Kaum ist die Front mit dem Teamkollegen geklärt, baut sich eine neue, noch unangenehmere für Lewis Hamilton auf: Zwei Tage nach seinem beeindruckenden Sieg bei Großen Preis von China ist der Tabellenführer in seiner Heimat England scharf in die Kritik geraten. Die Vorsitzende einer Anti-Sexismus-Organisation hat Kritik an der Art geäußert, wie Hamilton seinen Sieg auf dem Podium gefeiert hat. Der amtierende Weltmeister hatte einer der Hostessen den Champagner in einer für manche eindeutigen Art mitten ins Gesicht gespritzt. Das zog teils heftige Reaktionen auf Twitter nach sich.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Hamilton, zweifellos einer der begehrtesten Singles weltweit, derartige Späße mit den Mädchen auf dem Podium erlaubt - andere Fahrer stehen ihm in nichts nach. Während in Europa und auf dem amerikanischen Kontinent die Hostessen sich diesen Spielereien bislang nicht abgeneigt zeigten, war der jungen Dame aus dem eher sittlich-distanzierten China die Aktion sichtbar unangenehm. Ohne zu wissen, wie sie auf die Situation reagieren soll, ließ sie den Erguss beschämt über sich ergehen. Das brachte eine Frauenorganisation im Vereinigten Königreich auf die Palme.

Die Szene dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde, danach wurde klassisch gefeiert - Foto: Sutton
Die Szene dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde, danach wurde klassisch gefeiertFoto: Sutton

Frauenrechtlerin fordert Entschuldigung

Roz Hardie, die Chefin der Organisation Object, die gegen Sexismus in den Medien und die Behandlung von Frauen als Objekten vorgeht, kritisierte Hamiltons Verhalten in den britischen Medien: "Die Bilder scheinen zu zeigen, dass die Frau nicht nur bespritzt wird, sondern dass der Champagner spezifisch auf ihr Gesicht gerichtet ist. Es sieht nicht so aus, als wäre sie von diesem Klamauk angetan. In diesem Fall denken wir, dass Lewis Hamilton sich für seine Tat entschuldigen und darüber nachdenken sollte, wie er sich in Zukunft verhält." Für die meisten Leute sei klar, dass diese Frau das nicht genossen habe.

"Sie ist als Grid Girl eindeutig in einer schwierigen Position und hatte keine wirkliche Option, als es über sich ergehen zu lassen", so Hardie weiter. "Dessen hätte er sich bewusst sein sollen. Stattdessen hat er ihre Position ausgenutzt. Es ist wirklich schade, dass ein großartiger Sieg von einem solch selbstherrlichen und rücksichtslosen Verhalten ruiniert worden ist." Das Interview hat in Großbritannien eine emotionale Debatte ausgelöst. Hamiltons Geste polarisiert - der Twitter-Account des 30-Jährigen wird derzeit bombardiert. Neben dem Shitstorm gibt es aber auch viel Zuspruch - sowohl von männlicher als auch weiblicher Seite.

Sebastian Vettel hatte mit der Dusche deutlich weniger Probleme - Foto: Sutton
Sebastian Vettel hatte mit der Dusche deutlich weniger ProblemeFoto: Sutton

Diese Episode fällt mitten in eine Debatte über die Stellung der Frau im Motorsport. Jüngst hatte Bernie Ecclestone mit dem Vorschlag eine eigene Weltmeisterschaft für Frauen polarisiert, die Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC, zu der das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gehören, hat gerade erst die Grid Girls abgeschafft. "Motorsport präsentiert Frauen derzeit unnötig als sexualisierte Objekte und macht es wahrscheinlich schwerer für Frauen, für ihre Rechte einzustehen", so Hardie zu dieser Thematik. "Wir würden es begrüßen, wenn die Menschen in diesem Business etwas respektvoller mit diesen Frauen umgeht."

Redaktionskommentar

Motorsport-Magazin.com meint: Hier sollten die kulturellen Eigenheiten der verschiedenen Länder beachtet werden: In Europa würde sich vermutlich niemand darüber aufregen. In ostasiatischen Staaten ist ein solches Verhalten unerhört - deshalb vermutlich die abweisende Reaktion der jungen Dame. In Zukunft sollte der Veranstalter die Damen vielleicht besser darauf hinweisen, was Männer nach einem 100-minütigen härtesten Kämpf im Freudentaumel anstellen können und nur solche Hostessen für das Podium auswählen, die an solchen Dingen ihren Spaß haben. Hoffen wir, dass die Debatte nicht zu breit getreten wird - die Formel 1 hat genug andere Probleme. (Heiko Stritzke)

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