Nachdem die Werksmannschaft aus Wolfsburg in Frankreich Fahrer- und Beifahrer-Titel feierte, greift sie bei der kommenden Rallye Spanien (24.-27. Oktober) auch nach dem Hersteller-Titel. Die Formel ist einfach: Beenden entweder die neuen Weltmeister Sebastien Ogier/Julien Ingrassia (F/F) oder ihre Volkswagen Teamkollegen Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila (FIN/FIN) die Rallye Spanien mindestens als Siebte, steht Volkswagen als neuer Titelträger fest.

"Ein siebter Platz genügt, um die Weltmeisterschaft zu holen", so Volkswagen Motorsport-Direktor Jost Capito. "Wenn alles normal läuft, erreichen wir das schon in Spanien. Es wäre das absolute Sahnehäubchen, wenn wir in der Debütsaison das schaffen, woran wir zu Saisonbeginn nicht im Traum gedacht haben. Dafür, dass alles normal läuft, wird das gesamte Team erneut mit allen Mitteln kämpfen. Es gibt in unserer Mannschaft keinen Schwachpunkt. Und darauf bin ich besonders stolz."

Das Motorsport-Märchen

Das VW-Märchen im ersten Rallye-Jahr - Foto: Volkswagen Motorsport
Das VW-Märchen im ersten Rallye-JahrFoto: Volkswagen Motorsport

Mit dem ursprünglichen Ziel angetreten, im ersten Jahr aus eigener Kraft um Podestplätze, im zweiten um Siege und im dritten um Titel zu fahren, entwickelte sich das Debütjahr von Volkswagen zum Motorsport-Märchen. Meilenstein eins: Das erste Podiumsresultat gelang schon beim Saisonauftakt - der legendären Rallye Monte Carlo. Meilenstein zwei: der erste Sieg bei der darauffolgenden Rallye in Schweden. Es folgten weitere sieben Volkswagen Siege, ehe am 03. Oktober 2013 bei Rallye Frankreich Sébastien Ogier/Julien Ingrassia frühzeitig als Fahrer- und Beifahrer-Weltmeister feststanden.

Alles anders am Sonntag - nach Asphalt kommt Schotter

Der vorletzte Lauf der Rallye-WM 2013 ist ein echtes Unikat - und eine Rallye der Gegensätze. An den ersten beiden Tagen eine klassische Asphalt-Rallye. Am Sonntag verwandelt sich die Rallye in ein reinrassiges Schotter-Event. Dieser Wechsel bedeutet für die Ingenieure und die Mechaniker des Teams von Volkswagen Motorsport am Samstagabend Stress pur. In nur 75 Minuten müssen die drei Polo R WRC von Asphalt-Abstimmung auf Schotter-Setup umgebaut werden. Hierbei werden nicht nur die Dämpfer und Federn getauscht, sondern beispielsweise auch die Fahrzeughöhe angepasst und ein dickerer Unterbodenschutz montiert. Dazu kommen Wechsel von Aufhängungsteilen, Differenzial und Getriebe. Und anstatt der pro Rad samt Felge 21 Kilogramm schweren Asphalt-Reifen kommen auf den letzten sechs Wertungsprüfungen die vier Kilogramm schwereren Schotter-Pneus mit grobem Profil zum Einsatz.

Eine große Herausforderung stellen diese Gegensätze auch für die Fahrer dar. Zum Auftakt müssen die Piloten am Freitagabend bei völliger Dunkelheit die ersten drei Wertungsprüfungen der Rallye meistern. Am Samstag stehen im bergigen Hinterland der Costa Daurada sechs weitere WPs auf Asphalt auf dem Programm, darunter gleich zwei Mal die wegen ihrer spektakulären Spitzkehren von den Fans geliebte "El Priorat".

Bei der Rallye Spanien kommt Staub auf - Foto: Citroen
Bei der Rallye Spanien kommt Staub aufFoto: Citroen

Nach 217,38 Wertungskilometern folgt schließlich der krasse Wechsel. Am Sonntag stehen dann die drei abschließenden Schotter-Prüfungen an, welche das Teilnehmerfeld bis an den westlichen Rand Kataloniens führen wird. Mehr als an den beiden vorangegangenen Tagen kann nun die Startposition eine entscheidende Rolle für den Ausgang der Rallye spielen: Sollte es trocken sein, bleibt der Staub der zuerst gestarteten World Rally Cars in den Tälern der hügeligen Landschaft regelrecht stehen. Freie Sicht ist den Fahrern hier also selbst am helllichten Tag keineswegs garantiert.

Die Stimmen vor der Rallye Spanien

Jari-Matti Latvala: "Nach dem Gewinn der Fahrer- und Beifahrer-Weltmeisterschaft durch Séb und Julien in Frankreich möchten wir als Team bei der Rallye Spanien das nächste Ziel erreichen, indem wir auch die Hersteller-Wertung frühzeitig gewinnen. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich durch ein gutes Ergebnis dazu beitragen könnte. Davon abgesehen verfolge ich in dieser Saison aber auch noch ein persönliches Ziel: Ich möchte in der Fahrer-Meisterschaft um den zweiten Platz kämpfen. Doch die Konkurrenz ist stark: Dani Sordo hat zuletzt sehr gute Leistungen gezeigt - mit ihm wird bei seiner Heim-Rallye definitiv zu rechnen sein. Auf Asphalt gehört er zu den stärksten Fahrern überhaupt. Aber in Spanien wird am letzten Tag der Rallye auf Schotter gefahren, was das Ganze ziemlich interessant macht."

Sebastien Ogier: "Auf die Rallye Spanien freue ich mich sehr. Für mich ist es jetzt natürlich ein schönes Gefühl, als Weltmeister bei einer Rallye anzutreten. Vielleicht kann ich dadurch noch etwas entspannter und schneller fahren. Auf jeden Fall werde ich es genießen. Gleichzeitig ist es für uns aber auch wichtig, den Hersteller-Titel in Spanien zu holen. Das wäre für Volkswagen die perfekte Saison - in einem Jahr beide Titel zu holen. Ich mag die Rallye Spanien sehr. Sie ist sehr anspruchsvoll, da man auf zwei unterschiedlichen Untergründen fährt. Die Fans in Spanien sind immer sehr enthusiastisch, und es wird Spaß machen, vor ihnen zu fahren."

Andreas Mikkelsen: "Die Rallye Spanien ist sehr interessant, da sie sowohl auf Asphalt als auch auf Schotter ausgetragen wird. Die meisten Wertungsprüfungen finden allerdings auf Asphalt statt. Für mich war es auf jeden Fall schon sehr hilfreich, in Frankreich ein paar Kilometer mit dem Polo R WRC auf Asphalt fahren zu können, auch wenn ich dort Probleme mit der Fahrzeugabstimmung hatte. In Spanien bin ich bislang zwei Mal angetreten. Ich mag die Rallye wirklich sehr und hoffe, dass wir dort besser abschneiden werden als zuletzt. Die Umstellung von Asphalt auf Schotter ist nicht einfach. Es ist sehr wichtig, sich schnell an diesen Übergang zu gewöhnen und damit zurechtzukommen. Doch darauf müssen sich alle Fahrer gleichermaßen einstellen."