Mit einer Siegquote von 80 Prozent kommt der Nordire Jonathan Rea zu seinem Heimspiel in Donington - die einzig noch bessere Werbung für den einzigen WSBK-Lauf auf britischem Boden ist lediglich, dass bisher Briten alle zehn Siege abgeräumt haben. Auf dem 4,023 Kilometer Donington Park Circuit in Leicestershire, auf dem die World Superbikes seit 2007 (mit Ausnahme des Insolvenzjahres 2010) gastieren, hat Rea nun die perfekte Chance, seine eher magere Erfolgsbilanz von nur einem Abstauber-Sieg im Jahre 2012 auszubauen. Erster Gegner: Sein Teamkollege Tom Sykes, der ebenfalls Heimspiel hat und auf vier Siege in Folge auf heimischem Boden zurückblicken kann.

Psychospielchen bei Kawasaki

Die Psychospielchen laufen bereits auf Hochtouren. Rea jedenfalls sieht den Grund für Sykes‘ Doppelsiege nicht beim Fahrer: "Wenn man sich die Resultate der letzten Jahre ansieht, wird schnell klar, dass diese Strecke der Ninja ZX-10R gut liegt. Das liegt an der Stabilität des Motorrads im letzten und der Agilität und dem Handling im ersten Sektor." Rea kommt auf einer Wolke des Erfolgs nach Donington, doch nun steht die Herausforderung Heimrennen auf dem Programm. "Das heißt aber nicht, dass ich die Herangehensweise ändern werde oder anders fahre. Ich finde es bizarr, wie einige Fahrer beim Heimspiel diesen X-Faktor finden."

Dicht dran: Tom Sykes fehlt nur noch ein kleines bisschen, um Rea zu schlagen - Foto: WSBK
Dicht dran: Tom Sykes fehlt nur noch ein kleines bisschen, um Rea zu schlagenFoto: WSBK

Leicht wird es nicht werden, denn Sykes hat klare Schritte nach vorn gemacht und in Imola einen möglichen Laufsieg im ersten Rennen nur durch einen Verschalter weggeworfen. "Ich fühle mich im Rahmen der neuen Regularien jetzt definitiv besser", so die Kampfansage vor seinem eigenen Heimspiel. Auch Sykes lässt keine Gelegenheit aus, den Gegner im eigenen Lager freundlich auf gewisse Dinge hinzuweisen: "So gut, dass es uns gelungen ist, in Imola einen neuen Rundenrekord aufzustellen - an einem Ort, wo ich es nie erwartet hätte. Ich brauche jetzt nur noch ein Setup, das es mir ermöglicht, solche Zeiten über 20 Runden zu fahren."

Wer kann die Ninjas stoppen?

Die Grünen sind die dominierende Macht in der WSBK. Bislang konnte nur Ducati den Siegeszug der Ninjas unterbrechen, doch Chaz Davies erlebte in Imola ein Technikdebakel vom Allerfeinsten und musste seine Panigale R in beiden Rennen mit technischem Defekt abstellen. Auch der Waliser hat in Donington Heimspiel, aber die letzten Jahre waren nicht sonderlich erfolgreich. Sein Teamkollege Davide Giugliano, der weiter nicht hundertprozentig fit ist, holte in Imola bereits eindrucksvoll die Pole, will aber kein Versprechen abgeben: "Es hat sich etwas verbessert, aber in Imola habe ich [im Rennen] sehr gelitten. Ich werde mein Bestes geben."

Wer nun der wirklich Local Hero ist, werden Leon Haslam und Alex Lowes unter sich klären müssen. Beide leben nur wenige Kilometer von der Strecke entfernt. Die besseren Karten in sportlicher Hinsicht hat zweifelsohne der Aprilia-Pilot, der in der WM-Wertung trotz eines Sturzes in Imola auf dem zweiten Platz liegt. "Ich bin zuversichtlich, dass meine Verletzung mich nicht behindert", so der 31-Jährige. Sein Teamkollege Jordi Torres hat nach dem Podiumsplatz in Italien Morgenluft gewittert und wird alles dransetzen, den Lokalmatadoren die Party zu verhageln.

Trotz Schmerzen: Davide Giugliano meldete sich in Imola eindrucksvoll mit einer Pole zurück - Foto: Aruba.it Racing
Trotz Schmerzen: Davide Giugliano meldete sich in Imola eindrucksvoll mit einer Pole zurückFoto: Aruba.it Racing

Weit von solchen Hoffnungen entfernt ist der amtierende Weltmeister: Für Sylvain Guintoli wäre ein Podiumsplatz auf der Pata-Honda bereits ein Erfolg. "Wir müssen noch immer einige Schritte erledigen, bis ich die CBR so fahren kann wie ich es gerne würde", dämpft der Franzose die Erwartungen bereits im Vorfeld. Sein Teamkollege Michael van der Mark hat ihn in den letzten Rennen bereits ordentlich unter Druck gesetzt.

Honda ist noch immer besser aufgestellt als Crescent Suzuki: Was mit einer Testbestzeit auf Phillip Island begann, entwickelte sich für Alex Lowes zu einer wenig befriedigenden Saison mit erst einem Podiumsplatz. Im Vorjahr konnte er bei seinem Heimspiel aufs Podium fahren. Sein Teamkollege Randy de Puniet hingegen wird wohl froh sein, wenn er die Zielflagge nach vier Nullern in Folge mal wieder sehen würde. Mit sechs Nullrunden hält er in dieser Statistik den Rekord in der WSBK 2015. Letzter Lokalmatador ist schließlich Leon Camier auf der MV Augusta, der nach einer doppelten Nullrunde in Imola wieder Punkte holen will.