Nissan wird in diesem Jahr nicht mehr mit dem GT-R LM Nismo in die WEC zurückkehren. Das gab der japanische Hersteller heute per Presseaussendung bekannt. Stattdessen konzentriert man sich darauf, mehr Performance aus dem LMP1-Fahrzeug zu kitzeln. Bei Nissan wird der Bolide einigen Funktionstests und einem Entwicklungsprogramm unterzogen, um dem lahmenden Fronttriebler auf die Sprünge zu helfen und 2016 stärker auf die Weltbühne zurückzukehren.

Im Rahmen dessen wurden seitens Nissan auch einige Umstrukturierungen vorgenommen. So wurde dem bisherigen Rennleiter Ben Bowlby etwa Mike Carcamo, der zuvor für Nissan in Mexiko tätig war, als Teamchef zur Seite gestellt. Bowlby soll damit seinen Fokus vollkommen auf die Weiterentwicklung des ungewöhnlichen Le Mans-Prototypen legen können. "Ben hatte seine Hände voll damit, alles zu tun", weiß Carcamo. "Mein Wissen über die Ingenieursprozesse und meine Erfahrungen im Projektmanagement werden Ben und dem Team dabei helfen, sich darauf zu konzentrieren, das sich im Auto befindliche Potenzial herauszukitzeln", bemerkt Carcamo.

Bei Testfahrten in Austin zeigte sich Nissans LMP1-Prototyp stark verbessert - Foto: Nismo
Bei Testfahrten in Austin zeigte sich Nissans LMP1-Prototyp stark verbessertFoto: Nismo

Bisher nicht den Ansprüchen gerecht geworden

Auch wenn man am Grundkonzept des GT-R LM Nismo, also Frontmotor mit Frontantrieb, weiterhin festhält, so wurden am Fahrzeug doch einige Veränderungen durchgeführt. Bei einem zweitätigen Test in Austin auf dem Circuit of the Americas, den Harry Tincknell und Olivier Pla absolvierten, fuhr man schon bedeutend schnellere Zeiten, trotz Verzichts auf KERS oder speziell für den GT-R LM Nismo weiterentwickelte Michelin-Reifen. Auch die Zuverlässigkeit - in Le Mans noch die Achillesferse des Nissan - bereitete den Ingenieuren keine Schwierigkeiten mehr.

Die Trauben für Nissan hängen hoch - nicht nur was das Level der Konkurrenz in Form von Audi, Toyota und Porsche angeht, sondern auch was die eigenen Ansprüche betrifft: "Wir sehen uns verpflichtet dazu, Wettbewerb auf dem höchsten Level zu führen und sind nicht glücklich, wenn wir nicht gewinnen", gibt Nismo-Präsident Shoichi Miyatani die hohe Messlatte vor. "Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass wir mit dem GT-R Nismo GT3 den Blancpain Pro Cup Drivers-Titel in Europa geholt haben, während wir unser LMP1-Projekt vorangebracht haben", gibt Miyatani aber auch gleichzeitig zu bedenken.

Für Nissan verkam die Saison 2015 in der WEC zu einem Fiasko. Die ersten beiden Rennwochenenden in Silverstone und Spa verpasste man, weil man einen Crashtest nicht bestand. In Le Mans sah bei den 24 Stunden nur eines der drei gestarteten Autos die Zielflagge. Der GT-R LM Nismo von Harry Tincknell/Michael Krumm/Alex Buncombe wurde wegen des riesigen Rückstands auf den siegreichen Porsche 919 Hybrid jedoch nicht gewertet.