieder dorthin kommt, wo er auch hin gehört.

Man hört aber vermehrt, dass auch die Chemie zwischen Zarco und seiner Crew nicht die Beste ist und er sich, im krassen Gegensatz zu Espargaro, sehr stark abschottet. Das kann für die Motivation dieser Teammitglieder doch auch nicht förderlich sein, oder?
Pit Beirer: Naja, es ist natürlich einfacher, freudenstrahlend dazusitzen, wenn die Ergebnisse stimmen. Da muss man schon überlegen, wo der Eintritt in diesen Teufelskreis liegt. Klar ist, dass bei Johann die Nerven blank liegen, weil es für ihn einfach nicht läuft. Das erwarten wir uns von einem starken Rennfahrer aber auch. Wenn er trotzdem in der Box sitzen und sagen würde, 'Es ist eh alles super! Komm Crewchief, gehen wir auf ein Bier', dann wäre da was nicht in Ordnung. Deshalb können wir das schon gut ab, wenn Johann hin und wieder einfach sauer ist. Natürlich würde es helfen, wenn er die Crew besser mitnimmt, aber ich kann ihm da in der aktuellen Situation keinen Vorwurf machen.