Lange wurde spekuliert, jetzt scheinen die Würfel gefallen zu sein: Die Formel 1 steht Medienberichten zufolge unmittelbar vor dem Verkauf an das US-amerikanischen Unternehmen Liberty Media. Wie auto, motor und sport berichtet, soll am Dienstag nach dem Italien GP die erste Rate in Höhe von angeblich 8,5 Milliarden Dollar überwiesen werden.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone bestätigte auf Anfrage, dass der Deal in der kommenden Woche abgewickelt wird. Zum Verkauf stehen die Anteile von Hauptaktionär CVC Capitals (35,1 Prozent), aber auch einiger anderer Besitzer. Der zweitgrößte Anteilseigner der Königsklasse ist Waddell & Reed mit 20,9 Prozent. Ecclestone selbst besitzt 5,3 Prozent, sein Bambino Trust hält 8,5 Prozent der Anteile.

Ecclestones Zukunft unklar

Die Übernahme soll in zwei Schritten erfolgen, an deren Ende der Börsengang der Formel 1 in New York steht. Bereits in der Vergangenheit gab es immer wieder Pläne, die Rennserie in Singapur an die Börse zu bringen, zur Umsetzung kam es allerdings nie.

Bernie Ecclestones Zukunft ist unklar - Foto: Sutton
Bernie Ecclestones Zukunft ist unklarFoto: Sutton

Wie es mit Ecclestone weitergeht, ist indessen unklar. "Ich tue, was ich immer getan habe. Es ist meine Entscheidung, welche Rolle ich einnehme", ließ der 85-Jährige offen, ob er der Formel 1 weiterhin vorstehen wird. Der Brite führt die Rennserie seit Ende der 70er-Jahre, als er die TV- und Vermarktungsrechte gekauft hatte.

Beim Verkauf der Formel 1 vor gut zehn Jahren an die Investmentgesellschaft CVC hatte diese Ecclestone als Geschäftsführer für die Rennserie im Amt gelassen. Noch immer ist Ecclestone auch der Entscheider, wenn es um den Verbleib von Rennstrecken im Kalender geht oder neue hinzukommen sollen. Als möglicher Nachfolger Ecclestones wird Alejandro Agag gehandelt, der momentan der Elektrorennserie Formel E vorsteht.

Kritik daran, dass die Übernahmepläne an die Öffentlichkeit kamen, äußerte am Samstag Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. "Wenn es im Hintergrund einen Prozess gibt, dann sollte der so gehandhabt werden, wie man ihn handhaben sollte: und das ist nicht, es öffentlich zu machen oder in großer Gruppe zu besprechen", so der Österreicher, der eigenen Angaben zufolge über keine weiteren Details zum sich anbahnenden Deal verfügt.

Das ist Libery Media

Die Liberty Media Corporation ist ein amerikanisches Medienunternehmen, welches sich mehrheitlich im Besitz von John Malone befindet. Es hält Beteiligungen an Fernsehsendern, Zeitungen und Filmstudios. Zum Portfolio zählen der unter anderem in Österreich und der Schweiz operierende Kabelnetzbetreiber UPC, der Shoppingsender QVC sowie das Online-Reisebüro Expedia. Darüber hinaus hält Liberty eine Minderheitsbeteiligung am Medienunternehmen Time Warner.

Das Unternehmen ist börsennotiert, wobei die Aktie des Geschäftsbereiches Liberty Interactive Group Mitglied im NASDAQ-100 ist. Malones Ziel besteht dem Vernehmen nach darin, die Vermarktung der Formel 1 zu reformieren. Künftig sollen die Bewegtbildrechte die Haupteinnahmequelle darstellen, um dadurch die Veranstalter der Rennen zu entlasten.