Kurzer Zwischenstopp in Monaco, Klamotten wechseln, packen, und wieder ab zum Flughafen: Für Maro Engel ist der Winter derzeit alles andere als langweilig. Am vergangenen Wochenende ging der 31-Jährige für Mercedes bei den 24 Stunden von Daytona an den Start, jetzt geht es direkt weiter nach Bathurst, wo am kommenden Wochenende das legendäre 12-Stunden-Rennen ansteht.

Dabei steht die größte Aufgabe in diesem Jahr noch bevor. Engel kehrt nach fünfjähriger Pause in die DTM zurück. Mit der Tourenwagenserie, in der er von 2008 bis 2011 fuhr, hat er noch eine Rechnung offen.

Ziel 2017: Endlich aufs Podest

"Es war schon immer mein Ziel gewesen, mit einem aktuellen DTM-Auto und für HWA anzutreten", sagte Engel, als ihn Motorsport-Magazin.com am Dienstag in seiner monegassischen Heimat am Telefon erwischte. "Schön, dass es jetzt geklappt hat. Damals mit dem Jahreswagen habe ich zwar gepunktet, aber für einen Podestplatz hat es nie gereicht. Das Ziel lautet bei meiner Rückkehr also, das in der Saison 2017 zu ändern."

Engels erste Zeit in der DTM verlief mittelmäßig, wenn man allein die Punkteausbeute betrachtet. Zu Buche steht ein sechster Platz 2009 in Hockenheim als bestes Ergebnis aus 42 Rennen. Aber: Der gebürtige Münchner kämpfte in all den Jahren mit stark unterlegenem Material. Im Jahreswagen von Mücke musste er sich gegen aktuelle Modelle aus den eigenen Reihen und von der Konkurrenz zur Wehr setzen. Immerhin setzte er sich in den Teamduellen gegen Piloten wie David Coulthard regelmäßig durch.

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Rückkehr mit anderen Voraussetzungen

Jetzt kehrt Engel, in den vergangenen Jahren erfolgreich für Mercedes im GT-Sport unterwegs, unter anderen Voraussetzungen zurück. Die Zeit der Jahreswagen ist längst abgelaufen, in der DTM kämpfen die Piloten mit gleichwertigem Material. Im Zuge der Fahrerfeldverkleinerung hat Mercedes zudem auch bei den Einsatzteams gekürzt. Ab sofort werden die sechs Fahrer komplett vom Rekordmeister-Team HWA betreut. Erstmals tritt Engel also mit gleichen Chancen in der Tourenwagenserie an.

Dass Engel überhaupt in die DTM zurückkehrte, verwunderte unterdessen zahlreiche Beobachter. Viele hatten ihr Geld auf Felix Rosenqvist gesetzt, der in der vergangenen Saison für den in die Formel 1 gewechselten Esteban Ocon eingesprungen war. Rosenqvist und Engel bildeten zuvor das Ersatzfahrer-Duo bei den Stuttgartern. Der Schwede hat in der Formel E allerdings gewisse Chancen, auf Anhieb um den Titel mitzufahren. Angesichts von zwei Terminüberschneidungen zwischen Formel E und DTM entschied Mercedes letztendlich, dass sich Rosenqvist voll auf die Elektro-Serie konzentrieren soll.

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Warum nicht Rosenqvist?

Auch Engel startet in dieser Saison erstmals in der Formel E. Zwar konnte er beim Auftakt in China punkten, doch mit seinem vergleichsweise kleinen Venturi-Team werden ihm keine allzu großen Meisterschaftschancen eingeräumt. Engel wird bei den Überschneidungen am Lausitzring und Norisring seinen Fokus auf die DTM legen, Venturi muss einen Ersatzmann finden.

"Der eine oder andere war auch ein wenig überrascht", sagte Engel mit Blick auf die DTM-Rückkehr. "Es ist durchaus auch ein gutes Gefühl, dass wir mit dieser Nachricht einige Leute überraschen konnten. Die DTM ist eine große Herausforderung. Seit meinem letzten DTM-Rennen hat sich die Rennserie weiterentwickelt. Die Arbeitsweise ist noch professioneller geworden und jedes Detail wurde verbessert."

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Erinnerungen an Mortara

Bei Mercedes trifft Engel auf einige vertraute Gesichter. Mit Gary Paffett und Paul Di Resta fuhr er damals zusammen für Mercedes im Kader. Früher Gegner, heute Teamkollege: Edoardo Morata. Der Italo-Schweizer gab 2011 sein Debüt - Engels vorerst letztem Jahr in der DTM. In jener Saison rasselten die beiden - Mortara noch im Audi - gleich mehrmals auf der Strecke aneinander. Später trafen sich Engel und Mortara zu echten GT-Klassikern auf dem chinesischen Stadtkurs von Macau wieder.

"Mit Edoardo habe ich mir schon viele Duelle in Macau geliefert", sagte Engel. "Entsprechend freue ich mich natürlich darauf, diese Zweikämpfe in der DTM fortzuführen. Aber am Ende des Tages ziehen wir an einem Strang, da wir nun als Teamkollegen für Mercedes-AMG antreten. Das steht an erster Stelle. Es gibt aber noch einige andere Jungs, die ich noch sehr gut kenne, zum Beispiel Bruno Spengler und Matthias Ekström. Mit beiden geht es immer gut zur Sache und bisher sind die Duelle gegen sie für mich auch immer sehr positiv verlaufen."