Jens Marquardt bekleidet künftig nicht mehr den Posten des Motorsport Direktors der BMW Group. Seinen Abschied zum 01. November 2020 gab der Autobauer aus München an diesem Freitag in einer Pressemitteilung bekannt. Marquardt wird noch die abschließenden Saisonrennen mit BMW-Beteiligung begleiten, bevor er eine andere Position im Unternehmen übernimmt.

Wie BMW mitteilte, übernimmt Marquardt die Leitung des rund 700 Mitarbeiter starken Pilotwerks für den Prototypenbau der Serienmodelle der BMW Group.

Kommissarischer Nachfolger der BMW Group Motorsport wird Markus Flasch, seit Oktober 2018 Geschäftsführer der BMW M GmbH. Wer langfristig die Motorsportgeschicke von BMW leiten soll, ist noch nicht bekannt. Flasch wechselte 2015 von Zulieferer Magna zu BMW und war unter anderem als Vice President für das Qualitätsmanagement der Luxusklassen zuständig.

Gleichzeitig teilte BMW mit, dass die Engagements in der Formel E sowie in der US-amerikanischen IMSA-Serie fortgesetzt werden. Aus der DTM unter dem Class-1-Reglement hatte sich BMW in Folge der Audi-Ankündigung, das Engagement nicht über 2020 hinaus zu verlängern, ebenfalls verabschiedet.

Jens Marquardt mit FIA-Präsident Jean Todt bei der Formel E - Foto: BMW Motorsport
Jens Marquardt mit FIA-Präsident Jean Todt bei der Formel EFoto: BMW Motorsport

Marquardt: Freue mich auf neue Herausforderung

"Die vergangenen zehn Jahre werden für mich immer mit emotionalen Erinnerungen verbunden sein", sagt Marquardt. "Ich durfte gemeinsam mit einer außergewöhnlichen Mannschaft alle Höhen und Tiefen im Motorsport erleben. Der Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring war ein krönender Abschluss dieser aufregenden Zeit. Für all diese Erinnerungen bin ich der BMW Group und der gesamten Motorsport-Familie sehr dankbar. Nach 25 Jahren im Motorsport freue mich sehr auf meine neue Herausforderung."

Marquardt hatte am 30. Juni 2011 den Posten des BMW-Motorsportchefs als Nachfolger von Dr. Mario Theissen angetreten, der diese Position zwölf Jahre lang ununterbrochen innehatte. Unter Marquardt kehrte BMW 2012 in die DTM zurück und gewann im ersten Jahr die Meisterschaft mit Bruno Spengler.

In den Jahren 2014 und zuletzt 2016 holte Marco Wittmann den Titel nach München. In der Class-1-Ära seit 2019 war BMW der Konkurrenz von Audi fast durchgängig deutlich unterlegen. Mit dem Turbo-BMW M4 gelang kein Meisterschaftserfolg.

Nürburgring-Sieg zum Abschied

Das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gewann BMW in diesem Jahr mit ROWE Racing und damit erstmals unter Marquardts Führung. Der zuvor letzte der insgesamt 20 Gesamtsiege datiert auf das Jahr 2010, als Schnitzer Motorsport in der Eifel siegreich war.

Erfolgreicher war BMW beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps unterwegs. In den Jahren 2015, 2016 und 2018 gewann ein BMW-Team den Ardennen-Klassiker, der am nächsten Wochenende auf dem Programm steht. 2019 und Anfang 2020 gewann BMW zudem das 24-Stunden-Rennen von Daytona in der GTE-Klasse auf dem wichtigen US-amerikanischen Markt.

Früher zusammen bei Toyota in der Formel 1, dann in der DTM: Jens Marquardt und Dieter Gass - Foto: LAT Images
Früher zusammen bei Toyota in der Formel 1, dann in der DTM: Jens Marquardt und Dieter GassFoto: LAT Images

Kritik für Le-Mans-Engagement

Kritik erhielten BMW und Marquardt als Motorsportverantwortlicher vor allem für das Werksengagement in der Langstrecken-Weltmeisterschaft. Mit dem BMW M8 GTE traten die Münchner 2018 und 2019 nur zweimal in der WEC und bei den 24 Stunden von Le Mans an, bevor das kostspielige Projekt eingestellt wurde. Der M8 GTE wurde weiter in der IMSA-Rennserie eingesetzt.

Frank Weber, Mitglied des Vorstands der BMW AG, verantwortlich für Entwicklung: "Seit 2011 verantwortet Jens Marquardt unser Motorsport-Engagement. In dieser Zeit haben wir viele große Erfolge erzielt: die DTM-Titel in den Jahren 2012, 2014 und 2016, diverse Gesamt- und Klassensiege bei Langstreckenklassikern in Daytona, Spa oder jüngst beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring. Dafür möchte ich Jens Marquardt und seinem Team ganz herzlich danken. Die Leitung des Pilotwerks für den Prototypenbau ist eine neuralgische Funktion in der Entwicklung. Mit der agilen Arbeitsweise und den Erfahrungen aus dem Motorsport wird Jens Marquardt hier neue Akzente setzen."