Grid Girls, Startzeiten, Social-Media-Expansion, neuer Livestream-Service F1 TV: Die Formel 1 beschreitet seit der Übernahme durch Liberty Media neue Wege. Auch an die TV-Kameras für den sogenannten Worldfeed, der bei allen übertragenden Sender wie RTL ausgespielt wird, wurde mit neuen Positionen und Winkeln Hand angelegt.

Bald könnte die Regie jedoch noch eine ganz besonders spektakuläre Option bekommen: Die besten Onboard-Bilder der Geschichte! Und zwar dank neuer Kameras, die so nah dran sind am Geschehen wie nie zuvor. Bislang stammen die Onboard-Aufnahmen von der Kamera an der Airbox. Doch nun ist ein Konzept in der Pipeline, das an die Visor Cam aus der IndyCar Series erinnert.

Romain Grosjean: Schmerzhaft, aber supercool

In Monaco testete sie bereits Pierre Gasly, in Kanada nun Romain Grosjean im Training: Eine neue Brille mit integrierter Kamera im Cockpit! Der Haas-Pilot berichtete nach seiner Ausfahrt ausführlich von seinem eigenen Erlebnis und seiner Meinung zu der Idee. Kurz gesagt: Der Franzose ist Feuer und Flamme.

Doch ein Punkt störte Grosjean erst einmal gewaltig. "Es war sehr schmerzhaft. Es hat einfach nicht ganz in den Helm gepasst. Die Brille ist nicht bequem und etwas groß, aber es ist auch nur ein erster Test und für eine Installationsrunde ging es schon", berichtet der Franzose. Den Test habe er aber unbedingt selbst fahren wollen.

Heutige Onboard-Kameras so gut, dass Realismus leidet

Denn: "Die Idee hat mir gut gefallen. Deshalb habe ich das unbedingt machen wollen, auch wenn ich ziemlich tüfteln musste, sie in den Helm zu bekommen. Aber wenn du dir nur die Aufnahmen ansiehst, dann siehst du so richtig den Speed des Autos - von innen. Du siehst die Arbeit am Lenkrad, du siehst die Vibrationen, sodass die Leute richtig nachempfinden können, was wir hier erleben", schwärmt Grosjean.

Das sei mit den gewohnten Airbox-Kameras der Gegenwart im Gegensatz zu früheren Zeiten nicht mehr möglich. "Die Onboard-Kameras sind heutzutage ja so gut, so stabil, da spürst du gar nicht mehr, dass es überhaupt Vibrationen auf der Strecke gibt. Hiermit siehst du aber viel mehr. Ich hoffe wirklich, dass sie etwas in dieser Art in den Helm bauen, um mehr solcher Bilder zu bekommen, denn sie sind einfach klasse", frohlockt Grosjean.

Grosjean: Kamera besser in Helm bauen

Deshalb sei er bereit, bei der Entwicklung mitzuwirken. "Ich halte es für unsere Rolle, zu helfen. Es ist unser Sport, ich liebe diesen Sport und wenn ich irgendwie helfen kann, dann würde ich immer zusagen. Es ist super cool!"

Bei einer Brille wie bei seinem Test werde es allerdings ganz sicher nicht bleiben. "Ich denke nicht, dass du eine Brille tragen willst, deshalb müssen wir andere Lösungen finden, vielleicht im Schaum des Helms oder woanders am Helm. Je näher dran, desto besser. Es ist die beste Lösung und ich bin sicher, dass dort irgendwo Platz ist, um es zu platzieren", sagt Grosjean.

Realistischer als alles bisher Gesehene sei der Test allerdings schon jetzt gewesen. "Aber es gibt aber noch ein anderes Unternehmen, ein französisches. Ein Freund von mir benutzt das im Rallyecross, und hat es beim Tennisspielen mit mir benutzt - das ist richtig großartig. Deshalb habe ich ihnen gesagt, das vielleicht mal anzuschauen", berichtet Grosjean von seiner bereits ersten Hilfe.

Romain Grosjean beklagte einzig den Tragekomfort der neuen Kamera-Brille - Foto: LAT Images
Romain Grosjean beklagte einzig den Tragekomfort der neuen Kamera-BrilleFoto: LAT Images

Grosjean: Keine Dashboard-Geheimnisse werden verraten

"Es ist keine Brille, es ist einfach eine Kamera, die du unten auf das Visier setzt - Full HD. Ich liebe diese Bilder - großartig! Aber ich habe da keine Interessen und bin da geschäftlich mit drin", scherzt Grosjean.

Keine Sorgen macht sich der Franzose, dass das Konzept bei den Formel-1-Teams nur wenig Anklang finden könnte, weil so die Informationen auf dem Lenkrad-Display besser zu sehen sind, die Geheimnisse der Teams aufgedeckt werden könnten. In der Formel 1 ist Geheimniskrämerei ja immer ein großes Thema. "Ja, man sieht alles. Aber komm' schon … Wenn du sehen willst, was sich da abspielt, dann geht das auch schon mit den Onboard-Kameras, die wir haben", so Grosjean zu Motorsport-Magazin.com.

Da seien ihm die tollen Bilder für die Fans doch wichtiger. Dasselbe gelte für den Punkt, dass die Stewards den Fahrern so noch besser – wortwörtlich - auf die Finger schauen könnten. "Es ist toll, du siehst, wie du das Lenkrad bewegst, wie du den Kopf bewegst …", schwärmt Grosjean lieber noch einmal.