Die Formel 1 steht 2021 vor einer Revolution, mit einem komplett neuen Reglement wollen die Regelhüter der FIA und die Promoter von Liberty Media das Rennfahren wieder einfacher machen, billiger, und optisch ansprechender. Neue Aerodynamik-Regeln, 18-Zoll-Räder und mehr stehen auf der Liste.

Die 18-Zöller geben ihr Debüt aber schon 2020. Nicht in der Formel 1, sondern in der Formel 2 - dort wurden sie am vergangenen Wochenende schon beim finalen Vorsaison-Test eingesetzt. Davon erhofft sich Reifen-Hersteller Pirelli zusätzliche Erkenntnisse für ihren zukünftigen F1-Reifen. Und nicht nur bei den Reifen hilft die Formel 2 der Formel-1-Zukunft, wie Liberty Medias F1-Sportdirektor Ross Brawn erklärt.

Formel 2: Ideales Formel-1-Versuchsfeld

"Die Formel 2 ist definitiv ein einfacheres Umfeld, um etwas auszuprobieren, zu entwickeln und dann zu ändern", so Brawn im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Ich war mir nicht sicher, als ich mit einbezogen wurde, aber ich kann den Wert für die Serie sehen. Die Formel 1 ist ein bisschen anders, aber ich bin mir sicher, dass wir durch sie lernen können."

Mercedes testete im letzten Dezember die F1-Version der 18-Zöller - Foto: Twitter/ Mercedes-AMG Petronas Motorsport
Mercedes testete im letzten Dezember die F1-Version der 18-ZöllerFoto: Twitter/ Mercedes-AMG Petronas Motorsport

Denn näher als die Formel 2 kommt der Formel 1 keine andere Serie. Das liegt nicht unbedingt an der Performance, sondern mehr an den Rahmenbedingungen: Es wird nur auf Formel-1-Strecken gefahren, und die Autos sind so entworfen, dass sie den F2-Fahrern ein möglichst F1-nahes Fahren bieten, schließlich sollen diese Fahrer sich hier ideal auf die Formel 1 vorbereiten. Das bedeutet: Autos mit DRS, mit sich stark abnutzenden Pirelli-Reifen und dergleichen. Gleichzeitig ist die Formel 2 eine Einheits-Serie, in der alle Autos von Dallara und alle Motoren von Mecachrome kommen. Das vereinfacht es, Dinge zu testen und zu vergleichen.

Formel 2 testet Reifen für Formel 1

Beispiel dafür sind die 18-Zoll-Reifen, die die Formel 2 schon 2020 einführt. Ein Jahr vor der Formel 1. Der erste 18-Zoll-Testträger der Formel 2 war schon im Juni 2019 unterwegs, und beim soeben zu Ende gegangenen F2-Test konnten nun alle Fahrer der Serie die neuen Reifen ausprobieren und erstes Feedback geben. "Das ist ein wirklich hilfreicher Schritt", sagt Ross Brawn. "Schon beim ersten Test für die 18-Zöller mit der Formel 2 hat Pirelli eine Menge gelernt. Die 18-Zoll-Tests, die die Formel 1 abgehalten hat, haben darauf aufgebaut."

"Das ist ein perfektes Beispiel dafür, wo es helfen kann", so Brawn zu den 18-Zoll-Rädern. Gespräche gab es auch in anderen technischen Belangen, mit F2-Chassisbauer Dallara bezüglich der 2021er-Regeln für einfacheres Überholen: "Uns wurde klar, als wir das Formel-1-Programm gestartet haben, dass Dallara das bereits in Betracht gezogen hat. Wenn du eine Einheits-Kategorie hast, dann kannst du die Aerodynamik ja kontrollieren. Als wir mit den Leuten von Dallara gesprochen haben, war klar, dass sie nicht die Tiefe wie wir in der Formel 1 bieten konnten, aber sie hatten in Betracht gezogen, welche Art von Aerodynamik sie brauchen, um ein gutes Rennauto zu bauen."

Brawn glaubt weiter an neue Formel-1-Rennformate

Andere Optionen folgen auf dem Fuß: "Ein Bereich, bei dem wir Möglichkeiten sehen, ist das Rennformat." Die Formel 2 fährt am Wochenende zwei Rennen - ein Hauptrennen am Samstag mit Boxenstopps, und ein etwas kürzeres Sprintrennen ohne verpflichtende Stopps am Sonntag, mit Reverse-Grid-Regel: Die ersten zehn Fahrer des Hauptrennens starten in umgekehrter Reihenfolge ins Sprintrennen.

"Das konnte ich noch nicht verkaufen", sagt Brawn. Man erinnere sich an die erste Formel-1-Adaption der Reverse-Grid-Idee aus dem Vorjahr: Der Vorschlag war gewesen, am Samstag ein kurzes Rennen in umgekehrter WM-Reihenfolge zu fahren, welches dann die Startaufstellung für Sonntag festgelegt hätte. Ein Probelauf in der Formel 1 wurde nicht von allen Teams unterstützt, damit blieb die Idee in der Schublade. Vorerst.

Ein anderes Beispiel wären Neustarts nach Safety-Car-Phasen. Fliegend? In Zweierreihen? Gar stehend? "Die Formel 2 ist definitiv ein einfacheres Umfeld, etwas auszuprobieren und zu entwickeln, und dann zu ändern", summiert Brawn. "Und dann das den Leuten in der Formel 1 zu zeigen."

"Denn die Leute in der Formel 1, leider ist das keine autokratische Diktatur - manchmal wünsche ich mir das!", scherzt Brawn. "Es ist ein demokratischer Prozess, du musst jeden, oder zumindest die Mehrheit, davon überzeugen, dass das, was du machst, richtig ist. Erfahrungen aus der Formel 2 zu haben, um etwas demonstrieren zu können, sind zweifelsohne sehr hilfreich dabei."