Nach der Premiere in Mexiko wartet die nächste Herausforderung auf die LMP1-Hersteller: Das Lone Star Le Mans auf dem Circuit of the Americas in Austin/Texas. Der Clou an diesem Rennen: Erstmals seit den 24 Stunden von Le Mans fährt das Feld der WEC bei den 6 Stunden von Austin in die Nacht hinein. Motorsport-Magazin.com blickt auf die LMP1-Klasse bei diesem Highlight-Rennen voraus:

WEC 2016: Trailer zu den 6h von Austin: (00:59 Min.)

Rückblick: Das LMP1-Kräfteverhältnis in Mexiko

Die Fans erlebten bei der WEC-Premiere in Mexiko ein spannendes Rennen, dass durch den einen oder anderen Regenschauer zusätzlich gewürzt wurde. Audi und Porsche agierten lange Zeit auf Augenhöhe, mit leichten Vorteilen für die Ingolstädter. Im Regen schenkten sich schließlich alle drei LMP1-Hersteller nichts, es war ein offenes Rennen um den Sieg. Am Ende waren Porsche die Glücklicheren und holten den Sieg vor Audi und Toyota.

Audi vor den 6h von Austin 2016

Fässler/Lotterer/Tréluyer sind auf dem Sprung nach vorne - Foto: Audi
Fässler/Lotterer/Tréluyer sind auf dem Sprung nach vorneFoto: Audi

Audi hat in Mexiko den zweiten Platz in der Gesamtwertung an Toyota verloren. Di Grassi/Duval/Jarvis wurden durch ein defektes Radlager vorne links im mittleren Renndrittel aus dem Kampf um den Rennsieg geworfen, während Sarrazin/Conway/Kobayashi im #6-Toyota dank Platz drei in der Gesamtwertung an ihnen vorbeizogen. Bereits in Austin soll sich das Blatt wieder zugunsten von Audi wenden. Auch das Schwesterauto #7 um Fässler/Lotterer/Tréluyer ist jederzeit für einen Sieg gut. In Austin gewann das Trio bereits 2014, und nach den Plätzen fünf (Spa), vier (Le Mans), drei (Nürburgring) und zwei (Mexiko) soll nun der erste Saisonsieg gelingen.

Porsche vor den 6h von Austin 2016

Porsche kommt als "Titelverteidiger" zum Lone Star Le Mans nach Texas. Im Vorjahr entscheiden Bernhard/Webber/Hartley das Rennen für sich. Auch 2016 soll es für die amtierenden Weltmeister mit dem Sieg klappen. "Vermutlich werden wir 2016 nicht so dominant sein wie 2015, aber wir wollen unseren Vorjahressieg trotzdem wiederholen", gibt sich Mark Webber kämpferisch. Doch im Porsche-Lager ist man für dieses Jahr auch etwas skeptisch. Das Wetter in Texas hält die gesamte Porsche-Truppe nämlich in Alarmbereitschaft.

Bernhard/Webber/Hartley wollen weiter siegen - Foto: Porsche
Bernhard/Webber/Hartley wollen weiter siegenFoto: Porsche

"Die größte Herausforderung aber stellt die Hitze dar, im Moment sieht es nach 30 Grad Celsius und mehr aus", weiß Neel Jani. Da das Rennen allerdings erst um 17:00 Uhr Ortszeit startet, bricht die Dunkelheit gegen Rennhalbzeit herein, was die Temperatur sinken lassen sollte. Auf das Fahren in der Nacht freuen sich die Porsche-Fahrer auf jeden Fall schon: "Ich liebe es, in die Nacht zu fahren. Unsere Autos können das, und das ist etwas Le-Mans-Feeling", reibt sich Webber schon die Hände. Im Vorjahr erbten Bernhard/Webber/Hartley den Sieg vom Schwesterauto, das kurz vor Schluss von einem technischen Defekt heimgesucht wurde.

Toyota vor den 6h von Austin 2016

Erfreuliche Nachrichten für Toyota: In Austin treten die Japaner wieder in voller Mannschaftsstärke an. Nachdem Anthony Davidson kurzfristig seinen Start in Mexiko absagen musste, ist er nun in Austin wieder zurück im #5-Toyota und unterstützt seine Kollegen Sebastien Buemi und Kazuki Nakajima im Cockpit. Dennoch werden sie und ihre Kollegen Sarrazin/Conway/Kobayashi im #6-Toyota nicht einfach haben beim Lone Star Le Mans. Toyota setzt auch in Austin auf das High-Downforce-Paket, mit dem man der LMP1-Konkurrenz bisher etwas hinterher hechelte.

Toyota ist der Konkurrenz in Mexiko wieder näher gekommen - Foto: Porsche
Toyota ist der Konkurrenz in Mexiko wieder näher gekommenFoto: Porsche

Die Piloten erkannten in Mexiko jedoch Fortschritte beim High-Downforce-Toyota. "Das gesamte Fahrzeug macht nun einen stärkeren Eindruck und ich denke wir werden erneut an der Spitze mitkämpfen können. Ich weiß, dass alle im Team sehr hart daran gearbeitet haben, dass wir mit der Extremabtriebsvariante wieder in diese Position gelangen und schätze all diese Mühen sehr", lobt Stéphane Sarrazin die Arbeit der Crew im Toyota-Werk in Köln. Auch Sebastien Buemi ist in Mexiko aufgefallen: "Wir zeigten ein gutes Renntempo und wir waren gegen die Audis und Porsche relativ konkurrenzfähig."

WEC Austin 2016: Das LMP1-Kräfteverhältnis im Vorjahr

Der Circuit of the Americas war 2015 Porsche-Territorium. Die beiden 919 Hybrid von Bernhard/Webber/Hartley und Dumas/Jani/Lieb diktierten das Rennen. Zunächst führten die späteren Weltmeister, doch durch eine einminütige Stop-and-Go-Strafe wurden Dumas/Jani/Lieb an die Spitze gespült. Dort hielt sich das Trio bis kurz vor Schluss, ehe man wegen eines Defekts alle Sieghoffnungen begraben musste. So gewannen doch Bernhard/Webber/Hartley vor beiden Audi. Fässler/Lotterer/Tréluyer kämpften sich in der Schlussphase noch von Platz vier auf Rang zwei vor. Nicht viel zu sehen war von Toyota. Die beiden TS040 Hybrid wurden Vierter und Fünfter, gefolgt vom defektgeplagten Porsche von Dumas/Jani/Lieb.

Die Highlights der 6 Stunden von Austin 2015: (03:05 Min.)

Die Aussagen der Verantwortlichen vor den 6h von Austin 2016

Dr. Wolfgang Ullrich, Motorsportchef Audi: "Wir haben bei den jüngsten Läufen tolle Werbung für den Langstreckensport in der FIA WEC gesehen. Die Rennen blieben sechs Stunden lang vollkommen offen. Rückschläge waren ebenso wie Aufholjagden jederzeit möglich und boten dem Publikum Spannung pur."

Andreas Seidl, Teamchef Porsche: "Im Vorjahr haben unsere Porsche 919 Hybrid in Austin dominiert, damit ist diesmal nicht zu rechnen. Dennoch glauben wir, dass die vielen schnellen Kurven auf dem CoTA unserem 919 gut liegen sollten. Bedingt durch den Zeitplan mit späten Trainings und einem Rennen bis 23:00 Uhr sowie der meist großen Hitze, ist Austin für die Fahrer und das gesamte Team immer besonders fordernd."

Toshio Sato, Team-Präsident Toyota: "Wir freuen uns darauf wieder in Austin zu Gast zu sein. Einige unserer Teammitglieder blieben nach dem Rennen in Mexiko gleich in Amerika, werden also erholt und entspannt an der Rennstrecke erscheinen. Das uns beim letzten Rennen wieder mal ein Podiumsplatz gelang, war zwar sehr befriedigend, doch noch glücklicher machte mich zu sehen, dass wir einen konkurrenzfähigen Auftritt zeigten. Wir haben viel an unser Extremabtriebsvariante gearbeitet und ich denke das Ergebnis erwies sich als positiv. Das Resultat in Mexiko war ein ganz passabler Einstand in die Serie von Überseerennen, ich sehe also dem nächsten spannenden Rennen am Wochenende entgegen."