Gerade hat Stoffel Vandoorne drei Rennwochenenden vor dem Saisonende den Meistertitel in der GP2-Saison 2015 vorzeitig perfekt gemacht, da erfährt er es aus den Medien: 2016 wird er zu McLaren in die Formel 1 befördert. Ein großartige Gelegenheit für das belgische Top-Talent. Sollte man meinen.

Doch es handelt sich 'nur' um ein Engagement als Reservefahrer. "Es war ein schwieriger Moment, weil ich hart um einen Einsatzplatz gekämpft habe. Ich war in der GP2 vorne, habe mehr oder weniger alles richtig gemacht und in Russland die Meisterschaft gewonnen. Es war eine Enttäuschung", erinnert sich Vandoorne.

Allerdings habe er die Entscheidung schnell akzeptiert und verarbeitet. "Dann wollte ich einfach sicherstellen, dass ich weiter gewinne. Was ich in der GP2 mit zwei Siegen in Bahrain und Abu Dhabi geschafft habe - als Beweis, dass ich noch immer die beste Wahl bin", sagt Vandoorne. Am Ende steht er in der Meisterschaftstabelle des F1-Unterbaus mit fast doppelt so vielen Punkten an der Spitze wie sein erster Verfolger.

Wie es für Vandoorne weitergeht? Nicht nur auf der Reservebank: Um weiter Rennerfahrung zu sammeln, hat sich der Youngster mit Unterstützung von McLarens Motorenpartner Honda einen Startplatz für die Saison 2016 in der japanischen Super Formula gesichert. Dort fährt er gleich in seinem ersten Rennen in Suzuka auf das Podium.

Stoffel Vandoorne: Volle Attacke in der Super Formula: (03:35 Min.)

Vandoornes besonderes Talent als schlagendes Cockpit-Argument

Wenige Wochen zuvor war Vandoorne bereits in einer halben Nacht-und Nebelaktion von einem Test in Japan nach Bahrain gejettet, um für den verletzten F1-Stammfahrer Fernando Alonso einzuspringen. Trotz aller Strapazen holte Vandoorne als Zehnter die ersten WM-Punkte des Jahres für McLaren.

"Das war eine sehr extreme Version, weil ich vorher den Mittwoch noch in Japan gefahren bin und dann den Freitag direkt in Bahrain. Das hat sich etwas strange angefühlt, ist aber normal wenn du aus der Super Formula in ein F1-Auto steigst", erinnert sich Vandoorne. "Es war aber nicht so schwierig, um ehrlich zu sein. Ich war schon früher immer gut darin, von einem Kart ins andere zu wechseln und direkt wettbewerbsfähig zu sein", ergänzt der Belgier.

In Bahrain fuhr Vandoorne sofort in die Punkte - Foto: Sutton
In Bahrain fuhr Vandoorne sofort in die PunkteFoto: Sutton

Nach Bahrain: Komplimente und Angebote für Vandoorne

"Ich habe schnell ein normales Gefühl zurückbekommen und mich für das Wochenende gut gefühlt", sagt Vandoorne. Er habe viele Komplimente aus dem Paddock dafür bekommen, aber ein Stammcockpit - trotz Interesses auch anderer Teams neben McLaren, so Vandoorne - ist in der F1 für den Belgier noch immer nicht in trockenen Tüchern.

"Aber ich pushe hart, um meinen Platz in der F1 zu bekommen", stellt der Belgier klar. "Ich bin happy mit McLaren und hoffe, nächstes Jahr mit ihnen im Grid zu sein." Bei seinem Japan-Debüt drei Wochen später hat er als Dritter jedenfalls gleich einmal in seinem ersten Rennen überzeugt und das nächste Argument für eine Stoffelisierung McLarens geliefert. "Das war für sie aber nur eine Bestätigung, das ich es kann. Das Team hat schon immer an meine Fähigkeiten geglaubt", sagt Vandoorne.

Damit nicht genug. Das Hin-und-Her zwischen Super Formula und Formel 1 (in Barcelona testete Vandoorne unter der Woche den McLaren MP4-31) könnte sich für den Belgier als weiteres Top-Argument für ein Engagement in der F1 2017 erweisen. Warum?

Vandoorne im Einsatz für McLaren bei den Barcelona-Testfahrten - Foto: Sutton
Vandoorne im Einsatz für McLaren bei den Barcelona-TestfahrtenFoto: Sutton

Neue F1-Regeln 2017 als Karriereturbo für Vandoorne

Erstens, weil Vandoorne der Super Formula sogar höhere Kurvengeschwindigkeiten attestiert als der Formel 1 und sich die Königsklasse mit den Reglementsänderungen 2017 in genau diese Richtung bewegt. Zweitens, weil Vandoorne eben so gut darin ist, Rennautos zu wechseln und sofort auf Speed zu kommen.

Wird dieses Chamäleon-Talent zum Karriereturbo für den Youngster? "Es ist für mich auf jeden Fall eine gute Sache, das zu können", sagt Vandoorne auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. "In Japan ein Auto mit so viel Downforce gehabt zu haben ist bestimmt eine gute Sache, weil es so aussieht, als würden die Veränderungen in der F1 in diese Richtung gehen. Es ist auf jeden Fall nicht schlecht für mich"

Ausreichend Argumente für Vandoorne gibt es also. Genug Selbstvertrauen für die F1 hat er sowieso: "Ich hatte da keine Zweifel! (dass er es drauf hat, Anm. d. Redaktion)" Noch eine Kostprobe gefällig? Kein Problem. Hier ein paar Episoden aus einer Medienrunde mit Vandoorne am Rande des Russland GP, bei der auch Motorsport-Magazin.com dabei war:

"Stoffel, erinnerst du dich an deinen letzten Fehler?"
Vandoorne: "Am Anfang der Testfahrten bin ich gecrasht in Suzuka."
"Im Rennen meine ich ..."
Vandoorne: "Keine Ahnung. Ich bin lange nicht gecrasht."
"Aber gedreht?"
Vandoorne: "Vielleicht 2013 in der World Series."

"Würdest du in der F1 lieber direkt mit einem Top-Team starten oder mit einem, das um Punkte kämpft? Was wäre besser?"
Vandoorne: "Was denkst du denn? Top-Team natürlich!"
"Aber langfristig gesehen: Was hilft mehr - vielleicht ist es in kleinem Team mit weniger Druck einfacher, für die ganze Karriere zu lernen ..."
Vandoorne: "Vielleicht ist in einem kleinen Team weniger Druck. Aber ein großes Team gibt dir dafür eine große Gelegenheit. Wenn du als Rookie in ein Top-Team kommst, fährst du normalerweise direkt gegen einen Champion oder Top-Fahrer. Wenn du neben dem einen tollen Job machst, dann kann das deine Karriere sofort ankurbeln und dir Reputation verschaffen. Ich glaube an meine Fähigkeiten. Noch mehr nach meinem GP mit Mclaren, der gut gelaufen ist. Ich setzte mich immer voll dafür ein, an der Spitze zu sein!"

"Es wäre also kein Problem für dich gegen jemanden wie Fernando (Alonso) zu fahren?"
Vandoorne: "Nö!"