Der Yamaha-Launch war für Fabio Quartararo der Startschuss für seine Karriere im Werksteam der Japaner. Für die nächsten zwei Jahre wird der Franzose an der Seite von Maverick Vinales versuchen, den WM-Titel zurück nach Iwata zu holen. Das bedeutet natürlich viel Druck, aber auch viele Möglichkeiten, die sich ihm eröffnen. Vor allem durch die vielen Lektionen, die ihm die Saison 2020 beigebracht hat, fühlt er sich gut vorbereitet.

Im Rahmen der Yamaha-Präsentation sprach Quartararo mit der MotoGP-Presse über seine Pläne für das kommende Jahr. Das Ziel ist klar: Der Kampf um den WM-Titel, den er im Vorjahr nicht für sich gewinnen konnte. Diese Niederlage hat Quartararo zwar hart getroffen, ihn im Nachhinein aber auch weitergebracht, wie er heute sagt.

"Meine Saison 2020 hat perfekt angefangen, aber dann hatten wir viele Probleme und große Ups und Downs", rekapituliert der Franzose. "Nach Barcelona sind wir auf Strecken unterwegs gewesen, auf denen wir Probleme hatten. Dort war es, das ich gemerkt habe, dass das Potenzial des Bikes sinkt und ich die WM verliere."

Quartararo weiter: "Ich wollte deshalb mehr pushen, aber manchmal fällst du dann nur noch weiter zurück. Im Nachhinein bin ich aber nicht mehr frustriert, weil ich sehr viel gelernt habe." Mit etwas Abstand ist eine solche Einschätzung immer leichter abzugeben, 2020 sah Quartararos Sicht auf die Dinge jedoch noch anders aus, wie er selbst zugibt: "Letztes Jahr war ich wütend auf mich selbst, weil ich eine große Chance auf den WM-Titel verloren habe."

"Aber wenn ich jetzt darüber nachdenke, dann habe ich vielleicht die WM verloren, aber viele Erfahrungen für die Saison 2021 und die weitere Zukunft gesammelt", erläutert Quartararo seine heutige Sichtweise. Eine Gelassenheit, die er 2020 einfach noch nicht an den Tag legen konnte. "Ich hatte Probleme damit, einen siebten Platz im Rennen zu akzeptieren", verrät der Yamaha-Werkspilot. "Aber nur so gewinnt man eine WM: Wenn man es in diesem Moment nicht besser kann, muss man besser einen siebten Platz mitnehmen als einen Sturz. So habe ich im letzten Jahr viele WM-Ränge verloren."

Die Nummer 20 ist jetzt auf der Werks-Yamaha zu sehen - Foto: Yamaha
Die Nummer 20 ist jetzt auf der Werks-Yamaha zu sehenFoto: Yamaha

Quartararo: Zusammenarbeit mit Mental-Coach erfolgreich

Damit ihm solche Fehler als Nachfolger von Valentino Rossi im Werksteam nicht mehr passieren, hat Quartararo angefangen, mit einem Mental-Coach zusammenzuarbeiten. Der soll die hitzige Seite des Franzosen unter Kontrolle bekommen und so die Chancen auf den ersehnten WM-Titel steigern. Bisher hat diese Zusammenarbeit schon Früchte getragen, wie Quartararo verrät.

"Vor allem hilft er mir dabei, ruhig zu bleiben", lacht der Franzose. "Ich muss das Gerede der Leute vergessen. Ich habe oft gehört, dass ich angeblich die falschen Leute um mich herum habe, aber ich weiß, dass das nicht stimmt. Ich muss alles andere vergessen und den Fokus auf mich selbst legen. Dabei hilft er mir."

Mehr Neuzugänge auf seiner Seite der Box möchte Quartararo aber nicht - auch auf die Zusammenarbeit mit einem Riding Coach verzichtet er dieses Jahr. "Ich will nur einen Riding Coach, wenn ich auch davon überzeugt bin, dass er mir helfen kann", erklärt Quartararo diese Entscheidung. "Ich möchte mein Team so klein wie möglich halten, also hole ich nur jemanden dazu, der mir auch wirklich helfen kann."

Quartararo und Vinales: Teamwork bei der Entwicklung

Stattdessen will er sich gemeinsam mit seinem neuen Teamkollegen Vinales auf die Weiterentwicklung der Yamaha M1 konzentrieren. In dieser Sache glaubt Quartararo an eine gute Zusammenarbeit mit seinem teameigenen Rivalen. "Natürlich ist Maverick mein erster Konkurrent, aber wenn wir ähnliche Dinge am Bike auszusetzen haben, dann können auch wir in dieselbe Richtung arbeiten."

In der Vergangenheit ist dies der Fall gewesen, wie Quartararo erinnert. "Wir lagen 2020 immer sehr dicht zusammen. Wenn ich Siebter war, war er Achter oder umgekehrt. Entweder lagen wir alle vorn oder alle hinten. Wir haben also scheinbar ähnliche Probleme und werden deshalb auch ähnliche Lösungen finden."