Mick Schumacher fährt am Wochenende in Bahrain sein erstes Formel-2-Rennen. Aus dem Formel-1-Unterhaus, das zwischen 2005 und 2017 als GP2 firmierte, gewannen bisher fünf Fahrer in ihrer Rookie-Saison den Titel. Allen fünf gelang der direkte Sprung in die Formel 1, zwei von ihnen wurden in der Königsklasse Weltmeister.

Nico Rosberg, Lewis Hamilton, Nico Hülkenberg, Charles Leclerc und George Russell kamen allesamt über die Formel 2 in die Königsklasse. Mick Schumacher versucht in diesem Jahr, sich als nächstes Talent in dieser namhaften Liste einzutragen. Wir blicken zurück auf die Formel-2-Sternstunden von Hamilton und Co.

Nico Rosberg: Mit Doppelsieg zum Titel

Nico Rosberg kürte sich 2005 in der Premierensaison der GP2 zum Meister - Foto: GP2
Nico Rosberg kürte sich 2005 in der Premierensaison der GP2 zum MeisterFoto: GP2

Im ersten Jahr der GP2 kämpften Nico Rosberg und Heikki Kovalainen um den Titel. Rosberg kam mit drei Punkten Vorsprung zum Saisonfinale nach Bahrain, bei dem noch 22 Punkte zu holen waren. Mit einer überlegenen Pole - Rosberg war sieben Zehntel schneller als Kovalainen auf Platz zwei - sicherte sich der Sohn von Formel-1-Weltmeister Keke Rosberg die ersten beiden Punkte.

Die Titel-Rivalen hielten beim Start des Hauptrennens ihre Positionen. Kovalainen versuchte Rosberg mit einer mutigen Strategie unter Druck zu setzen und kam schon in der zweiten Runde zum Reifenwechsel. Doch Rosberg blieb cool und holte sich den Sieg, während Kovalainen auf dem dritten Platz landete. Durch dieses Resultat stand Rosberg schon vor dem Sprintrennen am Sonntag als Meister fest.

Die Rosberg-Show in der Wüste war aber noch nicht beendet. Aufgrund der umgekehrten Startreihenfolge im Sprint von Platz acht gestartet, holte sich Rosberg die ersten beiden Positionen schon am Start. Nach nicht einmal zehn Rennrunden tauchte Rosberg im Rückspiegel des Führenden Ernesto Viso auf und ging ohne lange zu warten vorbei. Es war das erste Doppelpack aus Siegen in Haupt- und Sprintrennen in der Geschichte der Serie.

Lewis Hamilton: Überholshow in Istanbul

Lewis Hamilton ließ in der GP2 sein Weltmeister-Potential durchblitzen - Foto: Sutton
Lewis Hamilton ließ in der GP2 sein Weltmeister-Potential durchblitzenFoto: Sutton

Lewis Hamiltons ärgster Konkurrent im Kampf um den GP2-Titel war 2006 Nelson Piquet jr. In Istanbul stieg das vorletzte Wochenende der Saison. Piquet hatte zuvor drei Rennen in Folge gewonnen und lag nur noch sechs Punkte hinter Hamilton, als es ins Sprintrennen ging. Der Meisterschaftsführende erwischte einen schwachen Start und drehte sich in der zweiten Runde ohne Fremdeinwirkung von der Bahn.

Für Piquet bot sich eine perfekte Ausgangsposition: Er lag in den Punkten, sein Konkurrent am Ende des Feldes. Ohne Boxenstopps brauchte der Brite ein Wunder, um noch Punkte zu holen. Doch Hamilton gelang das Wunder. Er startete eine einzigartige Aufholjagd, ganz ohne DRS oder sonstige Hilfsmittel.

Mit späten Bremsmanövern zog Hamilton an seinen Konkurrenten vorbei, als wären sie in einer anderen Kategorie unterwegs. Acht Runden vor Schluss tauchte er im Rückspiegel von Piquet auf und ließ auch den Brasilianer ohne Chance auf Gegenwehr stehen. Platz vier war Hamilton aber nicht genug. Er schnappte sich nach einem harten Fight Timo Glock und in der letzten Runde auch noch Adam Carroll. Rennsieger wurde Andreas Zuber, doch für die Schlagzeilen sorgte Lewis Hamilton.

Nico Hülkenberg: Dominanz vorm Heimpublikum

Nico Hülkenberg war nach seinen Siegen am Nürburgring für die Konkurrenz unantastbar - Foto: Sutton
Nico Hülkenberg war nach seinen Siegen am Nürburgring für die Konkurrenz unantastbarFoto: Sutton

Die GP2-Saison 2009 startete für Rookie Nico Hülkenberg durchwachsen. In den ersten acht Rennen holte er lediglich zwei Podien und lag sogar noch hinter seinem Teamkollegen Pastor Maldonado auf dem vierten Gesamtrang. Dann stand das Heimrennen am Nürburgring an und prompt platzte bei Nico Hülkenberg der Knoten.

Hülkenberg sicherte sich die Pole für das Hauptrennen. Am Start verteidigte der Emmericher seine Position. Ab diesem Moment konnteihn niemand mehr halten. Hülkenberg gewann das Hauptrennen mit großem Vorsprung und holte sich dabei sogar noch einen Bonuspunkt für die schnellste Rennrunde.

Am Sonntag herrschte beim Sprintrennen typisches Eifelwetter. Hülkenberg startete von Platz acht in ein total verregnetes Rennen. Schon nach vier Runden lag er auf Position zwei hinter Vitali Petrov. Als der Russe wegen eines Frühstarts für eine Drive-Through-Strafe durch die Box musste, war der Weg für Hülkenberg frei. Knapp 30 Sekunden Vorsprung hatte der Rookie im Ziel. Wie am Vortag schnappte er sich den Extra-Punkt für die schnellste Runde.

Mit 20 von 20 möglichen Punkten holte sich Hülkenberg am Nürburgring und damit auch die Führung in der Gesamtwertung. Die gab er bis zum Saisonende nicht mehr her. Er wurde nach Rosberg und Hamilton der dritte GP2-Rookie, der sich auf Anhieb den Titel sicherte.

Charles Leclerc: Strategie-Poker in Bahrain

Charles Leclerc fuhr die Konkurrenz bei seinem ersten Formel-2-Rennen in Grund und Boden - Foto: Sutton
Charles Leclerc fuhr die Konkurrenz bei seinem ersten Formel-2-Rennen in Grund und BodenFoto: Sutton

Charles Leclerc galt 2017 als amtierender GP3-Champion als einer der großen Favoriten auf den Formel-2-Titel. Beim Saisonauftakt in Bahrain sicherte sich der Monegasse auf Anhieb die Pole Position für das Hauptrennen. Der Prema-Pilot konnte die Führung am Start zwar behaupten, wurde aber gegen Rennende von Artem Markelov und Norman Nato aufgeschnupft, die mit frischeren Reifen überlegen waren.

Bei Prema griff man nach den Reifenproblemen im Hauptrennen im Rennen am Sonntag zu einer gewagten Strategie. Völlig unüblich für ein Formel-2-Sprintrennen plante man einen Boxenstopp ein. Und das, obwohl Leclerc von Platz sechs gestartet war nach einigen Runden in Führung lag. Acht Runden vor Schluss bog Leclerc für viele Zuschauer überraschend in die Box ab.

Leclerc hatte nun im Gegensatz zur Konkurrenz zwar frische Reifen, lag aber auf Rang 14 und damit weit entfernt von möglichen Punkten. Doch bald zeichnete sich ab, dass die Strategie funktionieren könnte: Im Schnitt machte Leclerc drei Sekunden pro Runde auf den Führenden gut, obwohl er sich durch den Verkehr arbeiten muss.

Auf den abgefahrenen Reifen konnten Leclercs Konkurrenten nur dabei zusehen, wie der Ferrari-Junior durchs Feld pflügte. Leclercs größter Gegner war in diesem Moment die kurze Renndistanz. Drei Runden vor Schluss lag er auf Platz fünf, zu Beginn der letzten Runde auf dem dritten Rang. Doch auch Oliver Rowland und Luca Ghiotto konnten Leclerc nicht aufhalten. Der Mut, auf die riskante Strategie mit dem Boxenstopp zu setzen, wurde am Ende belohnt.

George Russell: Aufholjagd in Baku

George Russell zeigte beim Stadtrennen in Baku seine Extraklasse - Foto: Sutton
George Russell zeigte beim Stadtrennen in Baku seine ExtraklasseFoto: Sutton

Das Wochenende in Baku war das zweite der Formel-2-Saison 2018. Rookie George Russell qualifizierte sich auf dem dritten Rang. Nach einem sauberen Start übernahm er die Führung. Bis zur 21. Rennrunde lag Russell vorne. Dann folgte ein Restart nach einer Safety Car-Phase, bei dem für Russell alles schief lief..

Nyck de Vries griff am Ende der Start/Ziel-Geraden an und verbremst sich. De Vries schoss geradeaus in die Auslaufzone. Russell musste dem Niederländer ausweichen und daher ebenfalls von der Strecke. Am Ende wurde Mercedes-Junior Russell enttäuschender Zwölfter.

Im Sprintrennen schlug Russell eindrucksvoll zurück. Der Rookie startete wie eine Rakete und lag am Ende der ersten Runde schon auf dem fünften Rang. Einige Runden später arbeitete Russell sich auf den zweiten Platz vor, die Lücke zum Führenden Sergio Sette Camara war jedoch schon weit aufgegangen.

Fünf Runden vor Schluss war Russell an seinen Konkurrenten herangefahren. Den ersten Angriff konterte Camara. Eine Runde später übernahm Russell mit Hilfe des DRS die Führung. Es war der erste Sieg für Russell im Jahr 2018. Am Ende der Saison wurde der Brite mit sieben Rennsiegen und elf Podestplätzen Meister.

Mick Schumacher: Der sechste Debüt-Meister?

2019 will Mick Schumacher sich ebenfalls in die Liste der Champions im Debüt-Jahr eintragen. Bei Prema ist Schumacher in einem absoluten Top-Team untergekommen. Seinen Teamkollegen sollte der Sohn von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher im Griff haben: Sean Gelael gilt als klassischer Paydriver. In vier Jahren in der Formel 2 kam er nie über den 15. Gesamtrang hinaus.

Schumachers größte Konkurrenten im Kampf um den Titel dürften ART-Fahrer Nyck de Vries und DAMS-Pilot Sergio Sette Camara sein. Beide fahren bereits im dritten Jahr in der Formel 2, sind also deutlich erfahrener als Schumacher. Dafür geht Mick Schumacher mit Rückenwind ins neue Formel-2-Jahr: 2018 holte er sich, ebenfalls mit Prema, mit acht Siegen aus den letzten 16 Rennen überlegen den Titel in der Formel 3 EM.