Eine etwas merkwürdige Frage zum Einstieg: Sie sind der Managing Director des Frankreich-GP. Aber was exakt ist der Frankreich-GP, denn es ist nicht die Strecke, es ist der Grand Prix, richtig?
Eric Boullier: Es ist ein Event. Ich miete die Strecke - für drei Wochen. Denn so lang brauchst du, um alles aufzubauen und wieder abzubauen. Dann manage ich den Event. Das ist so, als würdest du heiraten. Dann mietest du auch einen Ort, um mit deiner Familie zu feiern. Ich miete die Strecke, bringe sie auf den Standard der Formel 1, organisiere mit der Formel 1 die Logistik, um alles hierher zu bringen und organisiere auch alles drumherum.

Wie schwierig war es, dass dieser Grand Prix eine Woche vorgezogen wurde?
Um eine einfache Antwort zu geben: Ein Formel-1-Event bedeutet, dass 20 Leute das ganze Jahr Vollzeit arbeiten. Diese Woche arbeiten 2400 Leute für mich, um Ihnen die Größe dieses Events zu vermitteln. Wenn du es um eine Woche verschiebst, dann betrifft das alles. Räume, Flüge, Logistik. Ein paar meiner Leute sind auch eigentlich bei anderen Events engagiert, die müssen sich dann erst freimachen. Das war eine Herausforderung.

Frankreich-GP: Neuer Termin kostet keine Zuschauer

Sie waren also nicht auf die Verschiebung aus ...
Es war eine Herausforderung!

Eric Boullier leitet seit seinem Aus als McLaren-Renndirektor die Geschicke des Frankreich-GP - Foto: LAT Images
Eric Boullier leitet seit seinem Aus als McLaren-Renndirektor die Geschicke des Frankreich-GPFoto: LAT Images

Wie schwierig war das für die Zuschauer? Haben Sie da schlechtes Feedback bekommen?
Für die war es genauso. Aber nein. Einige von ihnen waren einfach in einer schwierigen Lage, weil sie ihre Buchungen hatten. Aber wir haben ihnen direkt gesagt, dass wir es erstatten würden. Und wir hatten 18 Prozent, die ihre Tickets erstattet haben wollten. Das haben wir. Dann haben wir die 18 Prozent wieder angeboten und waren wieder ausverkauft.

Wie schwierig war es, die Kapazität zu planen? Die Covid-Situation hat sich ja die ganze Zeit ziemlich schnell verändert.
Um ehrlich zu sein, habe ich die Entscheidung, es auf 15.000 zu begrenzen im Oktober vergangenen Jahres getroffen. Denn ich wusste, dass es im französischen System ein Limit von 1000 bis 5000 gab. Wenn es höher gewesen wäre, wären 15.000 genug gewesen, um weiter hochzugehen. Zu dieser Zeit musste ich mir jedes Szenario vorstellen. Wenn wir von 15.000 auf 5000 hätten kürzen müssen, wäre das auch einfacher gewesen. Deshalb habe ich das strategisch so entschieden. Die Realität war dann wegen Covid und Lockdowns so, dass die Regierung uns vor einem Monat gesagt hat, dass es maximal 5000 sind. Aber weil wir die Strecke in drei Teile, drei Blasen mit je 5000 Zuschauern, teilen können, haben sie gesagt, dass wir dreimal 5000 machen können.

Frankreich fehlen 45.000 Zuschauer für Break Even

Hätten es auch vier oder fünf Blasen sein können?
Nein, drei. Denn die Organisation macht Kopfschmerzen. Du musst die Mobilität um die Strecke herum mit drei Zugangstoren organisieren. Denn sie dürfen sich nie durchmischen. Niemals. Das heißt, dass sie alle ihre eigenen Parkplätze, ihre eigenen Kontrollen, eigenes Sanitär, eigene Tests und alles haben. Alles muss es dreifach geben.

Drei Blasen zu je 5000 Fans machen in Frankreich 15.000 Zuschauer möglich - Foto: LAT Images
Drei Blasen zu je 5000 Fans machen in Frankreich 15.000 Zuschauer möglichFoto: LAT Images

Als Sie mit 15.000 Leuten geplant haben, wie haben Sie es sich vorgestellt, wie dieser Grand Prix finanziell funktioniert?
Wenn du ein Unternehmer bist, dann begrenzt du zuerst deine Ausgaben.

Aber wie können Sie das?
Ich habe das Budget für Operationen, Promotion, Werbung, Aktivitäten und Reisen behalten, um Geld zu sparen. Denn du wusstest, dass dein Umsatz viel geringer sein wird. Dann habe ich mit der Formel 1 über die Renngebühr gesprochen.

Wie laufen da die Gespräche? Was man von der Formel 1 und den beteiligten Parteien hört, planen sie das ganze Jahr mit vollen Antrittsgebühren.
Ja. Das ist Teil der Gespräche.

Wie viele Zuschauer bräuchten Sie, um den Break Even zu erreichen?
60.000.

Was passiert, wenn die Formel 1 bei ihrer Meinung bleibt?
Das kann ich nicht beantworten. Das wird noch verhandelt. Ich gehe jetzt nicht alle Möglichkeiten durch. Ich sage am Ende die Fakten und das war es. Alles andere findet hinter geschlossenen Türen statt. Das kann ich Ihnen nicht sagen.

Frankreich-GP noch mindestens ein Jahr in Le Castellet

Wie ist es mit Unterstützung von der französischen Regierung und der Region? Gibt es die wie in der Vergangenheit?
Ja, das ist ein mehrjähriges Abkommen mit der Lokalregierung, nicht staatlich.

Wie lange läuft der Vertrag noch?
Ein weiteres Jahr.

Sie sagten, Sie mieten die Strecke. Ist es also fix, dass der Frankreich-GP hier in Paul Ricard bleiben wird, solange Sie der Managing Director sind? Oder ist auch Magny-Cours oder etwas anderes möglich?
So lange der Vertrag gilt, den haben wir vor fünf Jahren mit der Formel 1 unterschrieben, sind wir hier in Paul Ricard. Wir bleiben also noch ein weiteres Jahr, dann sehen wir weiter.

Le Castellet: Darum taugt nur eins von 247 Layouts für die Formel 1

Wenn Sie dann einen neuen Vertrag mit der Formel 1 bekommen, könnte es also sein, dass der Frankreich-GP woanders ausgetragen wird?
Theoretisch ja.

Der Circuit Paul Ricard bietet 247 verschiedene Streckenführungen, aber nur eine für die Formel 1 - Foto: LAT Images
Der Circuit Paul Ricard bietet 247 verschiedene Streckenführungen, aber nur eine für die Formel 1Foto: LAT Images

Über die Strecke selbst wurde viel gesprochen, denn es gibt hier so viele mögliche Streckenvarianten. Wir nutzen jetzt zum dritten Mal dieselbe Option. Warum?
Erstens geht es da um die Homologierung. Zweitens, weil wir ein paar Millionen in den Bau von Tribünen investiert haben. Du musst an die Kapazität denken. Wir haben die Schikane, Sainte Baume, Pont und die Gerade. Das sind Schlüsselpunkte für die Zuschauer. Natürlich können wir sagen, dass es 247 verschiedene Streckenvarianten gibt. Aber wenn ich jedes Mal meine Tribünen bewegen muss, muss ich jedes Mal auch Millionen bewegen.

Wer hat die Tribünen gebaut? Der Frankreich Grand Prix oder der Kurs?
Der Frankreich-GP natürlich!