Der Mann der Stunde heißt Pecco Bagnaia. Der Italiener ist mit einem Megaselbstbewusstsein ausgestattet, dessen Grundstein er in Aragon gelegt hat. Die Art und Weise, wie er bei seinem ersten MotoGP-Sieg die Angriffe von Marc Marquez abgewehrt hat, war schon sehr beeindruckend.

Eine Woche später setzte Bagnaia in Misano, dem Vorgarten von Ducati, wo das Team viel Testarbeit verrichtet, noch einen drauf. Wenn es läuft, dann läuft's. Derzeit absolviert Pecco die Rennwochenenden fehlerlos und setzt damit ein klares Zeichen, im nächsten Jahr um den Titel fahren zu wollen.

In dieser Saison noch Fabio Quartararo abzufangen, wird allerdings schwierig. Der Franzose liegt 48 Punkte voran und macht nicht viel falsch. Er versucht, seinen Vorsprung zu managen und sobald er merkt, dass es nicht für den Sieg reicht, gelingt ihm immer die perfekte Schadensbegrenzung.

Im Vorjahr hat man dem Yamaha-Fahrer noch vorgeworfen, Nerven zu zeigen. Diesen Schwachpunkt hat Fabio ausgemerzt. Im WM-Fight kommt es am meisten darauf an, solide zu punkten und Ausfälle zu vermeiden. Und in allen bisherigen 14 Rennen fuhr er in die Punkteränge. Wenn nichts Gröberes passiert, bringt Quartararo den Vorsprung heim. Im Qualifying ist er eine Bank und Podium-Level hat er allemal. Ich glaube nicht, dass er noch etwas anbrennen lässt.

Fabio Quartararo lässt aktuell nichts anbrennen - Foto: LAT Images
Fabio Quartararo lässt aktuell nichts anbrennenFoto: LAT Images

Jetzt geht es zum ersten und einzigen Mal in diesem Jahr nach Übersee. Und in Texas wird auch wieder mit Marc Marquez zu rechnen sein. Sechs der bisher sieben Rennen am Circuit of the Americas hat der achtfache Weltmeister gewonnen. Er fühlt sich in Austin sehr wohl und die Honda funktioniert dort immer gut. Aber körperlich denke ich, dass Marc zu kämpfen haben wird. Obwohl es linksrum geht, gibt es auf der Strecke viele schnelle und heftige Richtungswechsel, die ihn und seine lädierte Schulter vor eine schwierige Aufgabe stellen werden.

Durch die Klassen hinweg konnten schon die aktuellen MotoGP-Piloten Bagnaia, Morbidelli, Vinales, Miller und Martin beim Grand Prix of the Americas triumphieren, Alex Rins sogar in allen drei Kategorien. Mit solchen positiven Erinnerungen reist du schon mit einem guten Gefühl an. Generell kenne ich aber niemanden, der das Rennen nicht mag. Der Kurs ist extrem geil, bietet lange Geraden, langsame Kurven und eben diese schnellen Richtungswechsel.

Und ein paar Tage in Amerika machen den Fahrern eigentlich immer Spaß. Nur der Asphalt stellte bei der letzten Austragung 2019 ein gravierendes Problem dar. Spannend wird daher, wie sehr sich die Strecke vom Grip und den Bodenunebenheiten verändert hat.

Alex Rins war 2019 bislang letzter Sieger in Austin - Foto: MotoGP
Alex Rins war 2019 bislang letzter Sieger in AustinFoto: MotoGP

Ich traue Pecco Bagnaia den Hattrick zu, kopfmäßig wird er auf Sieg eingestellt sein. Er ist in einer Bombenform, hat nichts zu verlieren und kann All-in gehen. Die anderen Kandidaten sind aus meiner Sicht Fabio Quartararo und Marc Marquez. Ganz außer Acht würde ich aber auch den Kollegen Joan Mir nicht lassen. Der Weltmeister fährt in diesem Jahr wieder sehr konstant und hatte wie Bagnaia bisher nur einen Ausfall zu verzeichnen.

Stefan Bradl ist MotoGP-Testfahrer bei Honda und TV-Kommentator. In der MotoGP-Saison 2021 analysiert der deutsche Moto2-Weltmeister von 2011 als Experte für ServusTV die Rennen live aus der Boxengasse.