Ein großer Schritt im Kampf um die Weltmeisterschaft: Sebastien Ogier/Julien Ingrassia und Volkswagen haben mit einem Sieg bei der Rallye Italien einen wahren "Big Point" geholt. Dank des dritten Triumphs von Ogier und Ingrassia auf Sardinien in Folge baute Volkswagen den Vorsprung in der Fahrer-, Beifahrer- und Herstellerwertung deutlich aus. Nach knapp der Hälfte der Saison in der FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) liegen Ogier/Ingrassia 66 Punkte vor ihren engsten Verfolgern, Volkswagen hat 65 Punkte Vorsprung.

Der Weg zum fünften Saisonsieg des Polo R WRC in der sechsten Rallye des Jahres war im wahren Wortsinn ein steiniger: Bei extrem harten Bedingungen, enormer Hitze und dem längsten Rallye-Tag seit über einem Jahrzehnt erwies sich das World Rally Car aus Wolfsburg als das schnellste und zuverlässigste. 14 Prüfungsbestzeiten gingen in Italien an Volkswagen. Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila erkämpften sich in Italien trotz Rückschlägen Rang sechs, Andreas Mikkelsen/Ola Floene holten bei ihrer zweimaligen Rückkehr unter Rallye-2-Reglement hinter ihren beiden Teamkollegen als Dritte einen Punkt in der sogenannten Powerstage.

TurbOgier zum 25. Mal mit Volkswagen auf dem Podium

Sebastien Ogier und Julien Ingrassia sind nicht nur wegen ihres dritten Sardinien-Sieges in Folge die Gewinner des Wochenendes: Sie dosierten das Tempo bei der enorm Material-fordernden Rallye geschickt, erhöhten den Druck im richtigen Moment, um die Führung zu übernehmen und teilten sich den erkämpften Vorsprung im Schlussspurt clever ein. Alle Top-Teams mussten bei der Rallye Sardinien Rückschläge hinnehmen und den harten Bedingungen Tribut zollen - außer Ogier und Ingrassia. Mit dem Polo R WRC fuhren Ogier/Ingrassia so zum 25. Mal auf das Podium - davon 21 Mal als Erste und vier Mal als Zweite.

Volkswagen feierte auf der Powerstage einen Dreifacherfolg - Foto: Sutton
Volkswagen feierte auf der Powerstage einen DreifacherfolgFoto: Sutton

Mit Willenskraft zu WM-Punkten: Jari-Matti Latvala und Miikka Anttila

Mehrere Zeitverluste mussten dagegen Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila hinnehmen - sicherten sich und Volkswagen jedoch mit vorbildlicher Moral wichtige WM-Zähler. Zwei Reifenschäden am Freitag und Samstag kosteten zunächst etwa drei Minuten, ein Aufhängungsschaden, nachdem sie unglücklich einen Felsbrocken auf der Ideallinie trafen, weitere fünf. Dennoch sorgten Latvala/Anttila mit einer beherzten Mechaniker- und einer großen fahrerischen Leistung für maximale Schadensbegrenzung. Insgesamt gingen sieben WP-Bestzeiten an das finnische Duo - mehr als an ihre Teamkollegen. Das abschließende Resultat: Ein angesichts der Rückschläge herausragender sechster Rang.

Andreas Mikkelsen mit starkem Schlussspurt

Einen Sieg der Moral feierten auch Andreas Mikkelsen/Ola Floene. Das Duo musste am Freitag den Rallye-Tag frühzeitig beenden, nachdem er unglücklich ein Loch in der Strecke getroffen hatte und auch der Rallye-Samstag endete frühzeitig. Beim zweiten Start unter Rallye-2-Reglement nutzten sie am Sonntag allerdings ihre Chance, noch Zählbares für die Weltmeisterschaft mitzunehmen: Mikkelsen/Floene wurden auf der sogenannten Powerstage, auf der Zusatzpunkte für die besten Drei vergeben werden, Dritte und eroberten einen Punkt. Geschlagen wurden sie nur von ihren Teamkollegen Sebastien Ogier/Julien Ingrassia und Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila. Für Volkswagen waren es das 53., 54. und 55. Mal in 31 Powerstages, dass eines der Duos Zusatzzähler eroberte.

Rallye Italien eine wahre Hitzeschlacht und Rütteltest

Beinahe traditionell hohe Temperaturen auf Sardinien sorgten für eine wahre Hitzeschlacht bei der Rallye Italien - mit etwa 29 Grad Luft- und bis zu 43 Grad Streckentemperatur. Bei stark ausgefahrener Schotterpiste inklusiver dicker Felsbrocken war bei den Fahrern und Beifahrern stets volle Konzentration gefragt. Die wurde vor allem am Samstag auf eine harte Probe gestellt: Mit 212,83 Kilometern bildete er den längsten Rallye-Tag seit der Safari-Rallye 2002. Auch für das Team bedeuteten die langen Tage Arbeit an der Belastungsgrenze. Die Mechaniker arbeiteten bis kurz vor Mitternacht - gegen fünf Uhr morgens klingelte der Wecker. Dabei bildete die Mannschaft einen perfekten Rückhalt für Ogier, Latvala und Mikkelsen und garantierten jeden Morgen stets drei perfekt vorbereitete Polo R WRC.

Erfolgsformeln: die Rallye Sardinien in Zahlen und Fakten

Der 27. Sieg des Polo R WRC in der FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) und der 52. Podiumserfolg seit dem Einstieg mit dem World Rally Car im Januar 2013 - auf Sardinien schrieb Volkswagen die überragende Erfolgsgeschichte weiter fort. 406 Prüfungsbestzeiten schlagen für den Polo R WRC in 592 Sonderprüfungen zu Buche, nachdem in Italien 14 weitere dazu kamen. Seit Projektstart bei der Rallye Monte Carlo 2013 absolvierten die Polo R WRC gemeinschaftlich 30.108,95 WP-Kilometer - das entspricht in etwa drei Viertel Umrundungen des Globus im Rallye-Tempo.

Sebastien Ogier: Der Sieg hier auf Sardinien war sehr wichtig für unseren Kampf um die Weltmeisterschaft. Wir haben jetzt einen großen Punktevorsprung vor der Konkurrenz. Der entscheidende Grund für den Erfolg neben einem perfekten Auto und einem fantastischen Team: Julien und ich haben an diesem Wochenende absolut perfekt harmoniert. Das ist normalerweise nicht anders, aber hier waren so viele Prüfungen neu und die Tage so lang, dass wir beide ständig extrem konzentriert sein mussten. Dazu kommt die Hitze im Cockpit, die anspruchsvollen und rauen Prüfungen - am Ende des Tages fällst du wie ein Stein ins Bett. In dieser Saison war das bisher die physisch anstrengendste Rallye. Deshalb bin ich überglücklich und stolz auf diesen Erfolg in Italien.

Jari-Matti Latvala: Der Polo R WRC lief heute weiterhin gut, aber nach den Ereignissen von gestern war nach vorn auch nicht mehr wirklich etwas möglich. Deshalb haben wir uns auf die Powerstage konzentriert. Mit Erfolg. Alles in allem muss ich nach den Problemen des Wochenendes mit Platz sechs und insgesamt zehn Punkten nach der Powerstage zufrieden sein. Trotzdem gibt es auch positive Nachrichten. Wir waren über die gesamte Distanz schnell unterwegs. Darauf lässt sich für Polen aufbauen. Ich freue mich schon darauf!

Andreas Mikkelsen: Mehr als Punkte auf der Powerstage waren heute nicht mehr drin. Ich habe alles auf diese Karte gesetzt und das erfolgreich. Die Powerstage ist mir gut gelungen, ich habe dort keine Fehler gemacht und aus der Startposition das Beste herausgeholt. Gut, dass wir noch etwas Zählbares mitgenommen haben. Aber natürlich bin ich enttäuscht, dass wir hier eine eher schwierige Rallye erlebt haben - und wir werden daraus lernen. Mein Blick richtet sich bereits auf das kommende Rallye-Wochenende in Polen. Vergangenes Jahr hat sie mir sehr gelegen und wir haben uns einen schönen Zweikampf mit Sebastien Ogier um den Sieg geliefert. Ich hoffe, daran können wir in zwei Wochen anknüpfen.

Jost Capito, Volkswagen Motorsport-Direktor: Die Rallye Italien hatte für Volkswagen viele Höhen und Tiefen. Und am Ende ein Happy End. Der dritte Sieg von Sebastien Ogier und Julien Ingrassia hier in Folge ist ein großer Schritt für sie selbst in der Fahrer- und Beifahrer-WM und ist für Volkswagen in der Hersteller-WM Gold wert. Bei dieser heißen und Material-fordernden Rallye zu siegen, ist alles andere als leicht und ganz sicher kein Spaziergang. Das haben wir mit Jari-Matti Latvala und Andreas Mikkelsen am eigenen Leib erfahren. Aber beide haben aus den Rückschlägen und den schwierigen Situationen das Beste gemacht. Auch vor dieser Leistung habe ich allerhöchsten Respekt. Ich freue mich für die ganze Mannschaft und wir blicken gemeinsam auf eine extrem erfolgreiche erste Saisonhälfte zurück. Im gesamten Team - vom Fahrer bis zum Mechaniker, vom Ingenieur bis zum Koch, vom Logistiker bis zum medizinischen Abteilung - greifen alle Rädchen perfekt ineinander. Darauf können wir gemeinsam stolz sein.