Barcelona war eine herbe Pleite für Ferrari. Während Mercedes einen überlegenen Doppelsieg einfuhr, landeten Sebastian Vettel und Charles Leclerc auf den Rängen drei und vier. Dabei hatten nach den Testfahrten alle Experten erwartet, dass Ferrari nach vier Mercedes-Doppelsiegen in Folge in Spanien endlich zurückschlagen kann.

Immerhin gab es nach dem GP zwei Testtage, an denen Ferrari noch einmal auf Ursachenforschung gehen konnte. "Die Tests letzte Woche und die Analysen, die wir in Maranello durchgeführt haben, haben bestätigt, wie sehr der diesjährige Reifen - der sich sehr von dem 2018er unterscheidet - andere Dinge vom mechanischen und aerodynamischen Setup benötigt, um richtig zu funktionieren", sagte Teamchef Mattia Binotto vor dem Monaco GP.

Direkt nach der bitteren Niederlage in Barcelona wollte sich Binotto nicht auf eine schnelle Analyse einlassen. War es das Konzept, das Setup oder andere Umstände, die Ferrari so langsam machten?

Ferrari untersucht andere Technik-Konzepte

Nicht wenige glauben, dass Ferrari im falschen Technik-Konzept gefangen ist. Vettel und Leclerc hatten das gesamte Wochenende über mit Untersteuern zu kämpfen. Gleichzeitig verlor Ferrari in den Kurven exorbitant Zeit, während man auf den Geraden gewann.

Kann Ferrari nicht mehr Downforce auf den SF90 packen, weil der Frontflügel der restlichen aerodynamischen Entwicklung nicht schritthalten kann? Schließlich setzt Ferrari auf fast waagrechte Flaps zur Endplatte hin. Dadurch kann zwar der Luftstrom gut um die Vorderreifen gelenkt werden, die restliche Aerodynamik des Autos funktioniert ungestörter, dafür generiert der Frontflügel selbst nicht so viel Abtrieb.

Ferrari setzt beim Frontflügel auf ein anderes Konzept als Mercedes und Red Bull - Foto: Sutton
Ferrari setzt beim Frontflügel auf ein anderes Konzept als Mercedes und Red BullFoto: Sutton

Das führt zu mehreren Problemen: Ferrari hat mit Untersteuern zu kämpfen, hat generell weniger Abtrieb und bekommt gleichzeitig die Reifen nicht so gut zum Arbeiten. Die 2019er Pirelli-Pneus verfügen über eine steifere Karkassen-Konstruktion und brauchen mehr laterale Energie, um auf Temperatur zu kommen.

"Wir arbeiten in Maranello bereits daran, neue Konzepte zu evaluieren", gesteht Teamchef Mattia Binotto inzwischen. Doch eine konzeptionelle Änderung ist komplex, bedarf umfassendere Umbaumaßnahmen als nur am Frontflügel. Von einem auf das andere Rennen ist das nicht möglich.

Der Ferrari SF90 eine Fehlkonstruktion? So weit will Sebastian Vettel nicht gehen. "Es gibt noch viele Autos hinter uns - dann sind die alle Fehlkonstruktionen. Unser Auto ist gut, aber Mercedes ist schneller. Die Euphorie ist seit dem Saisonstart weniger geworden, Ernüchterung ist eingekehrt. Aber die Stimmung im Team ist noch immer gut. Wir haben viel Arbeit vor uns, so etwas passiert nicht über Nacht."

Monaco-Upgrades als Quick-Fix für Ferrari

Stillstand bedeutet das vorerst trotzdem nicht. "Wir bringen hier auch weitere Updates", verspricht Binotto. Die einzigartige Charakteristik in Monaco könnte Ferrari helfen. "Es ist ein ganz anderes Rennen, die Charakteristik kann das Kräfteverhältnis dieses Wochenende durcheinanderbringen."

Sebastian Vettel pflichtet bei: "Natürlich hatten wir in langsamen Kurven Probleme, aber Monaco hat seine eigenen Gesetze. Diese Strecke ist einzigartig, deshalb sind Form und Theorie irrelevant."

Tatsächlich gibt es für Ferrari ein wenig Resthoffnung: Die meisten Kurven in Monaco sind so langsam, dass die Aerodynamik teilweise nicht so stark zum Tragen kommt. Der kürzere Radstand könnte Ferrari gegen Mercedes helfen. Dazu spielen auch noch die Fahrzeugkinematik und das mechanische Setup eine große Rolle.