Nach dem tödlichen Unfall beim Saisonauftakt der VLN Langstreckenmeisterschaft hat die Capricorn Nürburgring GmbH dem 22-köpfigen "runden Tisch" - einem Expertenkomitee bestehend aus Experten des DMSB, des ADAC, Industrievertretern, Veranstaltern, Fahrern und Teams - ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Sicherheit an der Nürburgring Nordschleife vorgelegt. Die für Fans und Fahrer erlösende Nachricht: Bis auf eine Neuasphaltierung des Bereichs Quiddelbacher Höhe/Flugplatz bleibt die Strecke selbst unangetastet. Keine größeren Auslaufzonen, kein Abtragen der Kuppen. Das Tempolimit, das nach dem Unfall eingeführt worden ist, wird wieder verschwinden.

Abstriche machen müssen hingegen die Zuschauer: Als Reaktion auf den Unfall werden an mehreren Stellen zusätzliche FIA-Schutzzäune aufgestellt, die bei ihrer Einführung im Jahre 2007 von den Fans heftig kritisiert wurden. Auch der beliebte Zuschauerpunkt am Schwedenkreuz wird zur Sperrzone erklärt. Die Maßnahmen beinhalten auch neue Zäune im Bereich der Döttinger Höhe, um die parallel verlaufende Bundesstraße besser zu schützen. Schon mehrfach waren bei schweren Unfällen Trümmer von der Rennstrecke auf die Straße geflogen, im Jahre 2001 war es beim tragischen Unfall von Ulli Richter gar ein ganzer Motorblock.

Die Sicherheit habe bei Rennveranstaltungen, Industrie-Testfahrten und Touristenfahrten oberste Priorität, lässt sich Carsten Schumacher, der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, in einer Capricorn-Presseaussendung zitieren. "Gemeinsam mit den Beteiligten haben wir als Konsequenz aus dem Unfall die Situation im Detail analysiert und zielorientierte Maßnahmen erarbeitet, um die aktive sowie passive Sicherheit und vor allem die Sicherheit der Zuschauer entlang der Nordschleife weiter zu erhöhen."

Tödlicher Unfall: Die Entstehung des Crashs: (00:37 Min.)

So subtil wie möglich, so tiefgreifend wie nötig

Die einzige Maßnahme an der Strecke selbst wird dabei eine Neuasphaltierung sein. Schumacher erklärt: "Auf Basis einer detaillierten Vermessung werden wir im Bereich Flugplatz auf etwa 500 Metern die Fahrbahn erneuern und dabei fünf Bodenwellen beseitigen, die im Laufe der Jahre durch die hohe Aus- und Belastung der Nordschleife entstanden sind." Eine befürchtete Erweiterung der Auslaufzonen oder gar eine Abänderung der Streckenführung bleibt hingegen aus. "Die einzigartige Charakteristik der Nordschleife bleibt bestehen. Das ist nicht nur für den Rennsport wichtig, sondern auch für die Industrie, die auf dieser einmaligen Rennstrecke seit Jahrzehnten ihre Fahrzeuge testet." Schumacher betonte zudem, dass man bezüglich der Sicherheit bei Industrie- und Touristenfahrten auch auf technische Maßnahmen der Automobilhersteller an den Fahrzeugen vertraue.

Die Maßnahmen wurden dem runden Tisch vorgelegt und stießen dort auf breite Zustimmung. Schon im Winter 2015/16 sollen die ersten 7 der 16 Maßnahmen umgesetzt werden. Stellvertretend für den runden Tisch sagte DMSB-Präsident Hans-Joachim Stuck: "Alle Beteiligten wollen die Nordschleife und ihre Einzigartigkeit erhalten. Jedoch ist jedem bewusst, dass wir die Sicherheit erhöhen müssen." Mit der Umsetzung der Maßnahmen erhofft sich der Nürburgring auch eine Verlängerung der FIA-Streckenlizenz für das Jahr 2016. Der DMSB wird bei der Streckenkommission des Weltverbandes die Maßnahmen einreichen.

Beim ersten VLN-Lauf Ende März war Jann Mardenborough in einem Nissan GT-R Nismo GT3 im Bereich Quiddelbacher Höhe/Flugplatz verunfallt, nachdem er Vollgas über die Kuppe gefahren war und das Fahrzeug Unterluft bekam. Der über 550 PS starke Bolide wurde über eine Reifenstapel-Reihe in die Luft katapultiert und in die Zuschauer geschleudert. Dort tötete er einen Fan und verletzte weitere. Daraufhin wurden die GT3-Boliden in ihrer Motorleistung gedrosselt und an der Unfallstelle sowie auf der Döttinger Höhe ein Tempolimit von 200 bzw. 250 km/h eingeführt. Diese Maßnahmen sicherten vorübergehend eine Fortführung der VLN-Läufe und des 24h-Rennens auf dem Nürburgring mit den spektakulären GT3-Boliden.