Audi feierte den zweiten Doppelsieg in Folge in der Langstrecken-Weltmeisterschaft. Ein plötzlicher Platzregen, die rote Flagge nach einer Serie von Drehern und ein taktisch anspruchsvoller Rennverlauf auf abtrocknender Strecke verwandelten das Nachtrennen in Texas in einen wahren Krimi. Lucas di Grassi/Loïc Duval/Tom Kristensen komplettierten den Erfolg von Audi mit ihrem zweiten Platz.

Das 20. Rennen in der noch jungen Geschichte der WEC war ein Klassiker, der bis zum Schluss offen war. Nach sechs Rennstunden setzte sich das siegreiche Fahrertrio von Audi mit einem denkbar knappen Vorsprung von 53 Sekunden vor ihren Teamkollegen durch. Der Lauf auf dem Circuit of the Americas unterhielt die Zuschauer dabei mit Hochspannung bis zum Schluss. Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius begann das Rennen regulär. Schon früh setzte Audi ein taktisches Zeichen, verzichtete beim ersten Boxenstopp auf einen Reifenwechsel und arbeitete sich Platz um Platz vor. Nach eineinhalb Rennstunden setzte Nieselregen ein, der sich rasch in einen Platzregen verwandelte. Audi wechselte an beiden R18 e-tron quattro rechtzeitig von Slicks auf Regenreifen. Während Benoît Tréluyer die Führung übernahm und Tom Kristensen Platz drei belegte, rutschten etliche Konkurrenten ins Kiesbett und kamen an gefährlichen Stellen zum Stehen. Die Rennleitung entschloss sich deshalb zur Unterbrechung mit der Roten Flagge.

Nach rund 50 Minuten nahmen die Teams hinter dem Safety-Car das Rennen wieder auf. Beide Diesel-Hybridsportwagen von Audi behielten beim Restart auf nasser Strecke ihre Regenreifen. Nach einer Viertelstunde entschied sich das Audi Sport Team Joest bei der Startnummer 2 für den Wechsel auf Intermediate-Reifen. Benoît Tréluyer verteidigte auf den Pneus für Mischbedingungen die Führung, bevor er eine Stunde später auf Slicks wechselte. Beim Schwesterauto entschied sich das Team für eine andere Strategie. Um sich den Wechsel auf Intermediates zu sparen, wollte die Mannschaft die Regenreifen so lange nutzen, bis es trocken genug für Slicks war. Diese taktische Option resultierte in einem Boxenstopp weniger. Jedoch musste Tom Kristensen zunächst ebenfalls Intermediate-Reifen aufziehen lassen, bevor beim nächsten Boxenstopp der Wechsel auf Trockenreifen möglich war. Nach einer Aufholjagd von Lucas di Grassi am Rennende belegte die Startnummer 1 im Ziel den zweiten Platz.

Bereits vor einem Jahr hat Audi das WEC-Rennen in Nordamerika für sich entschieden. Für Audi war es der 13. Sieg in 20 WEC-Rennen seit Beginn der Weltmeisterschaft im Jahr 2012. Mit dem neuerlichen Erfolg hat die Mannschaft von Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich und Chris Reinke, Leiter LMP, nach vier von acht Rennen erstmals in diesem Jahr die Führung in der WEC-Markenwertung übernommen. In drei Wochen steht auf der Strecke von Fuji in Japan der fünfte Lauf im WEC-Programm.

Lucas di Grassi, Loic Duval und Tom Kristensen holten sich in der Schlussphase noch Rang zwei - Foto: Audi
Lucas di Grassi, Loic Duval und Tom Kristensen holten sich in der Schlussphase noch Rang zweiFoto: Audi

Stimmen nach dem Rennen

Dr. Wolfgang Ullrich (Audi-Motorsportchef): "Es war ein sehr schwieriges Rennen. Der heftige Regenfall, der einige Autos von der Piste geschwemmt hat, und unsere Entscheidung im richtigen Moment, als Erste auf Regenreifen zu wechseln, waren mitentscheidend für den Doppelsieg. Es war aber auch das gute Tempo. Es hat alles gepasst: Wir hatten ein gutes Auto, die Fahrer sind toll gefahren und es gab schnelle Boxenstopps. Wir können diesen Erfolg genießen. Es ist schön, dass es nach Le Mans so positiv weitergeht."

Chris Reinke (Leiter LMP): "Nach unserem Sieg in Le Mans war es unser Ziel, als Weltmeisterschafts-Führender aus Austin abzureisen. Das ist uns gelungen. Wir haben eine sehr souveräne Leistung abgegeben. Wir hatten im Qualifying kurzzeitig Pech, haben aber im Rennen zu unserer Stärke zurückgefunden. Wir haben bei wechselhaften Bedingungen vernünftig agiert, denn es waren viele Hürden zu nehmen. Wir haben einen verdienten Sieg eingefahren."

Ralf Jüttner (Teamdirektor Audi Sport Team Joest): "Es war ein sehr turbulentes Rennen. Als wir die Reifen zwei Stints genutzt haben, ging es vorwärts. Im Regen haben wir dieses Mal goldrichtig gelegen. Danke an den Spotter, der über Funk den Fahrern alle Gefahren angesagt hat. Nach der Rot-Unterbrechung ging es volle Attacke vorwärts. Es war schwierig, denn auch unsere Gegner waren sehr schnell. Wir konnten gut mit den Reifen haushalten und hatten sensationelle Fahrer. Der Doppelsieg ist toll und wir sind in der Marken-Weltmeisterschaft vorn. So darf es weitergehen."