Es ist der 8. Februar 2014 und wohl einer der bedeutendsten Momente in der Karriere von Jari-Matti Latvala. Der Volkswagen-Pilot gewinnt die Rallye Schweden und holt zwei Zusatzpunkte auf der Power Stage. Mit 40 Zählern übernimmt er die Führung in der Weltmeisterschaft - zum ersten und einzigen Mal in seiner bisherigen Karriere.

Zwei Jahre später. Gleiche Zeit, gleicher Ort, aber ein komplett anderes Bild. Die WRC-Saison 2016 ist lediglich zwei Rallyes alt und trotzdem hat sich für Latvala bereits jetzt ein großer Traum fast zerschlagen: die Weltmeisterschaft. Der Finne versucht 2016 den insgesamt neunten Anlauf in einem Werksteam, um endlich die WM-Krone zu holen.

Jari-Matti Latvala muss seine Motivation Aufrecht erhalten - Foto: Patrik Pangerl
Jari-Matti Latvala muss seine Motivation Aufrecht erhaltenFoto: Patrik Pangerl

Null Punkte und ein riesiger Rückstand

Die bisherige Bilanz: Ein Unfall in Monte Carlo und null Punkte auf dem Konto. Ein mechanischer Defekt in Schweden und null Punkte auf dem Konto. Er kam beim zweiten Saisonevent lediglich eine knappe Prüfung weit, bevor nach einem Sprung die Antriebswelle seines Polo brach. Latvala konnte die Fahrt fortsetzen, hatte aber nur Heckantrieb zur Verfügung. Damit verlor er viel Zeit und musste wenige Prüfungen später schließlich ganz die Segel streichen. Die letzte Chance war die Power Stage am Sonntag. Als Rally2-Starter musste der 30-Jährige allerdings als Erster auf die verschneiten Pisten. Als Fünftschnellster ging er auch auf dieser Prüfung leer aus.

Im Vergleich dazu marschiert Teamkollege Sebastien Ogier durch. Er hat beide Läufe gewonnen und sich jeweils die drei Zusatzpunkte der Power Stage gesichert. Damit liegt der Franzose 56 Zähler vor Latvala. "Der Start in die Saison ist komplett anders verlaufen, als ich mir das vorgestellt habe. Wenn du nach zwei Rallyes null Punkte auf dem Konto hast, ist es Zeit, von Event zu Event zu blicken", erklärte Latvala gegenüber wrc.com. "Ich habe meinen Joker durch meinen Fehler in Monte Carlo verbraucht und das Auto hat seinen auch verbraucht. Jetzt haben wir keinen übrig und unsere Saison sollte in der nächsten Runde in Mexiko beginnen."

Sprungpech in Schweden: Latvalas Antriebswelle bricht: (00:21 Min.)

Colin McRae hat bewiesen: Zwei Nuller sind aufholbar

Ganz aussichtslos ist Latvalas Kampf allerdings nicht, wie ein Blick auf die Statistik zeigt. Bisher schafften es in der Geschichte der WRC zwei Piloten, nach zwei Nullrunden zu Beginn, am Ende noch den Titel zu holen. Lancia-Pilot Massimo Biasion blieb 1988 sowohl in Monte Carlo als auch in Schweden ohne Zählbares, wurde am Ende aber mit 19 Punkten Vorsprung vor Markku Alen Weltmeister. Auch WRC-Star Colin McRae zeigte 1995, dass nach zwei punktelosen Rallyes zu Saisonbeginn noch nicht alles vorbei sein muss. Er holte ebenfalls im Fürstentum und auf Schnee nichts Zählbares, setzte sich am Ende aber trotzdem mit fünf Punkten Vorsprung gegen Carlos Sainz durch und feierte den Titel.

Der große Unterschied allerdings: Alen und Sainz ließen zu Beginn der Saison ebenfalls Punkte liegen - ganz anderes als Ogier. Der dreifache Weltmeister marschiert unaufhaltsam in Richtung seines vierten Titels und gibt sich - bisher - nicht die geringste Blöße. "Wenn es darum geht, Seb [Ogier] herauszufordern, kann ich nur sagen, dass er sehr stark ist", gab Latvala ehrlich zu. "Natürlich werde ich mein Bestes geben, aber ich kann nichts anderes tun, als zum nächsten Event zu fahren und versuchen, Punkte zu machen."

Vier aus vier: Volkswagen unschlagbar in Schweden: (05:20 Min.)

Latvala hält an seinem Traum fest

Für Latvala ist es nichts Neues, einem Rückstand hinterherzulaufen. Bereits 2015 war er mit großen Zielen in die Saison gestartet, musste nach drei Nullern in Schweden, Mexiko und Argentinien aber seine Hoffnung auf den ersten Titel in der WRC begraben. Nach so vielen Rückschlägen gilt er als der ewige Zweite, wie einst Mikko Hirvonen. Latvalas Landsmann verabschiedete sich schließlich am Ende der Saison 2014 als vierfacher Vizeweltmeister aus der WRC - ohne Titel in der Tasche.

Diese Möglichkeit hat in Latvalas Gedanken keinen Platz. "Wenn du das denkst, dann ist es besser aufzuhören", sagte der Finne im Interview mit Motorsport-Magazin.com. "Du musst an deinen Traum glauben und daran, dass du ihn erreichen kannst. Denn wenn du kein Ziel hast, beginnt deine Performance darunter zu leiden." Also kämpft Latvala weiter, um eines Tages wieder das Gefühl zu verspüren, das er an jenem 8. Februar 2014 hatte - am besten bei der letzten Rallye der Saison.

Latvala spricht über den Unfall in Monte Carlo: (02:00 Min.)