Im Seat Leon Supercopa wird geschaltet wie in der Formel 1. In den spanischen Rennwagen ist eine im deutschen Rennsport einzigartige Technik verbaut, die aus der Serie stammt. Wie im Straßenwagen werden die Gänge in diesem Markenpokal mit einem Direktschaltgetriebe oder kurz DSG gewechselt. Pilot Bastian Kolmsee erklärt, was diese Technik für den Fahrer bedeutet.

Schon mitten im 20. Jahrhundert wurde am DSG gearbeitet. Doch erst um die Jahrtausendwende wurde das System von Volkswagen marktreif gemacht und kam im Golf R32 erstmals zum Einsatz. Kaum jemand wird wissen, dass Porsche in den 80er-Jahren das DSG schon im Gruppe-C-Boliden verwendete.

Nur zwei Pedale. Eine Kupplung sucht man vergeblich - Foto: Urner
Nur zwei Pedale. Eine Kupplung sucht man vergeblichFoto: Urner

Wie bei konventionellen Getrieben sind auf der Eingangs- und Nebenwelle verschiedene Übersetzungsstufen in Form von Zahnradpaaren untergebracht. Der große Unterschied findet sich in der Eingangswelle, denn diese ist beim DSG in zwei Teile geteilt. Dort liegt der Clou: Während auf einer äußeren Hohlwelle die Gänge 1, 3, 5 und der Rückwärtsgang liegen, findet man auf der inneren Welle die Gänge 2, 4 und 6. Da jede der beiden Wellen eine eigene Kupplung hat, sind im Seat Leon deren zwei verbaut.

Durch elektronische und hydraulische Systeme sind beim DSG immer zwei Gänge gleichzeitig eingelegt. Der ausgewählte Gang ist dabei im Fahrbetrieb eingekuppelt, der andere wird vom System vorgewählt. Fährt man zum Beispiel im dritten Gang bei steigender Drehzahl, wird der vierte Gang bereits vorgewählt. Umgekehrt, also bei fallender Drehzahl, bereitet die Elektronik den zweiten Gang auf einen Einsatz vor. Wenn der Fahrer schaltet, öffnet eine Kupplung den bisher aktivierten Gang und gleichzeitig schließt die andere. Unter voller Last wird die Kraftübertragung nicht unterbrochen und es ist ständiger Vortrieb gewährleistet. Die Schaltzeiten tendieren hier gegen Null.

Außenstehenden fällt bei einem Blick ins Cockpit des Seat Leon sofort auf, dass es nur zwei Pedale im Fußraum gibt. "Das Kupplungspedal ist durch das DSG überflüssig geworden. Es gibt nur zwei Pedale und es wird mit links gebremst", erklärt Bastian Kolmsee, der diese Erfahrungen schon in der Formel 3 und bei Taxifahrten im DTM-Boliden machen konnte. Zur Nachahmung ist das Linkbremsen im Straßenverkehr nicht empfohlen. "Wenn man im PKW mit links bremst, macht man entweder eine Vollbremsung oder bremst kaum, weil man normalerweise kein Gefühl im linken Fuß hat."

Wie zu Beginn bereits erwähnt, wird im Seat Leon Supercopa geschaltet wie in der Formel 1. Hinter dem Lenkrad befinden sich zwei Wippen. "Mit der rechten schalten wir einen Gang nach oben, mit der linken wieder runter", berichtet Kolmsee. Da alles elektronisch geregelt wird, könne man während des Hochschaltens voll auf dem Gas bleiben, so Kolmsee weiter. Auch beim Herunterschalten spielt die Elektronik mit. Wenn die Drehzahl noch zu hoch ist, kann der nächsttiefere Gang nicht eingelegt werden. "Man muss in einem bestimmen Drehzahlbereich sein. Wenn man schalten will und es geht nicht, ist man anfangs leicht irritiert. Nachher stellt man sich darauf ein. Optimal ist das nicht, denn als Fahrer will man selbst entscheiden und nicht vom Auto abhängig sein, aber der große Vorteil ist, dass dadurch das Überdrehen des Motors verhindert wird."

Ein großes Geheimnis ist die richtige Taktik, um den Seat Leon möglichst schnell in Bewegung zu setzen. "Ist gibt einen kleinen Trick, um schneller zu starten, den werde ich aber nicht verraten", schmunzelt der ehemalige Formel 3-Meister im Teamzelt von Madeno Racing. Generell steht man auf dem Startplatz mit beiden Füßen auf Gas und Bremse. Wenn die Ampeln ausgehen, kann man das Gaspedal voll durchtreten. Der Motor wird automatisch bei 4.000 Umdrehungen abgeriegelt, so sollen durchdrehende Reifen verhindert werden. Es ist quasi wie eine Launch-Control im Formel 1-Boliden. "Es ist sogar möglich, vom manuellen in einen automatischen Modus zu wechseln", sagt Kolmsee. "Dann muss man gar nichts mehr machen, der Motor schaltet immer bei Höchstdrehzahl." Da dies verständlicherweise langsamer ist als manuell zu schalten, wird die Automatik höchstens von Neulingen bei Testfahrten verwendet, um sich an die grundlegenden Dinge wie den Streckenverlauf zu gewöhnen.

Bastian Kolmsee zählt zu den schnellsten Piloten - Foto: Seat/Urner
Bastian Kolmsee zählt zu den schnellsten PilotenFoto: Seat/Urner

Bastian Kolmsee hat gegenüber dem DSG eine klare Meinung. "Ich würde lieber Sequentiell mit einem Schalthebel schalten. Da ist man Herr der Dinge und kann auch Zwischengas geben, wie man es gerne hätte." Das automatische Zwischengas ist die nächste Eigenheit des Seat Leon. Beim Herunterschalten gibt die Elektronik automatisch etwas Gas, um das Blockieren der Räder zu verhindern. "Es ist zwar nett und angenehm zu fahren, aber leider etwas langweilig", meint Kolmsee. "Die Abhängigkeit von der Elektronik ist für einen Rennfahrer immer unangenehm." Wie abhängig man von der Technik ist, zeigt folgendes Beispiel. Wenn beim Anbremsen einer Kurve beide Hinterräder gleichzeitig stehen bleiben, wird automatisch der Leerlauf eingelegt. In einem Rennen oder auf einer schnellen Runde ist das natürlich alles andere als optimal. "Eigentlich ist es nicht schlimm, wenn die beiden Hinterräder kurz blockieren – aber durch die Sicherheitsprogramme im Steuergerät verliert man teilweise viel Zeit. Wir müssen das Setup deswegen optimal einstellen und die Bremskraft weit nach vorne legen, um dieses Problem zu verhindern."

Das Direktschaltgetriebe ist seit der Saison 2006 im Einsatz. Bastian Kolmsee zieht aus dieser Technik folgendes Fazit. "Wir haben etwas in einem Rennauto, was wir eigentlich nicht bräuchten. Man ist von viel Elektronik abhängig." Letztlich setzt Seat das DSG aus Marketing-Gründen auch im Motorsport ein. "Für ein Serienfahrzeug ist das DSG eine wirklich gute Neuerung, da viele Probleme, wie zum Beispiel das Überdrehen des Motors, überhaupt nicht mehr auftreten können. Darüber hinaus ist der Schaltvorgang gegenüber einer normalen H-Schaltung wesentlich schneller. Doch uns wird viel Arbeit abgenommen, was nicht sein müsste. Man muss damit leben und es hat jeder von uns die gleichen Voraussetzungen."