MotoGP-Auftakt in Katar: Der Losail International Circuit erstrahlt im gleißenden Schein von 3.600 Lichtquellen, die rund um den 5,380 Kilometer langen Kurs errichtet wurden. Flutlicht, Boxenampel, Startampel: leuchtende Signale spielen seit dieser MotoGP-Saison aber eine noch größere Rolle, als es auf den ersten Blick den Anschein zu haben scheint. Blicken die Fahrer im Laufe des Rennens auf ihr Display, entdecken sie dort seit den Testfahrten in Malaysia noch weitere blinkende Signale.

"Bei jedem Überfahren einer Zeitschleife - also bei Start-Ziel und bei den Sektionszeiten - kann an die Motorräder individuell eine Nachricht beziehungsweise Information gesendet werden", erklärt Dirk Debus, Geschäftsführer der 2D Debus & Diebold Meßsysteme GmbH (2D). Seine Firma stattet alle Werksfahrer in der MotoGP, das komplette Moto2-Feld und etwa die Hälfte der Moto3-Fahrer mit Systemen zur Datenerfassung, Aufzeichnung und Auswertung aus. Dazu gehören auch jene Neuerungen an den Dashboards, die 2014 in allen drei GP-Klassen von der Dorna eingeführt wurden.

Neben dem Dashboard sind die Pitboards die einzgie Kommunikationsmöglichkeit für die Teams - Foto: Yamaha
Neben dem Dashboard sind die Pitboards die einzgie Kommunikationsmöglichkeit für die TeamsFoto: Yamaha

Das Dashboard zeigt dem Fahrer Informationen über Motordrehzahlen, Gang, aktuelle Leistungseinstellung, Rundenzeit und Sektionszeit an. Dazu besitzt es einen kompletten Textbereich, auf dem je nach Team verschiedene Informationen dargestellt werden können. "In diesem Bereich wird alles andere ausgeblendet - also zum Beispiel keine Wasser- und keine Öltemperatur mehr angezeigt. Dann steht dort nur noch die Warnung: 'Achtung! Schwarze Flagge' oder 'Achtung! Rote Flagge' oder 'Achtung! Fünf Positionen zurück'." Die Informationen, die mittels Leuchtsignalen auf dem Armaturenbrett angezeigt werden, sind vielfältig: So kann neben einem Flaggensignal auch ein bis zu 16 Zeichen langer Text wiedergegeben werden.

"Flaggensignale sind bisher nur rote Flagge, schwarze Flagge, schwarze Flagge mit orangener Scheibe oder eine Strafe, dass dieser Fahrer um ein, zwei, drei, vier oder fünf Positionen zurückgehen muss", erläutert Debus. 2D liefert eine LED-Einheit, die dementsprechend aufleuchtet und die Signale anzeigt. "Bei unseren Dashboards wird der Text auch auf dem Display dargestellt, das heißt, der Fahrer sieht, dass es blinkt und kann dann auf dem Display lesen, welche Meldung angekommen ist. Zum Beispiel: Ihm wird die schwarze Flagge gezeigt, weil sein Motorrad qualmt und Öl verliert und er deshalb abbrechen muss."

Wahres Highspeed-W-LAN

Das Signal wird kabellos auf das Motorrad übertragen - nicht über Funkfrequenz, sondern über Induktion. Das Prinzip vergleicht der Geschäftsführer von 2D mit mobilem Internet. "Das kann man sich wie beim W-Lan auf dem Handy vorstellen. Wenn man in ein Hotel kommt und dort schon mal eingeloggt war. Die Schleife ist nicht so lang, das geht relativ zügig. Die Datenmengen sind aber auch gering, das sind nur ein paar Bytes, die sich ganz schnell übertragen lassen. Schließlich ist das keine komplette SMS, E-Mail oder ein Bild, die da übertragen werden, sondern wirklich nur ein paar Zustände wie rote Flagge + Fahrer 18 und dazu ein paar Textzeichen."

Schon beim ersten Test in Malaysia probierten die Fahrer das neue System. "Die 2D-Anzeigen konnten die Fahrer gut erkennen. Allerdings hatten sie noch ein paar Probleme, die Farben der Flaggen zu erkennen." Die Signale an sich konnten die Piloten schon beim ersten Testlauf gut erkennen. "Wir haben eine zehnfache LED-Zeile, ein kleines Modul, das etwas größer als eine Streichholzschachtel ist. Die Leuchtdioden sind richtig hell und beginnen zu flackern. Das bemerken die Fahrer sogar aus dem Augenwinkel heraus", so Debus.

Ziel ist es, die Sicherheit der Fahrer auf der Strecke zu erhöhen. "Bei einer schwarzen Flagge ist der Vorteil, dass der Pilot das schon auf der Runde und nicht erst bei Start-Ziel sehen kann. In Verbindung mit unserer blinkenden LED-Anzeige und dem Textdisplay kann man einen Fahrer, der Öl auf der Strecke verliert, früher zum Anhalten zwingen", begründet Debus die Neuerung. Hauptvorteil ist es aber, einem Piloten zu sagen, dass er sich um einige Positionen zurückfallen lassen soll. "Das war bisher nicht möglich. Bis jetzt mussten die Fahrer nach einem Frühstart eine Durchfahrtsstrafe antreten und ihr Rennen war damit im Grunde komplett erledigt. Jetzt kann sich die Rennleitung überlegen, dass der Frühstart möglicherweise gar nicht so schlimm war, der Fahrer zwei Plätze gutgemacht hat und sich zur Strafe vier Positionen zurückfallen lassen muss. Somit ist dieser Fahrer nicht ganz so arg bestraft. Das kann ein großer Vorteil sein."

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