Die medialen Verpflichtungen von Yamahas MotoGP-Piloten laufen am Samstag eines Rennwochenendes normalerweise stets nach demselben Schema ab. Zu festgelegten Zeiten erscheinen Valentino Rossi und Maverick Vinales zu ihren Medienrunden in der Team-Hospitality, die anwesenden Journalisten können Fragen stellen. Grundsätzlich eine Routineangelegenheit für beide Seiten.

Das ändert sich aber, wenn ein erfolgsverwöhntes Team wie Yamaha in ein derartiges Debakel schlittert wie am Samstag in Spielberg. Valentino Rossi kam gar nicht in Q2 und geht von P14 ins Rennen, Maverick Vinales steht auf Rang elf. Das bedeutet für das Yamaha-Werksteam das schlechteste Qualifyingresultat seit Valencia 2007. Der Grund ist allgemein und seit gut einem Jahr bekannt: die Elektronik an der M1 funktioniert nicht richtig.

Deshalb sah sich die Führungsebene von Yamaha an diesem Samstag gezwungen, den normalen Ablauf der Medienrunden zu ändern. Valentino Rossi stand vor Maverick Vinales im Zeitplan, bevor die Fahrer zu Wort kamen, traten aber M1-Projektleiter Kouji Tsuya, Yamaha-Motorsportmanager Lin Jarvis und Teamchef Massimo Meregalli vor die Presse, um im Namen von Yamaha die Verantwortung für die desolaten Ergebnisse zu übernehmen.

Yamaha bittet um Verzeihung

"Ich möchte mich bei unseren Fahrern entschuldigen. Dafür, dass wir nicht schneller waren und dafür, dass sie im Qualifying keine bessere Leistung zeigen konnten", ergriff Tsuya das Wort. Man arbeite so hart wie immer um die vorhandenen Probleme zu lösen, Testfahrten in Misano und Aragon nach dem aktuellen Rennwochenende in Österreich und dem nächsten in Großbritannien sollen die Lösung bringen.

Kouji Tsuya übernahm im Namen von Yamaha Verantwortung - Foto: Screenshot/MotoGP
Kouji Tsuya übernahm im Namen von Yamaha VerantwortungFoto: Screenshot/MotoGP

"Als Yamaha waren wir der Meinung, dass es eine Frage von Teamgeist ist, unsere Fahrer in dieser Situation zu unterstützen und Druck von ihnen zu nehmen", erklärte Kommunikationschef William Favero im Anschluss noch einmal die bereits zuvor angekündigte, ungewöhnliche Situation.

Nun war es Zeit für Valentino Rossi, seine Sicht der Dinge zu schildern. "Mir war klar, dass wir hier Probleme haben werden, weil es wohl die schlechteste Strecke im ganzen Kalender für uns ist, aber ich hatte nicht erwartet, dass es so schlimm wird", fasste er die aktuelle Situation bei Yamaha bereits in seinem ersten Satz aussagekräftig zusammen. Rossi sprach von Pech beim Verpassen von Q2 in den Trainings, in Q1 gestand er aber schlicht mangelnden Speed ein. Auch die Reifenwahl wäre nicht ideal gewesen, der Medium anstatt des verwendeten Soft hätte besser funktioniert. "Um das herauszufinden, hat uns durch die verregneten Trainings aber die Zeit gefehlt."

Vinales wieder an der PR-Leine

Im Anschluss an Rossis Medienrunde kam Maverick Vinales in die Yamaha-Hospitality. Bevor er zur Presse sprechen durfte, ging es zur Besprechung mit Jarvis, Favero und seiner Pressesprecherin Maider Barthe. Das ist ungewöhnlich, seit dem Brünn-Wochenende bei Vinales aber Standard. Was dort passiert, ist relativ klar. Vinales wird genau erklärt, was er sagen und nicht sagen darf.

Maverick Vinales werden seine Aussagen von Yamaha beinahe vorgekaut - Foto: Ronny Lekl/gp-photo.de
Maverick Vinales werden seine Aussagen von Yamaha beinahe vorgekautFoto: Ronny Lekl/gp-photo.de

Anschließend wiederholt Kommunikationschef Favero noch ein zweites Mal die Aussagen von Projektleiter Tsuya. Auch, weil er möchte, dass Vinales diese Worte ebenso hört, wie er betont. Der lauscht mit versteinerter Miene. Seine Ausführungen fallen dann so beliebig aus, wie man es von einem Mann erwarten kann, dem gerade gesagt wurde, dass er eigentlich nichts sagen soll:

"Wir haben an diesem Wochenende große Probleme."

"Wir müssen das Problem verstehen."

"Ich werde mein Bestes geben."

"Es wird wichtig sein Punkte zu holen."

"So ist es jetzt eben."

Klar ist: Yamaha steckt in der tiefsten Krise seit 2003. Das hat mittlerweile jeder im Team begriffen. Nur wie man aus dem Tief wieder herauskommt, das weiß aktuell niemand. Eine Entschuldigung an die Fahrer ist eine schöne Geste. Schneller macht sie Rossi und Vinales aber auch nicht.