Nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft scheint für Volkswagen weiter alles am Schnürchen zu laufen. Bei der Großbritannien Rallye in Wales führt Sebastien Ogier auch nach dem dritten Tag und insgesamt 16 von 22 Wertungsprüfungen mit rund 20 Sekunden vor seinem Teamkollegen Jari-Matti Latvala. Die beiden Volkswagen-Piloten waren über den Tag gesehen beinahe identisch schnell unterwegs, Latvala verlor nur zwei Zehntelsekunden auf den Spitzenreiter.

Latvala tat sich dabei am Vormittag schwer, da er in seinem Aufschrieb zu viele rutschige Stellen notiert hatte und daher zu vorsichtig fuhr. Auf der zweiten Schleife der Prüfungen drehte er dann so richtig auf und setzte Teamkollege Ogier zumindest etwas unter Druck. "Manchmal bekommt man einen wirklich großen Kick, wenn man eine gute Stage fährt. Ogier war wirklich schnell, aber er ist auch nur ein Mensch und kann nicht auf jeder Stage einen perfekten Run hinlegen", erklärte er.

Ogier zeigte sich angesichts der starken Pace des zweimaligen Gewinners der Rallye Großbritannien jedoch nicht allzu besorgt. "Ja, wir haben etwas Zeit verloren, aber es war kein großes Drama. Wir können es uns leisten, ein wenig zu verlieren. Es war nichts Besonderes falsch, ich war einfach zu langsam und zu vorsichtig", meinte er.

Von hinten droht den beiden VW-Piloten derweil keine Gefahr. Thierry Neuville verlor weitere zehn Sekunden und liegt über eine Minute hinter Ogier. Auf der zehnten Wertungsprüfung traf der Belgier in einer Schikane einen Strohballen. "Ich habe etwas zu spät gebremst. Wir hatten geplant, etwas schneller durch die Schikane zu fahren, aber es war nicht möglich. Meine Tür ist beschädigt und wir haben zwei oder drei Sekunden verloren", klagte er. Auch die 14. Prüfung verlief für ihn nicht optimal, da er vor dem Start keine Zeit mehr hatte, seine Sicherheitsgurte fester zu ziehen. "Sobald wir in der Stage waren, war es ok", relativierte er.

Für Neuville könnte es am Sonntag noch einmal spannend werden, denn Andreas Mikkelsen überzeugte am dritten Tag der Rallye Großbritannien mit zwei Stagebestzeiten und macht von hinten ordentlich Druck. Mikkelsen war insgesamt sogar etwas schneller als die Spitze und schob sich von der sechsten auf die vierte Position. Dort liegt er nur noch 20 Sekunden hinter Neuville. Mit etwas mehr als sieben Sekunden Abstand folgt Landsmann Mads Östberg, mit dem er sich nicht das erste Mal ein Duell liefert.

Erneut ging Robert Kubica die Straße aus. - Foto: Sutton
Erneut ging Robert Kubica die Straße aus.Foto: Sutton

"Ich bin den ganzen Tag sehr hart gefahren, aber ich habe die Dinge nicht verstanden", klagte Östberg. "Die Balance war gut, aber die Zeiten kamen nicht. Uns fehlte Traktion, besonders in den Bergaufpassagen und wir haben dort viel Zeit verloren - vielleicht eine Sekunde pro Kilometer. Mein Vater hat mich angerufen und mir gesagt, dass ich zuhören soll. Er sagte mir, dass wenn ich auf der Position, auf der ich bin, ins Ziel kommen will, nur so weitermachen müsse mit dem Auto, so wie es ist. Aber wenn ich mich verbessern will, dann sollte ich die Ausfederung vollkommen öffnen. Ich habe immer auf ihn gehört und so habe ich das erneut getan." Nach dieser Ankündigung darf man am morgigen letzten Tag der Rallye Großbritannien auf die Zeiten des jungen Norwegers, dessen Vater Morthen meist vor Ort für ihn die Strecken in Augenschein nimmt, gespannt sein.

Blackout in der Kommunikation

Teamkollege Evgeny Novikov schied bereits nach sechs Kilometern auf Dyfi 1 aus. "Er ist an einer sehr schnellen Stelle abgeflogen, in der Bremszone vor einer Rechtskurve. Wir haben ziemlich stark abgebremst, aber wir konnten sie nicht sehen", berichtete Östberg. "Aber es waren Leute da, die uns vorbeigewunken haben, also sind wir weitergefahren." Auch Neuville, der seine letzte Rallye für M-Sport bestreitet, verlangsamte an der Stelle. Novikov und Beifahrerin Ilka Minor blieben unverletzt.

Ebenso kamen Robert Kubica und Beifahrer Michele Ferrara glimpflich davon, als sie nach 3,7 Kilometern auf Dyfi 1 von der Straße abkamen und mehr als 60 Meter einen Abhang runterkullerten. "Wir haben einen großen Stein getroffen. Ich denke, da hatten wir einfach ein Missverständnis im Aufschrieb", sagte Kubica nach dem Unfall. "An einer Stelle, an der ich bremsen sollte, stand ich immer noch auf dem Gas und dann habe ich die Kurve zu spät gesehen. Ich habe noch versucht, den Abflug zu vermeiden, aber der Geschwindigkeitsüberschuss war zu hoch. Das war wie ein Blackout in unserer Kommunikation."

Top-Ten nach 16 von 22 Wertungsprüfungen

1. Sebastien Ogier (Volkswagen) 2:33:47.6
2. Jari-Matti Latvala (Volkswagen) +20.3
3. Thierry Neuville (Ford) +1:14.4
4. Andreas Mikkelsen (Volkswagen) +1:34.4
5. Mads Östberg (Ford) +1:41.7
6. Martin Prokop (Ford) +6:42.0
7. Dani Sordo (Citroen) +7:45.5
8. Elfyn Evans (Ford) +9:20.5
9. Jari Ketomaa (Ford) +10:20.3
10. Mark Higgins (Ford) +10:55.0