Für Force India sind die ersten vier Tage in Barcelona eine Besonderheit. Denn anders als noch im letzten Jahr ist das britisch-indische Team rechtzeitig zur ersten Testfahrt mit dem neuen Auto dabei. 2015, als es jedoch noch zwölf Testtage gab, musste Force India die erste Woche in Jerez sausen lassen. Entsprechend schwierig gestaltete sich der Saisonstart. Ab Silverstone jedoch kam eine völlig überarbeitete Version des VJM08 zum Einsatz und verhalf dem Team zu Platz fünf in der Konstrukteurs-WM und damit zum besten Resultat in der Teamgeschichte.

Kuriose Aerodynamik wird beibehalten

Auffällig an der überarbeiteten Version war vor allem die Nase, in die zwei große Löcher eingebaut waren. Beim neuen VJM09, der 2016 an die Erfolge anknüpfen soll, wurde die Optik beibehalten. Allgemein basiert der neue Bolide zu großen Teilen auf dem Vorgängermodell. "Wir sind dabei geblieben, das Auto ist eine Evolution der B-Version. Das Auto hat funktioniert. Da hat es keinen Sinn gemacht, die Aerodynamik-Philosophie zu ändern, wenn es funktioniert hat", erklärte Geschäftsführer Otmar Szafnauer gegenüber Motorsport-Magazin.com.

Der neue Force India erinnert stark an die B-Version aus dem Vorjahr - Foto: Force India
Der neue Force India erinnert stark an die B-Version aus dem VorjahrFoto: Force India

Für die kommenden Wochen inklusive der zweiten Testfahrten in Barcelona kündigt Szafnauer bereits weitere Updates an. "Du musst immer versuchen, möglichst lange im Windtunnel zu sein und die Teile dann ganz am Ende ans Auto zu bringen. Beim nächsten Test werden wir weitere Teile dabei haben. Es kommen neue, aber heute und die ersten Tage gucken wir sowieso nicht auf die Performance", stellte er klar.

Hülkenberg: Es gibt große Unterschiede

Nico Hülkenberg widerspricht seinem Chef da ein wenig. Für ihn sind die Unterschiede am Auto schon jetzt gravierend - nur halt nicht auf den ersten Blick. "Es ist sehr anders, aber man wird es nicht sehen. Sie haben einen guten Job gemacht und es kommen noch andere Teile, je mehr wir uns Melbourne nähern", lobt der Deutsche die Arbeit der Ingenieure. "Das Auto dieses Jahr ist definitiv neu. Wenn man genau hinsieht, werden sich einige große Veränderungen zeigen. Und wie gesagt, es wird noch mehr kommen."

Am ersten Tag in Barcelona hatten sowohl Hülkenberg, als auch Teamkollege Sergio Perez noch Zeit zur Vorbereitung. Der junge Mexikaner Alfonso Celis durfte das Steuer übernehmen und landete mit 58 absolvierten Runden im Mittelfeld. Am Dienstag dann spult mit Perez erstmals einer der beiden Stammpiloten das Programm ab. Perez sprach bereits von einem ruhigen Winter, da es bei Force India keine Negativschlagzeilen gab - zumindest fast.

Die Saisonziele von Hülkenberg und Perez: (03:16 Min.)

Anteilseigner und Co-Namensgeber Sahara möchte seine Beteiligung am Team wohl aufgeben, da das Unternehmen seit der Inhaftierung des Vorsitzenden Subrata Roy Geldprobleme hat. "Was ich weiß, ist, dass die Sahara Group das Gericht gefragt hat, ob sie in der Lage sind, ihre Anteile und andere Dinge zu verkaufen. Es war eine Liste an Dingen wie Hotels, Grundstücke...", gibt sich Szafnauer bedeckt.

Abseits dieser Berichte scheint bei Force India dennoch Ruhe eingekehrt zu sein. Ein Umstand, der sich gerne auf der Strecke bezahlt machen soll. "Aber wenn sich die Regeln nicht ändern, ist es schwierig, noch etwas zu finden. Es wird immer schwieriger den nächsten Schritt zu gehen. Wir sind da nah am Ende gewesen", relativiert Szafnauer mit Blick auf die Fortschritte im vergangenen Jahr. "Wir waren in Abu Dhabi schon sehr schnell, aber wir haben noch was im Windtunnel gefunden", gibt er sich geheimnisvoll.

Platz fünf in der WM zu verteidigen sei zwar das Ziel, aber bei Weitem keine Selbstverständlichkeit. "Wenn wir diese Saison da anfangen, wo wir die letzte beenden haben, dann haben wir eine gute Chance, es zu verteidigen. Es kommt aber auf deine Wettbewerber an", blickt Szafnauer gebannt auf die Konkurrenz. Da hat er vor allem Toro Rosso auf der Rechnung, aber auch bei Haas und Renault will er Überraschungen nicht ausschließen. Dennoch: "Wir können ja nicht sagen, die Vorgabe ist, schlechter zu sein als letztes Jahr. Das kann es nicht sein. Deshalb wäre ein gutes Ziel Vierter zu werden."