Bis zum 31. August 2020 sind Großveranstaltungen in Deutschland verboten. Diese und weitere Beschlüsse gaben am Mittwochabend die Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel offiziell bekannt. Die konkreten Regelungen und Definitionen einer Großveranstaltung werden von den einzelnen Bundesländern getroffen.

Vom Verbot sind zahlreiche Motorsport-Veranstaltungen in ganz Deutschland betroffen. Die Maßnahme bedeutet nicht zwingend eine Absage für Events. Rennen mit regulärer Zuschauerbeteiligung dürften jedoch nicht möglich sein. Wie unter anderem im Fußball, besteht aktuell nur die Möglichkeit, sogenannte Geisterrennen unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu veranstalten.

Bis Ende August geplant war die Austragung zahlreicher Rennen unterschiedlicher Serien, die ihre ursprünglichen Rennkalender bereits angepasst hatten. Konkret fallen elf größere Veranstaltungen in diesen Zeitraum, betroffen sind unter anderem die Saisonauftakte von DTM und VLN sowie Events der MotoGP und Formel E auf deutschem Boden.

Wie sieht die neue Formel 1 nach der Krise aus?: (124:00:0 Min.)

DTM: Norisring-Auftakt ungewiss

Die DTM hatte ihre Saison in Folge der Corona-Krise komplett auf die zweite Jahreshälfte verlegt, der Auftakt soll vom 10. bis 12. Juli auf dem traditionsreichen Norisring stattfinden. Das Event auf dem Nürnberger Stadtkurs stand schon vor einigen Wochen vor einer ungewissen Zukunft, die sich durch das Verbot von Großveranstaltungen nun weiter verschlechtert hat. DTM-Chef Gerhard Berger schloss kürzlich Rennen ohne Zuschauer aus.

Eng werden könnte es auch für den geplanten MotoGP-Lauf auf dem Sachsenring, geplant für den 19. bis 21. Juni. Besonders Rennveranstaltungen mit Weltmeisterschafts-Status lassen sich ohne größere Menschenaufläufe entlang der Strecke kaum realisieren, mindestens 1.000 Beteiligte tummeln sich üblicherweise im Fahrerlager - kaum vorstellbar angesichts der internationalen Situation.

Das gilt ebenso für die Formel E, die am 21. Juni ihr sechstes Saisonrennen auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof in Berlin austragen will. Wenige Stunden vor Merkels Verkündung zeigte sich Formel-E-Geschäftsführer Jamie Reigle in einer virtuellen Pressekonferenz noch zuversichtlich, machte aber ebenso auf die sich verändernde Lage aufmerksam. Die liegt seit Mittwochabend in Deutschland vor. Die Formel E sprach bereits vor einigen Wochen von der Möglichkeit, Geister-Rennen auszutragen oder auf permanente Rennstrecken abseits von Metropolen auszuweichen.

Nürburgring stark betroffen

Mit der Rallycross-Weltmeisterschaft ist eine weitere FIA-Veranstaltung mit WM-Status betroffen. Die WRX wäre dieses Jahr nach einer Auszeit nach Deutschland zurückgekehrt und hätte vom 01. bis 02. August erstmals auf dem Nürburgring gastieren sollen.

Vorgesehen war, den WRX-Lauf im Rahmen einer Veranstaltung der Nürburgring Langstrecken-Serie - besser bekannt als VLN - auszutragen. Neben diesem Rennen fallen vier weitere Rennen der Breitensportserie in der Eifel unter das Verbot von Großveranstaltungen: Betroffen sind die Rennen 1 (27.06.), 2 und 3 (11./12.07.), 4 (01.08.) sowie 5 (29.08.).

Auf dem Nürburgring steht weiterhin ein Rennen des ADAC GT Masters zur Diskussion. Vom 14. bis 16. August ist der Eifel-Lauf der GT3-Serie angesetzt. Dieser Termin muss ebenso überprüft werden wie der Saisonauftakt vom 31. Juli bis 02. August. Dieser soll im tschechischen Most über die Bühne gehen, im Falle von behördlichen Restriktionen steht laut ADAC GT Masters der Lausitzring als Alternative zur Verfügung. Diese Möglichkeit rückt nun in weite Ferne.

Nicht vom Verbot der Großveranstaltungen betroffen ist unterdessen das 24-Stunden-Rennen Nürburgring. Der Langstrecken-Klassiker soll nach einer Neu-Terminierung vor wenigen Wochen nun vom 24. bis 27. September 2020 ausgetragen werden.

Verbot in Belgien: 24h-Rennen abgesagt - F1 und WEC ungewiss

Im zu Deutschland angrenzenden Belgien sind an diesem Mittwoch ähnliche Maßnahmen getroffen worden. Die Ausgangsbeschränkung wurde auf den 03. Mai ausgeweitet, Großveranstaltungen ebenfalls bis mindestens 31. August untersagt.

Im Motorsport konkret betroffen sind der dritte DTM-Lauf im belgischen Zolder vom 07. bis 09. August. Bereits abgesagt wurde das für den 25./26. Juli geplante 24-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps. Die Veranstalter respektieren die Entscheidung der Regierung und suchen nach einem neuen Austragungsdatum in diesem Jahr. Auch die Rennen der WEC (15. August) und Formel 1 (30. August) in Spa stehen auf der Kippe.

Verbot von Großveranstaltungen: Betroffene Events in Deutschland

Rennserie Austragungsort Datum
MotoGP Sachsenring 19.-21. Juni
Formel E Berlin 21. Juni
VLN Nürburgring 27. Juni
DTM Norisring 10.-12. Juli
VLN Nürburgring 11. Juli
VLN Nürburgring 12. Juli
ADAC Truck-Grand-Prix Nürburgring 17.-19. Juli
Superbike-WM Oschersleben 31. Juli-02. August
VLN Nürburgring 01. August
WRX Nürburgring 01.-02. August
AvD Oldtimer Grand Prix Nürburgring 07.-09. August
Reisbrennen Lausitzring 07.-09. August
ADAC GT Masters Nürburgring 14.-16. August
VLN Nürburgring 29. August
NitrOlympX Hockenheim 28.-30. August