Marco Wittmann hat das erste Rennen am Nürburgring in souveräner Art und Weise für sich entschieden. Der BMW-Pilot fuhr vom Start weg ungefährdet zum Sieg. Dahinter hielt Tom Blomqvist die Konkurrenz in Schach und machte nebenbei den Doppelsieg für BMW perfekt. Robert Wickens kassierte mit Rang neun eine derbe Klatsche und verlor den Anschluss an Wittmann im Kampf um den Titel.

Die Startaufstellung: Pole für Lucas Auer - doch der Österreicher ging nur von Startplatz sechs ins Rennen. Aufgrund der dritten Verwarnung, die sich Auer in Moskau einfing, erhielt er eine Strafe von fünf Startplätzen. Die Pole erbte daher der Gesamtführende Marco Wittmann vor Tom Blomqvist. Die beiden Audi-Eisen, die noch im Meisterschaftskampf verblieben sind - Jamie Green und Edoardo Mortara - bildeten Startreihe zwei. Daniel Juncadella und erwähnter Auer belegten die Plätze fünf und sechs. Felix Rosenqvist fuhr in seinem erst dritten Qualifying auf einen starken siebten Platz. Große Enttäuschung dagegen bei Robert Wickens: Der Kanadier, erster Verfolger von Wittmann, musste sich mit Rang 13 zufrieden geben.

Lucas Auer fuhr eigentlich auf Pole - er startete jedoch von Rang sechs - Foto: DTM
Lucas Auer fuhr eigentlich auf Pole - er startete jedoch von Rang sechsFoto: DTM

Die Performance-Gewichte: BMW und Mercedes erhielten aufgrund ihrer starken Leistungen jeweils eine Zuladung von 2,5 Kilogramm. Audi dagegen durfte die Boliden um dieselbe Zahl entlasten. Mercedes ging damit mit 1.130 Kilo pro Auto an den Start, BMW folgte mit 1.117,5 Kilo, Audi brachte 1.115 Kilo auf die Waage.

Der Start: Kein Chaos am Start! Alle Fahrer kamen problemlos durch die ersten Kurven. Marco Wittmann verteidigte seine Führung vor Tom Blomqvist. Daniel Juncadella kam hervorragend weg und schob sich kurzzeitig auf Rang drei, ehe Jamie Green sich die Position zurückholte. Auch Edoardo Mortara schob sich wieder auf Platz vier. Robert Wickens fand sich nach der ersten Runde bereits unter den Top 10 wieder.

Der Rennverlauf: Der König und sein Bodyguard: Wittmann kontrollierte das Geschehen in der Anfangsphase und konnte sich der Unterstützung seines Markenkollegen Blomqvist sicher sein. Green drängte dahinter, fand jedoch keinen Weg vorbei. Die Aufholjagd von Wickens stockte auf Rang zehn liegend, er verlor den Anschluss auf die vor ihm platzierten.

Tom Blomqvist schirmte Marco Wittmann gegen die Konkurrenz ab - Foto: Audi
Tom Blomqvist schirmte Marco Wittmann gegen die Konkurrenz abFoto: Audi

Das Geschehen lief in den ersten Runden ohne besondere Vorkommnisse ab. In Runde 6 verkündete die Rennleitung dann eine Untersuchung gegen Robert Wickens, weil dieser einen unsicheren Start in der Einführungsrunde gezeigt haben soll. Eine Entscheidung dessen erfolgte jedoch erst nach dem Rennen. Sportlich konnte Wickens überhaupt nicht mithalten, er verlor pro Runde mehr als eine halbe Sekunde auf Paul Di Resta, der vor ihm fuhr. Direkt vor dem Schotten lieferten sich Timo Glock und Lucas Auer ein starkes Duell, das der BMW-Pilot dank eines tollen Überholmanövers in Kurve eins für sich entscheiden konnte. Di Resta nutzte den Rhythmus-Verlust des Österreichers und zog ebenfalls an Auer vorbei.

Im hinteren Teil des Feldes kam es zu einer Kollision zwischen Adrien Tambay und Augusto Farfus. Der Franzose drehte den Brasilianer um und stellte kurz darauf seinen Boliden an der Box ab. Die Rennleitung kündigte auch hierfür eine Untersuchung an.

Audi versucht Stallorder

In Runde 12 ließ Jamie Green offenkundig Edoardo Mortara passieren, da der Brite keinen Weg an Blomqvist vorbei fand. Audi versuchte somit, Mortara am BMW vorbei zu bringen und die Jagd auf Wittmann zu eröffnen. Unterdessen musste der hoffnungslos fahrende Wickens seinen zehnten Platz an Maxime Martin abgeben. Dahinter verlor der Kanadier zudem seine Absicherung in Form von Gary Paffett, da Timo Scheider den Mercedes überholte.

Jamie Green musste Edoardo Mortara zunächst passieren lassen - Foto: Audi
Jamie Green musste Edoardo Mortara zunächst passieren lassenFoto: Audi

Kurz darauf zeigte sich an der Spitze, dass Audis Teamorder berechtigt war. Green verlor mehr und mehr den Anschluss und musste Juncadella ziehen lassen, während Mortara auf Rang drei Druck machte. Dann folgte der Kampf des Rennens. In der Schikane wollte Mortara zunächst an Blomqvist vorbei. Dabei kürzte er ab und musste den Briten wieder vorbei lassen. Juncadella war jedoch bereits ganz eng dran, wodurch ein Dreierpaket in Richtung Kurve 1 steuerte. Blomqvist behielt die Oberhand, während hinter dem Trio auch Bruno Spengler dran war. Es kam zum Gerangel, infolge dessen sich Juncadella drehte. Sein gutes Rennen war zerstört, er fiel ans Ende des Feldes. Der große Gewinner war Wittmann, der seinen Vorsprung auf sieben Sekunden ausbaute. Spengler erhielt eine Durchfahrtsstrafe.

Scheider macht sein Rennen kaputt

Auch Timo Scheider machte negativ auf sich aufmerksam, er räumte Gary Paffett humorlos aus dem Weg und erhielt ebenfalls eine Durchfahrtsstrafe. Durch Juncadellas Dreher fand sich auch Wickens in den Top 10 wieder. Spenglers Durchfahrtsstrafe spülte ihn sogar auf Platz neun. Zu einem harten Duell kam es zwischen Maximilian Götz und Mattias Ekström. Der Schwede wollte innen in der Schikane vorbei, Götz ließ ihm wenig Platz. Der Mercedes-Pilot musste durchs Gras, Ekström musste kurz darauf seinen Boliden abstellen.

Danach kehrte Ruhe ein, einzig Mortara versuchte nochmals, an Blomqvist vorbeizukommen. Doch wenige Minuten vor Schluss gingen ihm seine DRS-Einsätze aus. Da er es also wie Green nicht schaffte, Rang zwei zu erobern, beorderte Audi den Briten wieder am Italiener vorbei, zumal Green in der Meisterschaft vorne liegt. Den Sieg sicherte sich also Marco Wittmann vor Tom Blomqvist und Jamie Green. Edoardo Mortara belegte Rang vier, gefolgt von Timo Glock und Paul Di Resta. Lucas Auer und Maxime Martin belegten die Ränge sieben und acht. Robert Wickens blieb am Ende nur Rang neun, Maximilian Götz wurde Zehnter.

Robert Wickens kassierte einen herben Dämpfer - Foto: DTM
Robert Wickens kassierte einen herben DämpferFoto: DTM

In der Meisterschaft liegt Marco Wittmann nun mit 155 Punkten deutlich in Führung. Robert Wickens bleibt Zweiter mit 120 Punkten, gefolgt von Jamie Green mit 119 Zählern. Edoardo Mortara steht bei 112 Punkten.

Die Zwischenfälle: Lange war es ruhig, doch dann kam es doch noch zu Kollisionen. Erst räumte Adrien Tambay am Ende des Feldes Augusto Farfus ab, da der Franzose sofort abstellte, folgt eine Entscheidung der Stewards erst nach dem Rennen. Danach ging es heiß her: An der Spitze kam es zu einem Vierkampf, der Bruno Spengler dazu veranlasste, Daniel Juncadella umzudrehen. Der Kanadier erhielt eine Durchfahrtsstrafe. Dieselbe Sanktion erhielt Timo Scheider, der fast zeitgleich im Kampf um Platz elf Gary Paffett torpedierte. Zu einem heißen Duell kam es auch zwischen Maximilian Götz und Mattias Ekström.

Die Strafen: Timo Scheider und Bruno Spengler erhielten jeweils eine Durchfahrtsstrafe wegen Herbeiführens einer Kollision. Tom Blomqvist wurde verwarnt, weil er Edoardo Mortara von der Strecke drückte.

Top-Facts zum Rennen

  • Dritter Saisonsieg für Marco Wittmann
  • BMW-Pilot macht großen Schritt Richtung Meisterschaft
  • Doppelsieg für BMW
  • Robert Wickens ist der große Verlierer

Die Stimmen zum Rennen

Marco Wittmann, Sieger: Es gab etwas Clinch zwischen Tom und Edo, dann war der Abstand für mich komfortabel. Ich habe voll angegast. Das ist das Beste als Rennfahrer, um den Fokus hochzuhalten und keine Fehler zu machen. In den letzten zwei drei Runden habe ich etwas rausgenommen, aber vorher habe ich versucht, eine Lücke herauszufahren. Es ist ein besonderer Sieg, RMG sitzt nicht weit von hier. Es ist ein zweites Heimspiel für mich und extrem emotional, hier zu gewinnen. Unheimlich klasse, vor allem Stefan Reinhold war den Tränen nahe. Es sind noch 5 Rennen, es kann viel passieren. Der Sieg heute war nicht das schlechteste.

Jamie Green, 3. Platz: Wenn man sich den Punktestand anschaut, kann man sehen, warum wir das gemacht haben. Erst habe ich Mortara vorbeigelassen, dann er mich. Es war klar, dass es schwer wird. ich hatte nicht mehr genug Klappflügel zur Verfügung. Edo hat es versucht bei Blomqvist, es hat aber nicht geklappt. Heute war Wittmann der beste, Glückwunsch an ihn, aber es ist noch ein weiter Weg.