Der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) hat die Regularien für die Nordschleife des Nürburgrings für die kommende Saison nun finalisiert und auf seiner Website veröffentlicht. Insbesondere wurden die Details zu den Voraussetzungen für die DMSB Permit Nordschleife (DPN), einer Art "Führerschein" für die Strecke, fixiert. Zudem gibt es neue Regeln zum E-Learning zur Erlangung von Wissen und zur Code-60-Regelung nach Unfällen.

In Gesprächen mit Vertretern der Interessengemeinschaft Langstrecke Nürburgring (ILN), der Fahrer-AG, dem Streckenbetreiber capricorn, der VLN, dem ADAC Nordrhein und dem DSK fanden die neuen Regeln große Zustimmung. "Damit haben die über mehrere Monate gehenden Sitzungen von Arbeitsgruppen nun ihren Schlusspunkt gefunden", erklärt DMSB-Präsident Hans-Joachim Stuck. "Für die geleistete Arbeit möchte ich mich bei allen Beteiligten bedanken. Das gemeinsame Ziel, den Motorsport auf der Nordschleife sicherer zu machen, ohne dass die Rennen für Fahrer und Fans an Attraktivität einbüßen, haben wir erreicht."

Neue Code-60-Regelung

Die Code-60-Regeln wurden gegenüber der bisherigen Praxis deutlich verändert. Künftig gilt für alle Top-Veranstaltungen, bei denen nur Fahrer mit Nordschleifen-Permit antreten dürfen, die folgende Regelung: In Gefahrensituationen wird die gelbe Flagge doppelt geschwenkt gezeigt, es gilt maximal Tempo 120. In den Fällen, in denen an anderen Rennstrecken das Safetycar zum Einsatz käme, wird die gelbe Flagge und zusätzlich eine Code-60-Flagge gezeigt, ab dort gilt Tempo 60.

Die grüne Flagge hebt Tempolimits und Überholverbot auf. Durch diese Temporeduktion in zwei Stufen soll die Gefahr von Auffahrunfällen reduziert werden, gleichzeitig wird die Anzahl der Code-60-Zonen drastisch verringert, weil sie nur noch ausgelöst werden, wenn etwa Marshalls auf der Strecke agieren oder die Rennstrecke tatsächlich blockiert ist.

Nordschleifenführerschein wird durch E-Learning ergänzt

Die weltweit einzigartigen Verhältnisse bei Langstreckenrennen auf der Nordschleife hatten im Vorjahr zur Einführung der DPN geführt, der für die verschiedenen Veranstaltungstypen mehrstufig aufgebaut ist. Das Grundprinzip – Aufstieg in höhere Rennklassen erst mit Nachweis einer gewissen Erfahrung – wurde nun verfeinert. Ausnahmen für Einsteigerklassen auf der einen und Profirennfahrer auf der anderen Seite wurden klarer formuliert.

"Wir haben sehr viel detaillierter als bislang festgelegt, mit welchen Voraussetzungen Fahrer die Stufen A und B die Permit erlangen können", so DMSB-Präsident Stuck. "Wichtig war aber allen Beteiligten, dass sich jeder Rennfahrer – egal, ob Newcomer oder erfahrener Pilot – mit den speziellen Verhältnissen auf der Nordschleife intensiv auseinandersetzt.

Die große Anzahl der Fahrzeuge, die unterschiedliche Performance, das besondere Streckenlayout und nicht zuletzt die Signalgebung bei Gefahren: Die Kenntnisse über diese Besonderheiten für Langstreckenrennen auf der Nordschleife muss jeder Fahrer nachweisen können." Dazu wird ein kostenloses E-Learning-Tool der DMSB Academy eingerichtet, mit dem jeder Lizenznehmer sich auf die schwierigste Rennstrecke der Welt vorbereiten muss.

DMSB-Präsident Stuck will mit den neuen Regeln mehr Sicherheit erreichen - Foto: DMSB
DMSB-Präsident Stuck will mit den neuen Regeln mehr Sicherheit erreichenFoto: DMSB

Bei DPN-pflichtigen Veranstaltungen können diese Kenntnisse dann durch stichprobenartige Tests durch den jeweiligen Veranstalter abgefragt werden. Zu den genannten Veranstaltungen gehören das 24h-Rennen (nur DPN-Stufe A) und das 24h-Qualifikationsrennen, alle Läufe zur VLN sowie das RCN-Rundstreckenrennen am Saisonende (nicht aber die anderen RCN-Läufe).Für das E-Learning Tool konnte auch auf Daten und Technikmodule der Porsche AG zurückgegriffen werden, für deren Unterstützung im Vorfeld sich der DMSB bedankte.

"Die noch detaillierteren Regelungen mögen manchem auf den ersten Blick kompliziert erscheinen", weiß Hans-Joachim Stuck. "Doch wir haben versucht, einige schon 2015 geltenden Ausnahmeregelungen nun verbindlich festzulegen. Außerdem verfügt der Großteil der Langstreckenpiloten auf der Nordschleife ja seit 2015 bereits über die DMSB-Permit – für die ändert sich nur eines: die Verpflichtung zum E-Learning. Und die paar Minuten, die der Vorbereitungskurs am Computer zu Hause kostet, sollte den Fahrern ihre Sicherheit aus meiner Sicht wert sein."