Die Audi-Mannschaft hat ihre aktuelle Dominanz in der Langstrecken-Weltmeisterschaft noch einmal unterstrichen. Beim Zeittraining in São Paulo gelang es den Ingolstädtern, sich nicht nur die Pole, sondern gleich die ersten beiden Startpositionen für das morgige Sechs-Stunden-Rennen zu sichern. Den besten Rundenzeiten-Durchschnitt erzielten Marcel Fässler und Benoît Tréluyer. Gemeinsam mit André Lotterer werden sie damit vor ihren Kollegen Loïc Duval und Tom Kristensen (mit Allan McNish) losfahren, den beiden Zweitschnellsten der Qualifikation.

Für Toyota langte es trotz der vielversprechenden Freitagsbestzeit ergo nur zu Rang drei. Sébastien Buemi und Anthony Davidson teilten sich die Lenkradarbeit; summa summarum fehlten ihnen 0,277 Zehntelsekunden auf die Spitzenreiter aus dem Audi-Lager. Eine mögliche Schlussattacke wurde jedoch 180 Sekunden vor Ablauf der Uhr auf besonders ärgerliche Art und Weise verhindert: Eine Werbeplane hatte sich gelöst, war auf die Start-Ziel-Gerade heruntergefallen und sorgte so für eine temporäre Unterbrechung der mit 35 Minuten ohnehin kurzen Prozedur.

Pierre Kaffer (rechts) beim Fahrerwechsel vor der Pecom-Box - Foto: DPPI
Pierre Kaffer (rechts) beim Fahrerwechsel vor der Pecom-BoxFoto: DPPI

Während Rebellion allein auf weiter LMP1-Privatier-Flur Platz vier klarmachte, ging die Pole im Wettkampf der kleineren Prototypen an G-Drive-Nissan (Rusinov/Martin/Conway). Erstmals an diesem Wochenende aufzeigen konnte indes Pierre Kaffer. Im Zusammenspann mit Nicolas Minassian fuhr der Deutsche das Oreca-Coupé (Nissan) seiner Pecom-Truppe zu Klassenrang zwei (0,475 Sekunden zurück). Einige gelbe Flaggen zerstörten allerdings so manche schnelle Runde, weshalb sich die Abstände in der LMP2-Sektion teils durchaus beträchtlich darstellten.

Stanaway beschert Aston Martin die GT-Pole

Wie schon in den Trainings sollte Aston Martin auch in der Qualifikation das Maß der GT-Dinge sein. Jedoch setze sich weder die so gut aufgelegte Paarung Stefan Mücke und Darren Turner durch, noch konnte Lokalmatador Bruno Senna groß auftrumpfen. Tatsächlich machte Neuzugang Richie Stanaway den Unterschied. Der Neuseeländer absolvierte den zügigsten Umlauf aller GT-Starter, doch auch sein Kollege Pedro Lamy lieferte souverän ab. Stanaway, Lamy und Paul Dalla Lana, Dritter im Bunde, werden damit von der vordersten GT-Position das Rennen aufnehmen.

Den zweiten Rang manifestierte das eingespielte Duo Marc Lieb und Richard Lietz im neuen Porsche 911 RSR. Ihr Rückstand auf Stanaway und Lamy betrug lediglich 0,121 Sekunden. Etwa ein weiteres Zehntel langsamer waren die AF-Corse-Piloten Kamui Kobayashi und Toni Vilander an vierter Stelle, womit sie nur knapp hinter dem Aston Martin mit der Nummer 97 zu liegen kamen. Alle drei in der GTE-Pro-Wertung vertretenen Hersteller scheinen sich erstmals seit dem Saisonbeginn in Silverstone gänzlich auf Augenhöhe zu befinden.

Bei den GT-Amateuren setzte sich überraschend ein Ferrari durch. Matt Griffin und Marco Cioci (AF Corse) gelang es um Haaresbreite, das favorisierte Young-Driver-Trio Christoffer Nygaard, Kristian Poulsen und Nicki Thiim (Aston Martin) auf Platz zwei zu verweisen. Die Haaresbreite in Zahlen: 0,008 Sekunden.

Der Start des Sechs-Stunden-Rennens von São Paulo, dem vierten WM-Lauf in diesem Jahr, wird morgen um 17 Uhr deutscher Zeit über die Bühne gehen. Verfolgt werden kann das Spektakel unter anderem im Livestream auf Motorsport-Magazin.com.