"Ich glaube es war ein Riesenschritt", meint Sebastian Vettel rückblickend auf den 8. Oktober 2000, als Michael Schumacher in Suzuka seine erste Weltmeisterschaft für Ferrari feierte. Es war der Beginn einer unvergleichlichen Siegesserie. In den Jahren 2001, 2002, 2003 und 2004 sollten acht weitere Weltmeistertitel für Schumacher und Ferrari folgen.

Vettel tritt in große Fußstapfen

Sebastian Vettel ist der Formel-1-Pilot, der dieser Serie noch am nächsten kam. Er ist auch derjenige, der die Geschichte mit Ferrari wiederholen will. Dabei ist es gar nicht so sehr der Japan GP 2000, der dem Heppenheimer in Erinnerung geblieben ist. "1998 hatte ich meinen ersten lackierten Helm", erinnert sich Vettel mit Motorsport-Magazin.com zurück. "Den hat Michael gesehen und fand ihn gut."

Vettel will Schumachers Erfolge mit Ferrari wiederholen - Foto: Sutton
Vettel will Schumachers Erfolge mit Ferrari wiederholenFoto: Sutton

Der Ausgang des WM-Finales 1998 ist bekannt: Erst ging Schumacher auf Pole Position stehend der Motor aus, die anschließende Aufholjagd beendete ein Reifenplatzer. "Seitdem hatte er nie wieder einen chromfarbenen Helm", verrät Vettel.

2000 - ohne Chrom-Helm - klappte es dann endlich mit dem ersten Titel in Rot. Michael Schumacher schenkte diesem Titel sogar mehr Bedeutung als seinem ersten für Benetton. Der Mythos Ferrari hatte ihn da bereits voll gepackt.

Rückblick: Australien-Sieg als Grundstein

Vor 15 Jahren musste es einfach mit dem Titel klappen. 1996, in seiner ersten Saison war der Ferrari schlichtweg zu langsam. Immerhin respektable drei Siege sprangen heraus - wie bislang auch bei Vettel. 1997 verlor Schumacher den Titel mit seinem umstrittenen Manöver gegen Jacques Villeneuve in Jerez. 1998 war der Chrom-Helm schuld, 1999 beendete sein Beinbruch alle Hoffnungen.

Der Druck aus Maranello, aber auch der Druck, den Schumacher sich selbst machte, war enorm. Der Grundstein für den Erfolg wurde am Anfang gelegt. Zum ersten Mal überhaupt konnte er den Australien GP gewinnen. Big Points, weil die Hauptkonkurrenten um den Titel, Mika Häkkinen und David Coulthard, mit Motorschaden ausfielen.

"Ihr Schlüssel war, dass sie die Formel 1 zuverlässiger gemacht haben. Sie hatten ein zuverlässigeres Auto als McLaren und alle anderen hatten unzuverlässige Autos. Es war nicht nur schnell, sondern auch zuverlässig", erinnert sich David Coulthard bei Motorsport-Magazin.com zurück.

Schumacher gewann auch die nächsten beiden Rennen in Brasilien und San Marino. Nach Platz drei beim Großbritannien GP und einem unglücklichen Boxenstopp beim Spanien GP und dem anschließenden fünften Rang holte er sich den ersten Sieg mit Ferrari auf deutschem Boden.

Beim Auftakt in Melbourne holte sich Schumacher den Sieg - Foto: Sutton
Beim Auftakt in Melbourne holte sich Schumacher den SiegFoto: Sutton

Ernüchterung im Sommer

In Monaco hätte der Kerpener seinen Vorsprung noch deutlich ausbauen können. Ein gebrochener Auspuff verursachte allerdings in Führung liegend einen Aufhängungsschaden - das Aus. Doch Rückschläge sollten noch einige kommen in diesem Sommer.

Nach seinem Sieg beim Kanada GP ging es zurück nach Europa. Beim Frankreich GP fiel Michael Schumacher wegen eines Motorschadens aus. Die Saisonläufe zehn und elf verliefen besonders bitter für den Ferrari-Piloten: In Spielberg und Hockenheim war jeweils in Kurve eins Schluss. Zwei Kollisionen beendeten seine Rennen in den österreichischen und deutschen Kiesbetten.

Das Problem: McLaren hatte inzwischen aufgeholt. Auf manchen Strecken war der MP4/15 deutlich schneller als de F1-2000. In Ungarn war Schumacher chancenlos gegen Häkkinen, in Belgien ebenso. Nur wegen Häkkinens Dreher konnte Schumacher überhaupt in Führung gehen. Mit dem bekannten Überholmanöver auf der Kemmel-Geraden stellte der Finne die Rangordnung aber schnell wieder klar.

In Italien zog Schumacher mit Senna gleich - Foto: Sutton
In Italien zog Schumacher mit Senna gleichFoto: Sutton

Der 41. Sieg beim Heimrennen

Der Sieg beim Ferrari-Heimspiel war dafür umso emotionaler. Ferrari hatte wieder ein konkurrenzfähiges Auto. Und nicht nur das: Für Schumacher war es der 41. Karriereerfolg. Damit zog er mit Ayrton Senna gleich. Ein weiterer Meilenstein in Schumachers unfassbarer Karriere.

Weil Häkkinen bei Schumachers Sieg beim USA Grand Prix in Indianapolis mit Motorschaden ausschied, hatte der Kerpener schon beim vorletzten Rennen in Suzuka einen Matchball. Schumacher verwandelte denkbar knapp. Die Strategie von Ross Brawn und seine überragende Umsetzung brachten ihn vor seinen Konkurrenten und somit zum ersten Ferrari-Titel. Der Rest ist Motorsportgeschichte.

"Eine solche Serie kann man sich heute nicht mehr vorstellen", mein Coulthard und fügt anerkennend hinzu: "Er hat gewonnen, aber nicht mit einem solchen Auto-Vorteil, wie wir ihn von Mercedes heute sehen."

Übrigens fuhr Schumacher 2000 mit keinem Chrom-Helm, dafür etablierte er aber seinen legendären roten Helm. Zuvor war sein Helm stets mit einem blauen Kranz an der Oberseite lackiert, während der Titel-Saison wechselte er erst auf das markante rote Dach, das er auch bei seinem Comeback mit Mercedes noch auf dem Helm hatte.