Spätestens nachdem Alvaro Bautista beim Boxenstopp in Argentinien seinen Mechaniker anfuhr, ist jedem MotoGP-Fahrer bewusst, wie gefährlich der Motorradwechsel im Rennen sein kann. In Austin besprachen Valentino Rossi, Marc Marquez und Jorge Lorenzo nun das Für und Wider des Flag-to-Flag-Systems. Die Meinungen der Top-Fahrer gingen weit auseinander.

Flag-to-Flag-Rennen bilden eine Seltenheit in der MotoGP. Nur unter besonderen Begebenheiten wie Regen oder Sicherheitsproblemen wie zuletzt in Austin tritt diese Regelung in Kraft. Das bemerkte Marquez, jedoch nicht ohne anzufügen, dass trotzdem Verbesserungen geschaffen werden müssen. Der Honda-Pilot kommt daraufhin gleich mit ein paar Vorschlägen um die Ecke: "Vielleicht wäre es eine gute Idee, das Speedlimit in der Boxengasse zu verringern", schlug Marquez vor. "Die Fahrer werden sich dann beschweren, aber am Ende geht es um die Sicherheit. Vielleicht wären weniger Leute in der Boxengasse auch besser. Wir müssen versuchen, in der Boxengasse die größtmögliche Sicherheit zu haben."

Doch grundsätzlich hält der ehemalige Weltmeister das Flag-to-Flag-Prinzip für die beste Alternative. "Flag to Flag ist schwierig und sieht gefährlich aus, aber es ist der sicherste Weg", so Marquez. "Die Reifen zu wechseln, wäre noch gefährlicher." Erzrivale Rossi fiel noch ein weiterer Grund für die Beibehaltung des Flag-to-Flag ein: "Es ist ziemlich kostspielig, jedes Mal die Reifen am Motorrad zu wechseln", merkte der Doktor an. "Das 8-Stunden-Rennen von Suzuka ist ein gutes Beispiel, dort werden die Reifen jedes Mal gewechselt und es wird durch die Technik noch komplizierter. So, wie es jetzt ist, ist es nicht allzu verkehrt."

Chaos pur: Beim Argentinien GP 2016 ging es drunter und drüber - Foto: Milagro
Chaos pur: Beim Argentinien GP 2016 ging es drunter und drüberFoto: Milagro

Lorenzo ist dagegen

Das es in der Boxengasse immer gefährlich sein wird, darüber sind sich Rossi und Marquez einig. Als Beispiel führen beide die Formel 1 an. "Es ist immer gefährlich, wenn man in der Boxengasse ist. In der Formel 1 machen Fahrern oft Fehler und verletzen Mechaniker", erklärte Rossi. Marquez fügt an: "In der Vergangenheit sind dort viele Unfälle passiert, aber sie haben sich in dieser Hinsicht verbessert." Das muss laut Rossi und Marquez nun auch in der MotoGP passieren. Zum Fall Bautista hat Rossi seine ganz eigene Meinung: "Vielleicht war die Stelle vor Bautistas Box nass oder er ist ein bisschen zu schnell gewesen", mutmaßt Rossi. Die Konsequenz des Yamaha-Piloten ist jedoch dieselbe wie die von Marquez: "In der Boxengasse langsamer zu fahren könnte eine Möglichkeit sein, das Risiko zu verringern."

Wenn sich sogar die Erzfeinde einig sind, klingt eigentlich alles nach Eitel Sonnenschein. Nur einer stellt sich quer: Jorge Lorenzo. "Ich war noch nie ein großer Fan der Flag-to-Flag-Regelung", stellt der amtierende Weltmeister von vorn herein klar. "Für die Zuschauer im TV ist es aber die bessere Lösung, deshalb müssen wir jetzt Kompromisse und Lösungen finden, damit das Risiko geringer wird", schließt sich Lorenzo der Meinung seiner Vorredner an. "Für die Mechaniker, aber vor allem für die Fahrer ist das Flag-to-Flag-System schwer, denn du weißt nie, in welcher Position der Fahrer hinter dir ist. Trotzdem müssen wir uns jetzt darauf konzentrieren, dass Risiko zu senken, denn es scheint ja die Regel der Zukunft zu sein."